1984/85: Friedhelm Funkel über Uerdingens Pokalsieg

»Wir hätten noch höher gewinnen können«

Seit 50 Jahren wird in den deutschen Stadien Woche für Woche die Geschichte der Bundesliga fortgeführt. Es wurden Siege gefeiert, Niederlagen bedauert, Tore geschossen und Chancen vergeben. 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen.

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Friedhelm Funkel, Sie sind 1985 Pokalsieger mit Bayer Uerdingen geworden. Welche Erinnerungen haben Sie an das Finale?
Das Finale fand zum ersten Mal in Berlin statt. Im Übrigen die beste Entscheidung, die der DFB treffen konnte. Mittlerweile hat sich das Pokalendspiel in der Hauptstadt zum Kult entwickelt. Und dann auch noch mit Bayer gegen die Bayern zu gewinnen – das war überragend.

Gerade für Bayer Uerdingen war dieser Erfolg außergewöhnlich, gab es doch in der Bundesliga für den Verein keine Erfolge zu feiern.
Absolut. Für uns war der Pokal die einzige Möglichkeit, Geschichte zu schreiben. Daher ist der Erfolg auch gar nicht hoch genug zu bewerten.

Sie haben in diesem Jahr zusammen mit ihrem Bruder Wolfgang gespielt. Ist das Jahr 1985 das erfolgreichste der Funkel-Brüder?
Wir haben zusammen eine außergewöhnliche Saison gespielt. Allerdings sollte man den Erfolg nicht zwingend über einen Titel definieren. Auch im nächsten Jahr waren wir sehr erfolgreich und sind mit dem KFC überraschend Dritter geworden. Das DFB-Pokalfinale zu erreichen, ist eine schöne Geschichte aber über 34 Spieltage eine gewisse Beständigkeit an den Tag zu legen, ist fast noch höher zu bewerten.

Wolfgang Funkel wechselte erst 1984 zu Bayer Uerdingen. Was bedeutet es Ihnen, dass ihr Bruder in diesem Jahr dabei sein konnte?
Selbstverständlich war ich froh, dass ich meinen Bruder dabei haben konnte. Er hat ja erst vergleichsweise spät den Sprung zu den Profis geschafft. Wolfgang ist dann für uns zu einem ganz wichtigen Spieler geworden, meiner Meinung nach bis heute der beste Kopfballspieler, den die Bundesliga je gesehen hat.

Mit welchen Erwartungen sind Sie in das Pokalfinale gegangen?
Wir waren krasser Außenseiter. In der Liga sind wir zuvor auf dem elften Platz gelandet, die Bayern sind souverän Meister geworden. An dem Tag war es unglaublich heiß - 35 oder 36 Grad. Wir sind zunächst früh in Rückstand geraten, Horst Feilzer konnte ausgleichen und Wolfgang Dremmler flog recht zeitig vom Platz, was sich im Laufe der zweiten Halbzeit bei den Bayern bemerkbar machte.

Ein klassischer Pokalfight?
Am Ende hätten wir sogar noch höher gewinnen können. Die Bayern waren konditionell am Ende und wir sind über uns hinausgewachsen. Aber ohne die Rote Karte für Wolfgang Dremmler hätten wir das Pokalfinale wahrscheinlich nicht für uns entscheiden können.

Wie darf man sich die erste Pokalfeier in Berlin vorstellen?
Wir waren noch ewig im Olympiastadion. Ein Großteil der Zuschauer hat uns die Daumen gedrückt, entweder weil sie aus Krefeld kamen oder weil sie dem Underdog den Sieg mehr gönnten als den Bayern. Danach ging es natürlich noch in die Stadt. Auch deswegen ist Berlin als Austragungsort für das DFB-Pokalfinale mehr als geeignet.

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