1969/70: Friedel Rausch über Hunde und Kiebitze

»Überall wurde gebellt«

Seit 50 Jahren wird in den deutschen Stadien Woche für Woche die Geschichte der Bundesliga fortgeführt. Es wurden Siege gefeiert, Niederlagen bedauert, Tore geschossen und Chancen vergeben. 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen. Wir sprachen mit Friedel Rausch über die Saison 1969/70.

Friedel Rausch über Hunde und Kiebitze

Friedel Rausch, wir haben gehört, dass Sie früher gerne Fußballtennis spielen.
Richtig. Meistens mit Andreas Brehme in Kaiserslautern. Anderthalb Stunden nach dem Training standen wir noch auf dem Platz und haben wie die Verrückten gespielt. Es gab eine richtige Rivalität. (lacht)

Wer hat gewonnen?
Es war recht ausgeglichen. Andreas war mit der Beste, gegen den ich je gespielt habe. Ich war aber auch nicht schlecht. Bei mir spielte die Routine eine große Rolle. Es gab einige Laute, die sagten, dass der Rausch weniger Fußballtennis spielen und dafür mehr trainieren sollte.

Einige Leute?
Die Rentner, die sich immer das Training anschauten. Die fanden unsere Spielchen immer lustig. Verloren wir aber einige Ligaspiele, war das natürlich nicht mehr so wunderbar.

Hatten Sie viel Kontakt zu den Kiebitzen?
Ja, und ich muss sagen: ich habe sehr viel von ihnen gelernt. Bei Schalke 04 war ich mit 36 der damals jüngste Trainer der Liga. Anfangs noch Assistent von Max Merkel und später der Cheftrainer. Ich trainierte eine Mannschaft,  die aus Spielern bestand, mit denen ich selber noch auf dem Platz stand. Auf einmal war ich nicht mehr der Mitspieler, sondern der Chef von Rolf Rüssmann, Klaus Fischer und Hannes Bongartz. Das war nicht so einfach.

Wie halfen die Kiebitze?
Das waren alles Arbeiter aus der Zeche, die aus gesundheitlichen Gründen schon Rentner waren. Jeden morgen standen immer 100 Leute beim Training. Ab und an habe ich eine Runde ausgegeben und dabei wurde sich unterhalten. Die Menschen haben viel gesehen und hatten ganz verschiedene Meinungen zur Aufstellung und Taktik. Von Leuten, die jahrelang beim Training sind, kann man doch viel lernen. Bei all meinen Stationen habe ich erlebt, dass die Rentner Ahnung vom Fußball haben.

Wenn wir uns schon über Schalke unterhalten, darf der Hundebiss nicht fehlen. Beim Derby gegen den BVB 1969 wurden Sie während des Spiels vom Hund eines Ordners gebissen.
Timo Konietzka (Torschütze des ersten Bundesliga Tors, d. Red.) sagt immer zu mir: »Du bist nur durch den Hundebiss bekannt geworden.« Das war damals eine sehr unangenehme Sache. Es ist aber gut gegangen: Wir haben einen Punkt geholt.

Ihre Frau sagte einmal, dass Sie nie nach Tritten von Gegenspielern gelitten haben und dass der Biss die einzige Verletzung war, von der Sie je zu Hause berichtet haben.
Was glauben Sie denn? Wenn einem auf einmal jemand am Hintern hängt, tut das verdammt weh. Da kriegst du einen Schock. Nach der Tetanus-Spritze habe ich aber weiter gespielt.

Hatte der Biss folgen?
Ja. Nach diesem Spiel wurde überall, wo ich hinkam, gebellt.

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