1963/64: Uwe Seeler über die erste Bundesliga-Saison

»Mecker' nicht! Sieh zu, dass du 'ne Bude machst!«

Seit 50 Jahren wird in den deutschen Stadien Woche für Woche die Geschichte der Bundesliga fortgeführt. Es wurden Siege gefeiert, Niederlagen bedauert, Tore geschossen und Chancen vergeben. 11FREUNDE lässt die Protagonisten aus fünf Jahrzehnten Bundesliga zu Wort kommen.

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Uwe Seeler, Sie sind der erste Torschützenkönig der Bundesliga. Waren Sie eigentlich überrascht, die Torjägerkanone zu holen?
Ich hätte nie damit gerechnet. Wir vom HSV waren sowieso eher skeptisch, was die Bundesliga betrifft, da wir die Einführung der Bundesliga erst später erwartet hatten. Wir waren insofern nicht darauf vorbereitet. Einige von uns konnten die Bundesliga neben dem Beruf gar nicht stemmen. Auch ich bin während der Saison beruflich viel unterwegs gewesen und musste häufig während meiner Reisen trainieren.

In den vorangegangenen sieben Jahren wurden Sie immerhin sechsmal Torschützenkönig der Oberliga Nord. Eine gewisse Routine ist da schon zu erkennen.
Ich wusste ja nicht, was im ersten Jahr auf mich zukommt. Nur dass das Tore schießen in der Bundesliga schwerer werden würde, hatte ich befürchtet.

Wussten Sie, wer Ihnen damals auf dem Weg zur Torjägerkanone gefährlich werden konnte?
Ich wusste schon, wer in den anderen Vereinen regelmäßig die Tore schoss. Aber das hat mich damals überhaupt nicht interessiert. Ich habe einfach in jedem Spiel aufs Neue versucht, Tore zu erzielen. Wer zu früh an Zukünftiges denkt, wird ohnehin häufig enttäuscht. Das war damals schon so und würde heute auch einigen wieder ganz gut tun.

Hat sich mit der Einführung der Bundesliga für Sie viel verändert?
Nein, eigentlich nicht. Ich war weiterhin vormittags arbeiten und nachmittags auf dem Fußballplatz. Wir durften damals lediglich die vorgeschriebenen 1250 Mark verdienen. Da gab es gar keine andere Möglichkeit, als nebenbei einem Beruf nachzugehen.

Was für viele letztlich das Ende des Profifußballs bedeutete.
Die Spieler, die diese Möglichkeit nicht hatten, mussten sich vom Traum des Profifußballs verabschieden - zumindest in Deutschland. Unser Spielmacher Klaus Stürmer wechselte beispielsweise in die Schweiz. Der HSV war in dieser Hinsicht wahrscheinlich etwas zu hanseatisch und hielt sich strikt an die Vorschriften für die Bezahlung der Profifußballer. Woanders wurde zu dieser Zeit schon getrickst.

Aber als Bundesligaspieler stand man doch sicher mehr im Fokus der Öffentlichkeit als noch zu Oberliga-Zeiten?
Ich konnte seinerzeit keinen großen Unterschied feststellen. Sicherlich wurde hier und da etwas mehr geschrieben, aber alles in einem angemessenen Verhältnis. Berichtet wurde damals aber auch schon über die Oberliga.

War das erste Bundesliga-Jahr das Aufregendste Ihrer Karriere?
Ja, da niemand wusste, wo das hinführen würde. Leider waren wir beim HSV zu Beginn etwas zu norddeutsch-korrekt und hatten etwas Pech mit unseren Neueinkäufen. Ansonsten hätten wir gerade in der Anfangszeit deutlich erfolgreicher sein können. Dabei bin ich nach jeder Saison mit den Worten »Kauft vernünftig ein« in den Urlaub gefahren und in der Regel ziemlich überrascht aus dem Urlaub wiedergekommen. (lacht)

Das hat der 1. FC Köln etwas besser hinbekommen.
Franz Kremer war als Präsident des 1.FC Köln von Anfang an bei der Gründung der Bundesliga beteiligt. Er war einer der ersten Funktionäre, der wusste, dass die Bundesliga 1963 beginnen würde und hat somit auch die stärkste Mannschaft formen können. Wir waren uns vor der Saison eigentlich alle einig, dass die Kölner Meister werden würden.

Welche Auszeichnung ist für Sie im Nachhinein am bedeutsamsten: Die Torjägerkanone, die Auszeichnungen zum Fußballer der Jahres oder die Wahl zum Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft?
Ich bin durch und durch Mannschaftsspieler. Was hätte es mir gebracht, wenn ich zwei Tore geschossen hätte und wir dennoch das Spiel verlieren? Häufig genug wurde ich von meinen Mitspielern angestachelt »Mecker' nicht. Sieh zu dass du nach vorne kommst und 'ne Bude machst.« Daher bedeutet mir speziell die Auszeichnung zum Ehrenbürger der Stadt Hamburg mehr als die des Torschützenkönigs. Eine solche Auszeichnung als Sportler zu bekommen, hat mich ungemein gefreut. Damit habe ich einfach nicht gerechnet.

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