07.05.2013

1988/89: Christoph Daum über Duelle im »Sportstudio«

»Wenn kein Wind ist, fällt die Regatta aus«

Drei unten, drei oben: Am 14. August 1963 ging das Aktuelle Sportstudio im ZDF auf Sendung und gehört seit nunmher 50 Jahren zur Bundesliga wie Eigentore und Meistertitel. Hier erinnert sich Christoph Daum an sein legendäres Wortgefecht mit Uli Hoeneß im Sportstudio aus dem Jahr 1989

Interview: Stephan Reich Bild: Imago

Christoph Daum, 1988/89 war ein besonderes Jahr für den 1.FC Köln. Fast hätten Sie dem FC Bayern die Meisterschaft entrissen.
Die Bayern lagen eigentlich uneinholbar auf Platz Eins und galten schon als sicherer Meister. Wir spielten in dieser Saison wirklich guten Fußball und waren in der Verfolgerrolle. Gegen Ende der Saison wurde ich von vielen Seiten angestachelt, dass wir uns nicht kampflos ergeben könnten und als Konkurrent der Bayern auftreten müssten. Das haben wir angenommen. Damals sagte ich den Satz: »Wenn kein Wind ist, fällt die Regatta aus«. Gemäß dieser Prämisse habe ich den Wind dann selber gemacht. Ich sagte öffentlich, dass wir die Bayern noch abfangen würden, was bei den meisten nur für ein müdes Lächeln sorgte. Aber tatsächlich machten wir die Liga wieder interessant. Die Bayern wurden nervös und verloren überraschend ihre Spiele. Wir gewannen unsere Partien und kamen immer näher ran.

Bis es nur noch zwei Punkte waren und die Bayern am 31. Spieltag nach Köln mussten.
Genau. Es war wieder ein echter Kampf um die Meisterschaft. In dieser Phase wurde ich immer wieder aufgefordert, noch ein wenig Öl ins Feuer zu gießen. Leider habe ich mich als junger Trainer zu Sachen hinreißen lassen, die ich im Nachhinein nicht gut finde. Wobei auch einige Dinge in den Medien falsch dargestellt wurden. In der »Welt« standen plötzlich Aussagen von mir über die Bayern, die ich in der Form nie getätigt hatte. Dagegen bin ich rechtlich vorgegangen.

>> 50 Jahre, 50 Interviews: Die große Bundesliga-Zeitreise

Die Stimmung vor dem Duell war aufgeheizt und gipfelte im legendären »Sportstudio«-Auftritt.
Dazu gibt es aber eine Vorgeschichte, die kaum jemand kennt. Wenige Tage zuvor war ich in München, in Waldemar Hartmanns Sendung »Blickpunkt Sport«, wo ich auf Uli Hoeneß traf. Ich dachte, dass man die Unstimmigkeiten, die aus den teils wahren, teils erfundenen Aussagen in der Presse resultierten, in einem persönlichen Gespräch aus der Welt schaffen kann. Wir saßen nach der Sendung noch bis in die frühen Morgenstunden in Waldis Kneipe zusammen und haben lange und intensiv geredet. Ich habe Hoeneß meine Sichtweise erklärt, habe mich für die ein oder andere Aussage entschuldigt, habe ihm aber auch gesagt, was mir nicht gefallen hat. Es war ein sehr offenes, interessantes Gespräch, bei dem ich das Gefühl hatte, dass wir uns gut austauschten und uns ein Stück näher kamen.



Wie kam es dann zum Zusammenstoß kurze Zeit später im »Sportstudio«?
Es war für viele überraschend, dass ich mich im »Blickpunkt Sport« in München – in der Höhle des Löwen sozusagen – gestellt und behauptet habe. Die Medien stellten mich anschließend in gewisser Weise als Gewinner des Duells dar. Eine Art Punktsieg, wenn man so will, auch wenn ich das nie so empfunden habe. Auf jeden Fall hatte auch Bernd Heller vom »Sportstudio« den Auftritt gesehen, der daraufhin, wie er später auch zugab, Uli Hoeneß anrief, um ihm zu sagen, dass er Herrn Daum endlich jemand Einhalt gebieten müsse. Damit schien er bei Hoeneß einen Nerv zu treffen. Das »Sportstudio«  wurde zur Plattform, auf der meinem Treiben ein Riegel vorgeschoben werden sollte.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden