1999/2000: Markus Oberleitner über Leverkusens verpatzte Meisterschaft

»Man hat gemerkt, dass sie gehemmt waren«

50 Jahre, 50 Spieler. 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen. Mit Unterhachings Markus Oberleitner sprachen wir über Leverkusens verpatzte Meisterschaft.

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Markus Oberleitner, mit Unterhaching verhinderten Sie am letzten Spieltag 1999/2000 Leverkusens sicher geglaubte Meisterschaft. Wie hat das kleine Haching die damalige Klasse-Mannschaft von Bayer besiegen können?
Das war sicherlich der Situation geschuldet. Unter der Saison hätten wir wahrscheinlich eine böse Klatsche von denen bekommen. Das war eine bärenstarke Mannschaft. Aber am letzten Spieltag war das etwas anderes. Das ganze Land hat nach Unterhaching geschaut. Wir konnten ganz locker drauflos spielen, Bayer musste unbedingt einen Punkt holen.

Verkrampften die Stars aus Leverkusen?
Man hat von der ersten Minute an gemerkt, dass sie gehemmt waren. Noch schlimmer wurde das nach dem Eigentor von Michael Ballack, das uns natürlich in die Karten spielte. Uns sind regelrecht Flügel gewachsen.

Es heißt, die Leverkusener hätten auf dem Spielfeld kaum miteinander gesprochen. Hat man die Lähmung so deutlich gemerkt?
Das weiß ich nicht mehr. Man hat aber den Druck gemerkt, unter dem sie standen. Und unter Druck passieren manchmal wirklich seltsame Dinge. Im Fußball gibt es einfach Tage, an denen nichts zusammenpasst und die gesamte Mannschaft versagt. Das war so einer.

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Mit Ihrem Tor zum 2:0 begruben Sie die Titelhoffnung der Leverkusener endgültig. Erinnern Sie sich daran?
Ja, es lief ein Konter, Alexander Strehmel passte auf Jochen Seitz. Ich rechnete damit, dass Jochen den Ball mit seinem in Anführungsstrichen »starken« linken Fuß nach innen passt. Er hat das dann überraschend filigran gemacht und den Ball nach innen gechippt. Ich bin reingelaufen und habe den Ball mit dem Hinterkopf an den Innenpfosten und ins Tor verlängert. Ein überragender Spielzug, gekrönt mit einem schönen Treffer.

Den Sie auffällig emotional bejubelt haben. Sie hatten früher selber beim FC Bayern gespielt, kam da der Ex-Münchner in Ihnen durch?
Nein. Ich habe mich einfach sehr gefreut in diesem Moment und wusste nicht so recht, wie ich jubeln sollte. Vielleicht sah es dann ein bisschen blöd aus, das war mir in dem Moment aber egal. Meine Freunde in Österreich nennen mich wegen des emotionalen Jubels übrigens »Schmetterlingszupfer«

Schmetterlingszupfer?
Ach, die Österreicher sagen doch zu allem irgendwie »Zupfer«. Und ich bin nach dem Tor eben rumgesprungen wie ein Schmetterling.

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Hatten Sie nach Abpfiff Mitleid mit den Leverkusenern?
Natürlich. Als Sportler muss man die Größe haben, auch im Sieg Mitgefühl mit dem Verlierer zu haben. Aber es wäre vermessen gewesen, wenn wir kleine Hachinger nach dem Spiel zu den Leverkusenern gegangen wären, um sie wieder aufzubauen. Was hätte ein Michael Ballack denn erwidern sollen? »Ja, Danke«? Im Sport gibt es nunmal Sieg und Niederlage. Ein Jahr später standen wir ja selbst am Abgrund.

Und sind abgestiegen.
Genau, im Spiel gegen Schalke. Wir stiegen ab und Schalke verlor die Meisterschaft an die Bayern. Zwei Jahre in Folge war ich dort, wo die Meisterschaft vergeigt wurde. Und beides mal hieß der Meister Bayern. Vielleicht bin ich eine Art Glücksbringer.

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