2004/05: Peter Neururer über den Abstieg mit dem VfL Bochum

»Wer gibt schon seine große Liebe auf?«

50 Jahre, 50 Spieler und Trainer: 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen. Mit Peter Neururer sprachen wir über die Saison 2004/2005.

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Peter Neururer, was halten Sie als Trainer von Psychotricks?
Die psychologischen Spielchen werden von der Öffentlichkeit häufig ganz anders wahrgenommen, als sie intern besprochen werden. Allerdings steht auch fest, wenn man vorher ein paar Dinger raushaut und man gewinnt das Spiel, dann war es eine tolle Angelegenheit. Aber wehe, das Spiel geht in die Hose, dann gilt die gleiche Aussage als Sprücheklopferei.

Wie am 31. Spieltag 2004/2005?
In dem Fall ist der Psychotrick bekanntermaßen ganz gewaltig nach hinten losgegangen.

Mit einem Sieg hätten Sie sich und den VfL Bochum noch retten können. Und sie kündigten vor dem Spiel an, den Verein zu verlassen, sollte er absteigen.
Ich hatte noch drei Jahre Vertrag in Bochum und bin davon ausgegangen, dass ich durch diese Aussage die Jungs noch ein bisschen kitzeln kann. Schließlich hatten wir zusammen wunderbare Jahre.

Wie konnte es dann zur 2:6-Niederlage kommen?
Da sind verschiedene Dinge zusammengekommen. Unser Torhüter Rein van Duijnhoven ist ausgefallen und Christian Vander sollte ihn vertreten. Eigentlich war Christian damals schon besser als Rein, aber er hatte einen rabenschwarzen Tag. Von den sechs Toren, die wir uns gefangen haben, waren im Endeffekt fünf mehr als haltbar.

Dabei sah es zur Halbzeit noch ganz gut aus.
Es stand 1:1 und wir waren voll in der Spur. Aber dann kamen Minuten, die ich nicht mehr vergessen werde. Schuss - Treffer. Wenn Mainz noch fünf oder sechsmal mehr auf das Tor geschossen hätte, dann hätten wir zehn Dinger gekriegt.

Und am Ende musste der VfL den bitteren Gang in die zweite Liga antreten.
Außerdem machte Christian Vander kein Spiel mehr für den VfL Bochum und ich war meinen Job bei meiner großen Liebe los.

In der Öffentlichkeit hieß es, sie seien entlassen worden?
Nein, ich habe meinen Job vor dem Spiel zur Verfügung gestellt, um einen zusätzlichen positiven Schub zu erzielen. Von daher kann man schon sagen, dass der Psychotrick voll in die Hose gegangen ist - auch in meine eigene. Wer gibt schon gerne einen Job bei seiner großen Liebe auf?

War dieser Moment der bitterste ihrer Karriere?
Auf jeden Fall. Ich habe ohne Not meinen Platz beim VfL Bochum hergegeben und musste zu meiner Ankündigung stehen - ein Rücktritt vom Rücktritt kam für mich nicht in Frage. Im Nachhinein bereue ich diese Aussage natürlich, da ich beim VfL Bochum einen Arbeitsplatz hatte, der kaum schöner hätte sein können.

Wird Ihnen manchmal noch schwindelig, wenn Sie daran denken, wie schnell der sportliche Abstieg beim VfL Bochum gegangen ist? Im Jahr davor wurde der VfL Fünfter und spielte im UEFA-Cup, im nächsten Jahr folgte der Abstieg.
Die Mannschaft hat auch im Abstiegsjahr noch sehr schönen Fußball gespielt. Aber plötzlich haben wir Spiele in der Nachspielzeit verloren, nur noch Pfosten oder Latte getroffen oder Schiedsrichterentscheidungen sind gegen uns getroffen worden. Am Ende guckt man auf die Tabelle und denkt, das kann doch wohl nicht wahr sein.

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