1966/67: Joachim Bäse über den Meister Eintracht Braunschweig

»Hinten erstmal dicht und vorne hilft der liebe Gott!«

Seit 50 Jahren wird in den deutschen Stadien Woche für Woche die Geschichte der Bundesliga fortgeführt. Es wurden Siege gefeiert, Niederlagen bedauert, Tore geschossen und Chancen vergeben. 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen. Wir sprachen mit Joachim Bäse über die Saison 1966/1967.

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Joachim Bäse, Sie haben Eintracht Braunschweig 1966/1967 zur bisher einzigen deutschen Meisterschaft geführt. Bis heute reichten keiner Mannschaft so wenig Punkte zum Titelgewinn. Sind Sie Meister geworden weil andere Mannschaften schwächelten?
Nein, das glaube ich nicht. Wir hatten einfach unser ganz eigenes System, durch das wir letztlich Erfolg hatten. Unser Motto hieß: Hinten erstmal dicht, und vorne hilft der liebe Gott!

Aber nur mit diesem Mittel wird man doch nicht Deutscher Meister.
Unsere Braunschweiger Mannschaft bestand damals ausschließlich aus Spielern, die nie vorher auf sich aufmerksam gemacht hatten. Alle kamen aus der näheren Umgebung und die Eintracht war der erste größere Verein ihrer Karriere. Daher hatten wir eine Kameradschaft im Team, die uns letztendlich zur Meisterschaft getragen hat. Außerdem hatten wir mit Helmuth Johannsen einen Trainer, der zwar fußballerisch limitiert war, der aber wusste, wie er mit uns umgehen musste. Der ausschlaggebende Punkt für die Meisterschaft war aber ein anderer.

Jetzt sind wir gespannt.
Unsere Spielerfrauen waren in der Saison ganz entscheidend. Nicht nur die Spieler, sondern auch die Spielerfrauen waren eine Einheit. Die Frauen haben dafür gesorgt, dass die Stimmung in der Mannschaft, auch nach Niederlagen, gut blieb. Für mich haben die Frauen mindestens den gleichen Anteil am Titelgewinn, wie die Spieler selbst.

Die Frauen können einer Mannschaft möglicherweise den Titel verderben?
Selbstverständlich. Wenn sich die Frauen untereinander gut verstehen, dann verstehen sich die Männer auch gut. Wir haben damals unheimlich viele Abende miteinander verbracht, durch die eine außergewöhnliche Kameradschaft entstanden ist. Aber ich kann Ihnen noch eine Geschichte erzählen.

Wir bitten darum.
Unser damaliger Torhüter Hans Jäcker war unheimlich musikalisch.

Sie haben sich zur Meisterschaft getanzt?
Es war die reinste Freude. Auch wenn wir mal ein Spiel verloren haben, haben wir uns getroffen und gefeiert.

Und was konnte er spielen?
Er konnte alles spielen. Aber meistens setzte er sich ans Klavier oder spielte auf seiner Geige. Wir hatten unglaublichen Spaß und ich bin bis heute davon überzeugt, dass diese Gründe uns überhaupt an die Spitze gebracht haben. Zu Anfang hat Eintracht Braunschweig doch keiner Ernst genommen.

Sie wurden nicht ernst genommen?
Überhaupt nicht. Bei unserem ersten Auswärtsspiel gegen 1860 München wussten unsere Gegenspieler noch nicht einmal, wo Braunschweig eigentlich liegt. Und plötzlich konnten diese Braunschweiger auch noch Fußball spielen.

Was war rückblickend ihr schönster Moment im Meisterjahr?
Es gab viele schöne Momente. Aber zu den Schönsten gehört sicherlich das vorletzte Spiel in Essen. Wir waren stark ersatzgeschwächt, aber unsere Ersatzspieler haben ein fantastisches Spiel gemacht. Spätestens da wurde allen klar, dass wir tatsächlich Meister werden könnten.

Wie haben Sie die Meisterfeier in Erinnerung?
Die Feier werde ich niemals vergessen. Die ganze Autobahn war voll, wir mussten an nahezu jeder Raststätte halten. In Braunschweig stand fast jedes Fenster offen und die Leute haben uns zugejubelt. So etwas hat die Stadt seither nicht gesehen.

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