1980/81: Rudi Völler über seine Debütsaison bei 1860 München

»Ich bin damals viel getreten worden«

Seit 50 Jahren wird in den deutschen Stadien Woche für Woche die Geschichte der Bundesliga fortgeführt. Es wurden Siege gefeiert, Niederlagen bedauert, Tore geschossen und Chancen vergeben. 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen.

Rudi Völler, in Ihrer ersten Bundesliga-Saison erzielten Sie direkt neun Tore für 1860 München. Die Umstellung von der Zweiten Liga schien Ihnen nicht sonderlich schwer zu fallen, oder?
Es war schon ein großer Schritt aus dem kleinen Offenbach in die Weltstadt München. 1860 war zwar kein Verein, der um die internationalen Plätze mitspielte, trotzdem habe ich mich natürlich auf die Bundesliga gefreut. Und ich spielte eine recht gute Vorrunde, fiel aber leider in der Rückrunde, wie das so ist als junger Kerl, in ein Loch. Und wir stiegen ab.

Sie waren Stammspieler und absolvierten 33 Partien. Hatten Sie damit als junger Spieler gerechnet?
Eigentlich schon. Ich hatte eine gute Saison in der Zweiten Liga gespielt und bin auch deshalb zu Sechzig gegangen, weil ich wusste, dass ich eine gute Chance habe zu spielen. Die Vorbereitung lief gut und ich war voller Selbstbewusstsein.

Hat man als junger Stürmer in der Bundesliga der Achtziger Jahre nicht fürchterlich auf die Socken bekommen?
Ja, die Regeln waren anders als heute, man wurde als Stürmer damals nicht so geschützt. Bevor der Gegenspieler eine Rote Karte bekommen hat, flog man erst ein paar Mal über die Bande. Ich bin damals viel getreten worden. In der Anfangszeit spielte ich noch auf der Außenbahn und nicht so zentral. Als schneller Linksaußen fand man sich des öfteren auf der Aschebahn wieder. Aber das war halt so. Eine harte Schule, durch die man durch musste. Den anderen jungen Spielern ging es ja genau so.

Auffällig viele Jungstars schafften in dieser Saison den Durchbruch. Lothar Matthäus, Bernd Schuster, Sie. Ahnte man eine goldene Generation?
Nein. Ich spielte schon zur Offenbacher Zeit in der U-21-Nationalmannschaft, da waren Bernd und Lothar auch dabei, Litti und Andy Brehme ebenso, wir sind ja alle ein Jahrgang. Es war eine gute Mannschaft, aber es war uns nicht bewusst, dass es ein besonderer Jahrgang ist.

Gibt es ein Spiel in Ihrer Debüt-Saison, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf war ein Highlight. Wir lagen 0:3 hinten und gewannen noch 4:3. Ich schoss dabei drei Tore und wurde prompt ins »Sportstudio« eingeladen. Der erste Auftritt von vielen.

Wie viele genau?
Puh, über zwanzig bestimmt. Ich bin ja schon ein paar Jährchen dabei. Damals war das eine schöne Erfahrung, ich war erst Zwanzig. Aber schöner war natürlich der Dreierpack gegen die Fortuna.

Die Rückrunde war weniger erfolgreich und Sechzig stieg ab. Wie fühlt man sich als junger Spieler, der sich erfolgreich in der Bundesliga behauptet und den Abstieg trotzdem nicht verhindern kann?
Es war der einzige Abstieg meiner Karriere, und das war direkt in jungen Jahren natürlich bitter. Dass es für den Verein besonders hart war, war mir nicht bewusst. Wir Spieler waren alle sehr geknickt, weil der Abstieg völlig unnötig war. Wir hatten lange die Möglichkeit, es aus eigener Kraft zu schaffen.

Gab es einen Knackpunkt?
Fünf Spieltage vor Schluss mussten wir in Bielefeld ran. Die Arminia war ein direkter Konkurrent im Abstiegskampf. Wir waren total überlegen, führten bis zur 89. Minute mit 2:1 und haben noch 2:3 verloren. Norbert Eilenfeldt schoss das Siegtor in der Nachspielzeit und die Alm explodierte. Wir waren nach der Niederlage in Bielefeld zwar immer noch nicht auf einem Abstiegsplatz, aber dieses Spiel war schon ein Genickschuss. Hätten wir da wenigstens Unentschieden gespielt, wären wir nicht abgestiegen.

Sie hatten mit Ihrer guten Debütsaison für Aufsehen gesorgt. Gab es die Überlegung zu wechseln, um in der Bundesliga zu bleiben?
Ich hatte einige Anfragen, die gute Hinrunde hatte Eindruck hinterlassen. Aber ich hatte Vertrag und Sechzig wollte direkt wieder aufsteigen. Das war auch in Ordnung für mich, ich war mit Sechzig runtergegangen, jetzt wollte ich mit Sechzig auch wieder hoch. Und für meine persönliche Karriere war der Abstieg gar nicht so schlecht. Ich spielte einen klassischen Stürmer und schoss in der Zweiten Liga 37 Tore. Bis heute ist das Rekord und den wird wohl auch keiner mehr brechen.

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