1972/73: Charly Körbel über sein Bundesligadebüt gegen den FC Bayern

»Ich habe auch ziemliches Glück gehabt«

Seit 50 Jahren wird in den deutschen Stadien Woche für Woche die Geschichte der Bundesliga fortgeführt. Es wurden Siege gefeiert, Niederlagen bedauert, Tore geschossen und Chancen vergeben. 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen.

Karl-Heinz Körbel, in Ihrem ersten von 602 Bundesligaspielen hieß Ihr direkter Gegenspieler Gerd Müller. Wie kocht man als 17-jähriger Bundesligadebütant den besten Stürmer der Welt ab?
Noch kurz zuvor habe ich Gerd Müller zugejubelt und ihm bei der Nationalmannschaft die Daumen gedrückt - plötzlich musste ich selber gegen ihn ran. Das war schon ein seltsames Gefühl. Trainer Erich Ribbeck gab mir mit auf den Weg, dass ich den direkten Kontakt mit Gerd Müller vermeiden solle, sondern ein paar Meter entfernt stehen muss, um ihn dann zu attackieren. Müller liebte es, sich mit dem Rücken am Gegner einzudrehen und abzuschließen. Das habe ich vermieden.

Wann haben Sie von Ihrem Debüt erfahren?
Ich war erst kurz bei der Eintracht und hätte noch A-Jugend spielen können. Freitags nach dem Training gab Ribbeck den Kader bekannt. Ich war nicht dabei und fuhr deswegen nach Hause nach Dossenheim. Friedel Lutz verletzt sich aber noch und so wurde ich nachnominiert. Die Eintracht rief bei mir zuhause an, ich war aber gerade mit meinen Kumpels unterwegs. Meine Mutter suchte mich und sagte mir, ich müsse direkt ins Trainingslager der Eintracht fahren. Aber ich durfte noch gar nicht fahren und so musste ich meinen Vater aus seiner Arbeit holen, damit der mich hinbringt.

Wussten Sie gleich, dass Sie spielen würden?
Nein. Abends nach dem Essen kam Ribbeck auf mein Zimmer und fragte mich, ob ich mir zutrauen würde, gegen Gerd Müller zu verteidigen. Ich konnte in dem Moment gar nicht richtig darüber nachdenken. Allerdings war ich für mein Alter schon ziemlich erfahren. Ich hatte über 50 Juniorennationalspiele gemacht, an einer Europameisterschaft teilgenommen und bereits in Wembley und vor 80.000 Zuschauern in Berlin gespielt. Erst beim Warmmachen, als die Stars der Bayern auf dem Platz standen, wurde mir bewusst, auf was ich mich eingelassen hatte. Müller, Beckenbauer, Maier - Das waren Spieler, von denen ich mir ein paar Wochen vorher noch Autogramme geholt hätte.

Wie war es während des Spiels. Haben Sie mit Müller geredet?
Nein, kein Wort. Das änderte sich aber mit der Zeit, wir haben ja sehr oft gegeneinander gespielt. So blöd sich das anhört, aber Gerd Müller ist immer einer meiner Lieblingsgegenspieler gewesen. Er hat sehr wenige Tore gegen mich geschossen und begann schon recht bald zu fluchen, wenn wir mal wieder aufeinander trafen. »So eine Scheisse, schon wieder gegen dich«, hieß es dann.

Ihr Debüt verlief super, die Eintracht gewann 2:1.
Ja. Aber wir hatten auch eine Menge Glück. Beckenbauer schoss einen Elfmeter mit dem Außenrist, den unser Torhüter einfach fangen konnte. Und ich schlug mich zwar gut, aber wissen Sie was?

Was?
Vor einigen Jahren hat mir ein Bekannter einen Zusammenschnitt des Spiels gegeben, etwa 20 Minuten lang. Den habe ich mir angeschaut und war ganz erschrocken. Ich war gar nicht so gut. Ich habe auch ziemliches Glück gehabt. Zwei oder drei mal stand Gerd Müller frei vor unserem Torhüter. Der hatte aber einen super Tag und hielt einfach alles. Wenn Müller seine Chancen reingemacht hätte, wäre meine Karriere wahrscheinlich anders gelaufen.

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