2001/02: Martin Max über eine Karriere ohne Lobby

»Dafür gibt es schlicht keine Erklärung«

50 Jahre, 50 Spieler. 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen. Mit Martin Max sprachen wir über die Saison 2001/2002.

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Martin Max, wie sehr fühlen Sie sich momentan mit Stefan Kießling verbunden?
Ich kann mich derzeit gut in seine Lage versetzen. (lacht)

Wie bitter war für Sie der Moment, als Sie 2002 zum zweiten Mal Torschützenkönig wurden und dennoch erneut nicht für die WM nominiert wurden?
Die Situation war schon extrem bitter. Aber irgendwann erreicht man einen Punkt, an dem man die Hoffnung mehr oder weniger aufgibt. Ich habe gemerkt, dass ich, aus welchen Gründen auch immer, beim Bundestrainer keine Lobby hatte. Nichtsdestotrotz habe ich die ganze Zeit über große Lust am Fußball gehabt und konnte mich so auf 1860 München konzentrieren.

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Wie sehr ist man als Fußballer abhängig von den Launen eines Nationaltrainers?
Es kommt einfach darauf an, welches System der Trainer bevorzugt. Wenn er meint, nur mit einem Stürmer zu spielen, dann braucht man doch im Grunde nur zwei im Kader. Und dann kann es schonmal eng werden.

Letztlich hat es für Sie nur zu acht Minuten in der Nationalmannschaft gereicht. Wie haben Sie die Diskussion vor der WM, in der es darum ging, ob Carsten Jancker oder sie mitgenommen werden sollten, erlebt?
Eigentlich gar nicht. Wurde damals diskutiert?

Zumindest haben sich nicht wenige gewundert, warum Carsten Jancker für die WM nominiert wurde. Er hatte in der Saison kein einziges Tor erzielt.
Ich denke, jeder kann sich selber seinen Reim daraus machen. Die Leute sind ja auch nicht blöd! Wenn der Torschützenkönig zu Hause bleiben muss und stattdessen jemand mitfährt, der kein einziges Tor geschossen hat, dann gibt es dafür schlicht keine Erklärung. Ich habe jedenfalls bisher keine gefunden.

An welchen Moment erinnern Sie sich in dieser Saison besonders gerne?
Da gibt es keinen herausragenden Moment. Für mich war die zweite Torjägerkanone eine unheimliche Genugtuung, um den Leuten zu zeigen, dass die erste keine Eintagsfliege war.

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Sind Sie rückblickend mit Ihrer Karriere zufrieden?

Absolut. Ich hatte eine schöne Laufbahn. Ob ich jetzt in der Nationalmannschaft gespielt habe oder nicht, spielt letztlich keine große Rolle. Es hätte vielleicht etwas mehr sein können, es hätte aber auch deutlich weniger sein können. Ich kann das ganz gut einschätzen.

2003 haben Sie 1860 München verlassen und sind zu Hansa Rostock gewechselt. Rostock wurde Neunter, 1860 stieg ab. Haben Sie gespürt, dass es in München bergab ging?
Nein, eigentlich nicht. Wobei… (lacht) vielleicht doch ein bisschen. Falko Götz hat verstärkt auf die Jugend gesetzt und am Ende nicht nur mich rasiert, sondern auch THomas Häßler. Die gesunde Mischung hat dem Team daraufhin gefehlt.

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In der aktuellen 11FREUNDE-Ausgabe: 50 Spieler und Trainer erinnern sich an ihre prägendste Bundesligasaison

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