1987/88: Richard Golz über sein denkwürdiges Torwartdebüt

»...und dann kam Pralija«

Seit 50 Jahren wird in den deutschen Stadien Woche für Woche die Geschichte der Bundesliga fortgeführt. Es wurden Siege gefeiert, Niederlagen bedauert, Tore geschossen und Chancen vergeben. 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen. Wir sprachen mit Richard Golz über die Saison 1987/1988.

Heft: #
138

Richard Golz, Sie standen in Ihrer ersten Saison 1987/1988 als Profi am ersten Spieltag direkt im Tor des HSV. Waren Sie von Anfang an unangefochtene Nummer Eins?
Auf keinen Fall. Ich war nominell zweiter Torwart. Erster Torwart war niemand geringeres als Uli Stein. Eine Institution. An dieser Situation war auch nicht ansatzweise zu rütteln. Eigentlich habe ich mir nicht einmal Hoffnungen gemacht, überhaupt nur ein Spiel in der Saison zu machen. Früher war einfach niemand jemals verletzt.

Und wie kam es dann zu Ihrem Einsatz am ersten Spieltag?
Uli Stein wurde suspendiert. Wir haben eine Woche vorher im Supercup gegen Bayern München gespielt. Zwei Minuten vor Schluss hat Uli Stein Jürgen Wegmann ausgeknockt, nachdem der gerade das 2:1 geschossen hat. Er hat natürlich die Rote Karte gesehen und wurde vereinsintern suspendiert.

Der HSV gewann den ersten Spieltag 5:2 gegen Schalke 04. Warum standen Sie eine Woche später nicht mehr im Tor?
Der Verein hat kurzfristig Mladen Pralija verpflichtet -  den Schwiegersohn von Trainer Skoblar. Er war ab dann die neue Nummer Eins.

Den eigenen Schwiegersohn ins Team zu holen, hat einen besonderen Nachgeschmack.
Mladen Pralija hat in seinem ersten Spiel sechs Gegentore gegen Bayern München gekriegt und hatte generell eine eher unglückliche Zeit in Hamburg. Im Laufe der Saison mussten Schwiegersohn und Schwiegervater irgendwann ihre Sachen packen.

Am zehnten Spieltag verletzte sich Pralija in der ersten Halbzeit und sie kamen zu ihrem zweiten Einsatz. Der wiederum verlief nicht ganz so glücklich.
Puh! Da stand es schon 3:1 für Gladbach und das Spiel bekam eine gewisse Eigendynamik. Irgendwann haben sie uns dann abgeschossen. Dass ich auch noch fünf Tore fangen sollte, war dann schon recht happig.

Als junger Spieler wünscht man sich doch sicher einen anderen Start in die Karriere.
Das kann man sich leider nicht aussuchen. Im Nachhinein hat es mich ja nicht kaputt gemacht. Aber in dem Moment habe ich schon gedacht, holla, das geht aber verdammt schnell hier in der Bundesliga.

Bekamen Sie in dem Moment Zweifel, ob noch weitere Bundesliga-Einsätze hinzukommen würden?
Nein, es war ja nicht so, dass ich von den fünf Toren alle hätte halten müssen. Die Gladbacher sind ganz einfach fünf mal alleine vor mir aufgetaucht. Das Spiel ist dumm gelaufen, hat aber nicht dazu geführt, dass ich mir einen anderen Job suchen wollte.

Oliver Kahn hat in entsprechender Saison ebenfalls debutiert. Er hat in seinen ersten beiden Spielen sechsmal hinter sich greifen müssen. Haben Sie sich mit ihm über ihr Leid ausgetauscht?
Nein, ich habe nicht mit ihm darüber gesprochen. Aber als junger Spieler hat man sich schon mit anderen Torhütern verglichen und nach rechts und links geschaut. Wir haben uns aber nicht gegenseitig trösten müssen.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!