1972: Höttges über die Wembley-Elf

»Es war die Mischung«

Horst-Dieter Höttges gehörte zur legendären Wembley-Elf, die am 29. April 1972 das EM-Viertelfinale gegen England in London gewann. Wir sprachen mit dem Eisenfuß über den Triumph und was Löw daraus lernen kann. 1972: Höttges über die Wembley-ElfImago

Herr Höttges, vor gut 36 Jahren standen Sie in der Wembley-Elf. 100.000 Zuschauern in London sahen den 3:1 Sieg der Deutschen. Ihr bis dahin größtes Spiel?

Wembley-Spiele waren immer besondere Spiele. Sie waren immer ausverkauft und die Stimmung war großartig.

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Was machte die Wembley-Elf von 1972 aus? Damals kamen ja neue Spieler in die Mannschaft.
 
Die Spieler, die neu kamen, sind in eine sehr erfolgreiche Mannschaft gerutscht. Durch die Veränderungen wurde sie zu eine der besten Nationalmannschaften, die je gespielt hat.

Was machte die Mannschaft so stark?

Es war die Mischung aus sehr guten Fußballern und Leuten, die eine hervorragende Einstellung zum Fußball hatten. In unseren Reihen waren einfach wirklich sehr gute Spieler.

Wer waren Ihrer Meinung nach die Besten?

Günter Netzer und Franz Beckenbauer.

Und wer waren die mit der richtigen Einstellung?

Sepp Maier im Tor, Paul Breitner und meine Wenigkeit.

Im Verein waren Sie Verteidiger, Vorstopper und Libero. Was spielten Sie in der Nationalmannschaft?

Bei Werder Bremen habe ich auf jeder Position in der Abwehr gespielt. Für Deutschland spielte ich als rechter Verteidiger.

Welchen Spieler sehen Sie heute heute am liebsten auf ihrer Position?

Die Positionen haben sich ja mit der Viererkette verändert. Die Abwehrspieler haben es nicht einfacher als wir früher. Heute muss man viel mehr nach vorne machen. Als Außenverteidiger haben wir auf der rechten Seite mit Clemens Fritz einen sehr guten Spieler. Er muss nur wieder richtig gesund werden. Gerade er hat auch durch die Europameisterschaft ein bisschen den Anschluss verloren.

Wer war 1972 Ihr Gegenspieler?

Geoff Hurst.

Den kannte man schon vom WM-Finale 1966. Wussten Sie vorher, welche Spieler dabei sein werden und wie sie in Form sind?

Ja, man wusste schon, wer welcher Spieler ist. Wir haben Spiele von England im Fernsehen gesehen, und die Engländer auch sicherlich Spiele von uns. Man konnte sich schon ein sehr gutes Bild voneinander machen. Die Engländer haben immer etwas geradliniger gespielt. Wir hatten dafür die besseren Techniker. Aber gegen England war es für uns nie einfach.

Vor welchen Spielern hat Helmut Schön Sie gewarnt?

1966 war das bei den Engländern natürlich Bobby Charlton. Wir hatten mit Franz Beckenbauer und Uwe Seeler zwei sehr gute Leute im Team.

Wer war 1972 der Schlüsselspieler bei England?

Das war Alan Ball.

Wie war die Vorbereitung auf das Spiel. Hatte man Sie in England gut empfangen?

Es passierte nichts Besonderes. Wir hatten unser Quartier und haben uns ganz gut auf das Spiel vorbereitet. Das Ergebnis steht ja heute noch fest.

Was passierte nach dem Spiel? Ging es gleich wieder nach Deutschland oder blieb noch Zeit in London zu feiern?

Wir saßen am Abend noch zusammen und tranken unser Bier. Am nächsten Morgen flogen wir zurück nach Deutschland. Am Wochenende spielten wir ja schon wieder mit unseren Vereinen in der Meisterschaft.

Wenn sie die Nationalmannschaft von heute mit der von damals vergleichen: Was könnte Jogi Löw von der Wembley-Elf lernen?

Herr Löw ist sicher klug genug, um einiges von damals zu lernen. Ich denke, dass er bestimmt schon Spiele von uns gesehen hat. Er kennt sich im Fußball ziemlich gut aus. Ich bin sicher, dass er seinen Weg gehen wird.

Was macht die Mannschaften von damals und heute so unterschiedlich?

Es ist schwierig, die Teams miteinander vergleichen. Die ganze Situation im Fußball hat sich verändert. Auch das Leben ist anders. Der größte Unterschied sind sicherlich die finanziellen Verhältnisse. Wenn ich überlege, was wir an Erfolgsprämien bekamen und was die Spieler heute kriegen, hat sich schon eine Menge verändert. Aber Fußball ist eben ihr Job – und für ihren Job müssen sie bezahlt werden.


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