2005/06: Matthias Scherz über die Kopfnuss des Jahres

»Das alte Provozieren-und-Fallenlassen-Spielchen«

50 Jahre, 50 Spieler: 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen. Mit Matthias Scherz sprachen wir über die Kopfnuss des Jahres.

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Matthias Scherz, wie schwierig war es, Albert Streit am Abend des 6. Dezember 2005 wieder einzufangen?
Quasi unmöglich. Albert sah die Rote Karte und ist völlig ausgerastet, was nur verständlich ist, denn eigentlich hatte er ja gar nichts getan. Oft ist es im Fußball so, dass derjenige, der eine Situation provoziert, gar nicht der Leidtragende ist, sondern der, der auf die Provokation reagiert.

Wie haben Sie die Situation erlebt?
Es war der 14. Spieltag. Wir spielten mit Köln in Duisburg, der Tabellen-Fünfzehnte beim Siebzehnten. Purer Abstiegskampf, da war natürlich ordentlich Druck auf dem Kessel. Es stand 1:1, in der Schlussphase gab es ein Foul von Albert Streit an der Seitenlinie, woraufhin Norbert Meier, der an der Linie stand, und Albert aneinander gerieten. Plötzlich standen die beiden Kopf an Kopf.

Und Meier ging schwer getroffen zu Boden.
Ja. Es war nicht klar zu erkennen, was passiert war. Zuerst dachte man, dass Streit Meier zu Boden geschlagen hatte. Dass die ganz Chose vom Duisburger Coach ausging, war ja eigentlich undenkbar. Aber Meier hatte Albert die Kopfnuss gegeben und spielte dann das alte Provozieren-und-Fallenlassen-Spielchen. Da merkt man, dass Meier früher selber Profi war. Die Leute in der Presseabteilung waren allerdings keine Profis?

Warum?
Meier war danach nicht sonderlich gut beraten. In einem ersten Statement auf der Pressekonferenz nach dem Spiel blieb er dabei, dass er das Opfer ist. Er hätte sich die Bilder einfach noch mal ansehen müssen. Es war ja klar zu erkennen, von wem die Kopfnuss ausging. Dass da vom MSV keiner was gesagt hat und die sich so in die Nesseln gesetzt haben, ist schon kurios. Man hätte das ja alles noch regeln können.

Haben Sie mit Albert Streit anschließend über die Szene geredet?
Nicht viel, nein. Es war ja offensichtlich, dass er nichts getan hatte. Im Training haben wir ihn aber schon damit hochgenommen. Es war ja auch zum Lachen.

Und mit Norbert Meier?
Nein, gar nicht. Aber man muss ihn auch ein wenig in Schutz nehmen. In sportlichen Ausnahmesituationen hat man eben manchmal einen Aussetzer. Meier ist ein grundsympathischer Mensch und ich bin froh, dass er jetzt bei Düsseldorf so einen guten Job macht und erfolgreich arbeitet. Es hat ja ein wenig gedauert, bis er nach der Aktion wieder Fuß fasste. Im schlimmsten Fall kann so eine Sache die Karriere beenden.

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