1976/77: Franz Beckenbauer über seinen Abschied vom FC Bayern

»Abenteuer ist das richtige Wort«

50 Jahre, 50 Spieler: 11FREUNDE lässt in der aktuellen Ausgabe die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen. Mit Franz Beckenbauer sprachen wir über die Saison 1976/77 und seinen Abschied aus München.

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Franz Beckenbauer, 1976/77 war Ihre letzte Saison im Dress des FC Bayern München. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Spielzeit?
Es war natürlich eine sehr emotionale Saison für mich. Nach so vielen Jahren den Verein zu verlassen und sich in das Abenteuer USA zu stürzen – da war mir manchmal schon schwer ums Herz. Andererseits wartete auf mich eine spannende Herausforderung: New York. Und vor allem: Ich konnte mit Pelé, Carlos Alberto und Giorgio Chinagli in einer Mannschaft spielen.
 
Gibt es einen Moment, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Bevor ich den Vertrag bei Comos unterschrieb, traf sich mein  damaliger Manager Robert Schwan mit Clive Toye, dem General Manager von Cosmos. Das war in Bochum, im September 1976. Wir hatten dort mit den Bayern ein Spiel, das sich Toye natürlich anschaute. Das Spiel war unglaublich: Nach 53 Minuten lagen wir 0:4 zurück, dann machten wir innerhalb von 20 Minuten fünf Tore hintereinander, also stand es 5:4 für uns. Kurz danach schossen die Bochumer den Ausgleich, und erst in der letzten Minute rettete uns Uli Hoeneß mit dem sechsten Treffer. Ich glaube, dieses Spiel, dieses Spannung, hat auch Toye so schnell nicht vergessen.

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Gab es konkrete Gründe für Ihren Wechsel?
Unsere glorreiche Mannschaft beim FC Bayern begann nach den erfolgreichen Jahren auseinanderzubrechen. Einige Spieler gingen weg, und der Verein schien auch nicht investieren zu wollen, um adäquate Verstärkung heranzuholen. Außerdem kamen private Probleme dazu und steuerliche, die Geschichten sind ja bekannt. Es kam eben alles zusammen. Aber ich muss sagen: Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Wie waren die Reaktionen im Mannschaftskreis?
Die meisten reagierten verständnisvoll. Trotzdem fiel es manchen, wie mir selbst ja auch, nicht so leicht – da herrschte auch eine gewisse Trauerstimmung. Immerhin hatte ich mit vielen über zehn Jahre zusammengespielt.

Was erwarteten Sie vom Abenteuer Amerika?
Abenteuer ist das richtige Wort, das war es wirklich. Wenn ich nur daran denke, auf was für Plätzen wir manchmal spielten! Baseballfelder, Kunstrasen... da war vieles entwicklungsbedürftig. Comos war damals die große Ausnahme, ein Zuschauermagnet, die meisten anderen Stadien war viel kleiner. Wir haben da echte Pionierarbeit geleistet, um den Fußball in den USA populär zu machen.

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Wie war der Abschied aus München? War es sehr emotional?
Das kann man wohl sagen. Beim letzten Spiel der Saison traten wir in München gegen Gladbach an. Die Gladbacher wurden in der Saison Meister, wir schafften es noch in den Uefa-Pokal. Nach dem Spiel wurden Reden gehalten, und unser Präsident Neudecker verabschiedete mich.
 
Gab es eine zünftige Abschiedsfeier mit den Mannschaftskameraden?
Dafür blieb gar keine Zeit. Samstag war unser Spiel, am Sonntag flog ich schon nach New York. Dort hatte die Saison bereits begonnen, ich stieg sofort ein – das war ein nahtloser Übergang.

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In der aktuellen 11FREUNDE-Ausgabe: 50 Spieler und Trainer erinnern sich an ihre prägenden Bundesliga-Momente

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