1998: Als der HSV die erste Arena baute

»Wir fingen einfach an«

Als erster Bundesligaverein begann der HSV 1998 mit dem Bau einer Multifunktionsarena. Andreas Heller war damals einer der Architekten. Wir sprachen mit ihm über Pionierarbeit, Betonästhetik und Smartiesbestuhlung. 1998: Als der HSV die erste Arena bauteImago

Andreas Heller, am 2. Juni 1998 um 10.30 Uhr rissen die Bagger den ersten Block des alten Volksparkstadions ein. Ein erhabener oder ein wehmütiger Moment?

Es fühlte sich an wie der Aufbruch in ein neues Zeitalter – als besteige man den Mount Everest ohne Atemgerät. Wir arbeiteten dabei unter massivem Zeitdruck und unter Beobachtung der ganzen Bundesliga. Der Stadionum- respektive -neubau fand ja bei laufendem Spielbetrieb statt. Sie müssen sich das mal vorstellen: Kurz vor Beginn der Saison wurde das Spielfeld um 90 Grad gedreht. Und die Finanzierung stand erst 53 Tage nach Baubeginn.

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Nach einem ausgefeilten Konzept klingt das nicht.

Ich vergleiche den Neubau der HSV-Arena gerne mit einem privaten Hausbau: Der HSV und die Architekten fingen einfach mal an. Wir hatten uns vorher natürlich etliche Stadien angeschaut – etwa das Stade de France oder das San Siro – doch in Deutschland hatte es ein vergleichbares Projekt noch nicht gegeben. Wir leisteten Pionierarbeit, von daher machten wir viele Dinge, die wir heute nicht mehr so machen würden.

Zum Beispiel?

Im Herbst 1998 entschieden wir, eine sogenannte Smartiesbestuhlung vorzunehmen, also Sitzplätze in vielen bunten Farben einzubauen. In US-Footballstadien ist eine solche Bestuhlung üblich, denn im Fernsehen sieht sie trotz leerer Ränge so aus, als seien die Arenen gut gefüllt. Als die HSV-Fans die Sitze zum ersten Mal sahen, protestierten sie. Sie wollten ein schwarz-weiß-blaues Stadion, kein buntes Smartiesstadion. Die Stühle waren aber bereits verschraubt. So kam es, dass wir in einer Nacht- und Nebelaktion sämtliche Sitzplätze des Stadions wieder austauschten. Selbst Werner Hackmann schraubte mit und drückte Sitzplatznummern ein.

In welchen Charaktereigenschaften sollte sich die Arena vom alten Volksparkstadion grundlegend unterscheiden? 

Wir wollten Kommunikation bauen. Das heißt, wir wollten uns von der massiven Betonästhetik und von den endlosen Wegen und Fluren in den VIP-Räumen und Katakomben des alten Volksparkstadions verabschieden.

Das Volksparkstadion galt als eines der anonymsten Stadien Deutschlands.

Man muss sich mal vergegenwärtigen, dass in den erfolgreichsten HSV-Zeiten, also Anfang der achtziger Jahre, selten mehr als 30.000 Zuschauer ins Volksparkstadion kamen. Fußball als Sport war vielleicht attraktiv, das Stadion indes war es nicht.

Es war ausladend.

Definitiv. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Stadion, das grau, rau und abweisend wirkt, Menschen mit Hang zur Gewalt zusätzlich provoziert. Die Arena in Hamburg tut das Gegenteil. Sie lädt Menschen jeglicher Couleur ein, Teil ihrer Architektur zu werden.

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