1971/72: Ulrik le Fevre über Gladbach-Schalke

»Volley ins Tor hinein«

Seit 50 Jahren wird in den deutschen Stadien Woche für Woche die Geschichte der Bundesliga fortgeführt. Es wurden Siege gefeiert, Niederlagen bedauert, Tore geschossen und Chancen vergeben. 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen. Wir sprachen mit Ulrik Le Fevre über die Saison 1971/72.

Ulrik le Fevre über Gladbach-Schalke

Ulirk le Fevre, am 23. Oktober 1971 schossen Sie das erste »Tor des Jahres« der Bundesligageschichte. Welche Erinnerungen haben Sie an die Partie gegen den FC Schalke 04?
Das war eine einmalige Woche. Am Mittwoch gewannen wir gegen Inter Mailand 7:1 und am Samstag spielten wir gegen Schalke 04, die damals mit einem Punkt vor uns an der Spitze lagen – und dieses Spiel gewannen wir mit sage und schreibe 7:0.

Bei beiden Spielen waren Sie erfolgreich.
Richtig. Ich habe zwei Tore gegen Inter und zwei Tore gegen Schalke gemacht, wovon eines »Tor des Monats« und dann »Tor des Jahres« geworden ist.

Können Sie dieses außergewöhnliche Tor beschreiben?
Das lief instinktiv ab, alles ging wahnsinnig schnell. Ich habe den Ball über den ersten Verteidiger gelegt, dann über den zweiten und zum Schluss aus der Drehung volley ins Tor hinein geschossen. E dauerte nur wenige Sekunden und ich hatte natürlich Glück, dass es hundertprozentig geklappt hat.

Haben Sie in diesem Moment realisiert, dass es ein ganz besonderes Tor war?

Ich wusste sofort, dass das kein normales Tor von mir war, wenngleich ich in diesem Moment nicht an ein »Tor des Monats« oder gar »Tor des Jahres« gedacht habe. Aber gefreut habe ich mich trotzdem.

Sie wussten aber, dass es diese Auszeichnung gab?
Erst als ich für das »Tor des Monats« nominiert wurde, habe ich davon gehört. Diese Verleihung war noch sehr neu und hat zu dieser Zeit erst angefangen.

Wie war die Reaktion der Medien auf dieses Tor?
Ich wurde in die Sendung eingeladen und ganz normal interviewt. Anschließend musste ich noch einen Gewinner unter den Einsendern ziehen. Es war schön, dass so viele Dänen für mich gestimmt haben und kurioserweise habe ich auch einen Dänen als Gewinner gezogen. Er hat zwei Karten für ein Länderspiel gewonnen. Das hat mich natürlich besonders gefreut.

Haben Sie auch eine Trophäe bekommen?
Für das »Tor des Monats« habe ich eine kleinere Medaille und für das »Tor des Jahres« eine etwas größere goldene Medaille bekommen. Eigentlich liegen sie bei mir zu Hause im Safe, aber Borussia Mönchengladbach plant momentan ein Museum, an das ich diese Medaille ausleihen werde.

Welchen Stellenwert hat dieses Tor in Ihrer Karriere?
Es war ein einzigartiges Tor, aber das wichtigste Tor für Gladbach habe ich im ersten Jahr – in der Saison 1969/70, gegen den 1. FC Köln geschossen. Köln war einen Punkt vor uns und wir haben auswärts vor ausverkauftem Haus gespielt. Ich mache in der letzten Minute das 1:0. Dadurch sind wir auf den ersten Platz der Tabelle gerutscht und dort auch geblieben. Vom Trainer Hennes Weisweiler habe ich zum Dank zwei Tage Urlaub bekommen, um nach Dänemark zu fahren.  

Was ist Ihnen, wenn Sie an Ihre Zeit in Deutschland zurückdenken, in Erinnerung geblieben?
Es war eine sehr kurze, aber sehr erfolgreiche Zeit in Deutschland. In drei Saisons bin ich zweimal Meister geworden und dann kam noch das Spiel gegen Inter Mailand hinzu: Es war das vermutlich das beste Spiel, was man in Gladbach je gesehen hat. Und dann wird es annulliert! Das war für uns eine unsagbar große Enttäuschung. Aber die Mannschaft kam zurück, auch das zeichnete sie aus. Eine einmalige Elf, die fast ausschließlich aus Nationalspielern bestand – Berti, Bonhof, Netzer oder Heynckes. Eine tolle Zeit.

1978 haben Sie Ihre aktive Karriere beendet. Was machen Sie heute?
Ich bin viel unterwegs, besuche Vereine, schaue welche Spieler sie suchen und stelle dann den Kontakt zwischen Vereinen und Spielern her. Fußball ist also immer noch mein Leben.   

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