1967/68: Franz Brungs über sein Meisterjahr mit dem 1.FC Nürnberg

»So einen Lauf erlebt man nur ein Mal«

Seit 50 Jahren wird in den deutschen Stadien Woche für Woche die Geschichte der Bundesliga fortgeführt. Es wurden Siege gefeiert, Niederlagen bedauert, Tore geschossen und Chancen vergeben. 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen. Wir sprachen mit Franz Brungs über die Saison 1967/1968.

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Franz Brungs, am 2. Dezember 1967 schlugen Sie mit dem 1. FC Nürnberg den FC Bayern mit 7:3. War das Ihr bestes Spiel im »Club«-Trikot?
Die Partie hat sicherlich einen besonderen Platz in meinem Herzen. Fünf Tore, wann schafft man das schon mal? Noch dazu gegen den Nationaltorwart, Sepp Maier. Außerdem war der Sieg ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Meisterschaft.

Kommen heute noch Leute schulterklopfend auf Sie zu und sagen: »Franz, danke für diese Sternstunde«?
Man wird erkannt, das ist richtig. Wenn das dann noch Leute sind, die damals live dabei waren, im Stadion oder am TV, freut mich das umso mehr. Die Meistermannschaft von 1968 bekam Dauerkarten auf Lebenszeit vom Verein geschenkt. Zu Heimspielen versuche ich es nach Möglichkeit immer ins Stadion. Es ist schön, nicht in Vergessenheit zu geraten.

Das 7:3 war ja nicht nur ein Derby, sondern auch ein Spitzenspiel. Erster gegen Zweiter, drei Punkte Differenz vor dem Anpfiff. Wie wurde das in den Tagen vor der Partie von den Medien aufbereitet?
Also es gibt sicherlich Derbys, die hitziger sind als Nürnberg gegen Bayern. Ich denke da an Schalke gegen Dortmund. Deswegen war die Brisanz in erster Linie tatsächlich durch das Tabellenbild bedingt. In der Woche vorher ging es hin und her. Max Merkel hatte als ehemaliger 1860-Trainer das besondere Bedürfnis, den Bayern einen auszuwischen.

Max Merkel galt als großer Motivator. Wie war die Kabinenansprache vor der Partie?
Gar nicht so anders als sonst. Er hat – wie immer – nur zehn Minuten gesprochen und an taktische Dinge erinnert. Kurz und bündig. Er wollte sicher gehen, dass jeder seine Aufgaben kennt. Wir spielen zu Hause, mahnte er, wir müssen alles wegfegen!

Welches Tor gucken Sie sich besonders gerne an?
Beim Seitfallzieher zum 7:1 hat sicherlich alles gepasst. Ich hatte zwar schon vorher so getroffen in der Bundesliga, aber die Umstände werten den Treffer natürlich auf.

Angeblich soll Bayern-Trainer Tschick Cajkovski nach Spielende zu Ihnen gesagt haben: »Franz, auf deine alten Tage lernst du jetzt auch noch das Fußballspielen ...« Stimmt das?
Ich habe auch von der Anekdote gelesen. Das ist von den Zeitungen geschrieben worden. Vielleicht brauchte man noch eine Pointe. Cajkovski hat jedenfalls nie mit mir geredet!

Am Ende der Saison 1967/1968 wurde der 1. FC Nürnberg Meister. Dabei hat man Sie in der Sommerpause noch als Abstiegskandidaten gehandelt. Wie haben Sie diesen Prognosen getrotzt?
Die Kameradschaft war sicherlich ausschlaggebend für den Erfolg. Ich kam beispielsweise aus dem Rheinland. Zuerst hat man Probleme, sich anzupassen. Aber wenn dich die Franken erstmal liebgewinnen, lassen sie dich nicht mehr gehen. Dann stehen sie hinter dir. Außerdem muss man auch bedenken, dass wir die Saison mit 15 Spielern durchspielten. Da lief immer die gleiche Truppe auf. Verletzungspech kannten wir nicht. So einen Lauf erlebt man nur ein Mal.

Insgesamt schossen Sie 25 Tore in dieser Saison. Was für ein Stürmertyp waren Sie?
Es gab Stürmer wie zum Beispiel Uwe Seeler oder Rudi Brunnenmeier, die einen schärferen Schuss hatten. Ich war eher ein Strafraumstürmer. Mein Kopfballspiel war ziemlich gut und ich machte viele Kopfballtore. Ich konnte die Situationen in der Luft immer ziemlich gut einschätzen und war oft eine Zehntelsekunde eher am Ball als meine Gegenspieler.

Zwei Tore fehlten Ihnen, um auch noch Torschützenkönig zu werden. Ärgerte Sie das?
Johannes Löhr vom 1. FC Köln schoss 27 Tore. Wenn man so nah dran ist, will man natürlich auch die Kanone. Aber auch ohne war die Saison absolut in Ordnung. Die Meisterschaft war viel wichtiger als die Torjägerkanone.

Wie unterschied sich der Fußball der Sechziger von dem heutigen?
Heute ist das Spiel viel schneller. Außerdem war der Fußball noch nicht so sehr von der Taktik geprägt. Heute spielt die Nationalmannschaft plötzlich ohne echten Stürmer, das wäre damals undenkbar gewesen.

Wie sah die Taktik des Clubs im Meisterjahr aus?
Wir spielten mit zwei Außenstürmern, Volkert und Cebinac, die die Seiten beackerten. Ich spielte zentral im Sturm, hinter mir Heinz Strehl. Wir waren offensiv ausgerichtet, aber auch die Abwehr um Leupold und Popp stand sicher. Trainer Max Merkel hatte uns gut im Griff.

Wie war das Verhältnis zum Trainer?
Merkel kam ein Jahr vorher und führte uns aus dem Abstiegskampf. Mit 1860 München war er zuvor Meister geworden und kam mit klaren Vorstellungen nach Nürnberg. »Nächstes Jahr wird ein anderer Club auflaufen«, sagte er. Er holte vor der Saison Cepinak und Starek dazu, zwei riesige Verstärkungen. Merkel hatte ein gutes Auge und wusste, wo man sich verbessern musste. Wir waren auch zuvor schon eine technisch starke Mannschaft, es fehlte uns aber die Schnelligkeit. Da hat Merkel angesetzt.

Trotzdem kam die Meisterschaft überraschend, oder?
Es lief von Spiel zu Spiel einfach sehr gut und wir sammelten Punkte. Wir machten einige überragende Spiele und plötzlich standen wir oben und waren Deutscher Meister.

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