22.08.2012

15 Jahre Bundesliga in Wolfsburg: Roy Präger blickt zurück

»Roy Präger an der Ticket-Hotline. Hallo?«

Als der VfL Wolfsburg 1997 in die Bundesliga aufstieg, wurde er als Eintagsfliege belächelt. Es kam anders. Im Interview erinnert sich Roy Präger an Europapokal-Nächte als Fan, seinen »Nebenjob« an der Ticket-Hotline und den Medienhype nach Stefan Effenberg.

Interview: Christoph Erbelding Bild: Imago

Roy Präger, Sie arbeiten mit der Unterbrechung von drei Jahren seit 1995 beim VfL Wolfsburg. Sind Sie Fan Ihres Arbeitgebers?


Absolut. Als wir 1999 in den Europapokal einzogen und ich danach zum Hamburger SV wechselte, war das schon eine komische Situation für mich. Die sportliche Herausforderung beim HSV war verlockend, doch als Fan bin ich damals dem VfL treu geblieben. Fragen Sie mich doch mal, wer das erste Europapokal-Tor für den VfL geschossen hat.



Sagen Sie es uns. 


Charles Akonnor in der ersten Runde beim 2:0 gegen Debrecen! Wenn ich damals Zeit hatte, bin ich ins Stadion gefahren.



Wie bitte?
Nur ein Beispiel: In der dritten Runde spielte Wolfsburg gegen Atletico Madrid. Das wollte ich mir doch nicht entgehen lassen. Also bin ich nach dem Training beim HSV abends los und stand am nächsten Tag wieder auf dem Trainingsplatz.


Der VfL Wolfsburg feierte Anfang des Monats seinen 15. Geburtstag als Bundesligist. Am 2. August 1997 fand das erste Bundesliga-Spiel statt, das der VfL mit 1:0 bei Hansa Rostock gewann. Was hat sich seit dieser Zeit verändert?

Die Dimensionen sind heute anders. Als wir mit dem VfL in der Bundesliga anfingen, waren auf der Geschäftsstelle gerade einmal drei Stellen besetzt. Heute sind es knapp 120. Früher bin ich ab und zu durch die Geschäftsstelle geschlendert. Wenn ich sah, dass bei unseren drei Mitarbeiterinnen die Telefone glühten, habe ich spontan ein paar Tickets verkauft.



Wie dürfen wir uns diese Gespräche vorstellen? 


Die Reaktionen darauf waren herrlich. In etwa so: »Roy Präger an der Ticket-Hotline. Hallo?« - »Herr Präger, sind Sie das? Das gibt’s doch gar nicht!«

Heute ist der VfL ein etablierter Bundesligist, der sich Stars wie Diego leisten kann. Lag vor 15 Jahren ein Plan in der Schublade, der genau diese Entwicklung vorhersagte?


Nein. Wir waren in der Saison 1997/98 die Nobodys der Liga. Wenn wir wieder abgestiegen wären, hätte sich niemand beschwert. Ein Jahr vor unserem Aufstieg wären wir ja fast in die Regionalliga abgestiegen. Dass wir mit dieser Truppe dann den Sprung in die Bundesliga schafften, hat uns zusammengeschweißt. Wir wollten es allen zeigen.

Der Klassenerhalt gelang am vorletzten Spieltag. Sofern der VfL wieder abgestiegen wäre: Hätten wir ihn überhaupt noch einmal in der Bundesliga gesehen?

Ich glaube, dass die Verantwortlichen und Sponsoren mit Volkswagen an der Spitze darauf gedrängt hätten, schnell wieder aufzusteigen. Die Leute haben an der Bundesliga geschnuppert, und es hat jeden begeistert. Wir haben damals den Grundstein für die weiteren Jahre gelegt und den ersten großen Schritt gemacht.



Besteht der Kontakt zu den Helden von damals denn noch?
Das sieht man schon an unserer Traditionsmannschaft, in der viele Spieler dabei sind, die damals den Aufstieg perfekt gemacht haben. Außerdem arbeiten auf unserer Geschäftsstelle mehrere Akteure von damals: Meine Wenigkeit, Matthias Stammmann in der Nachwuchsabteilung, Holger Ballwanz als Fanbeauftragter. Wir haben uns durch unsere Erfolge sozusagen unsere berufliche Zukunft erspielt. (lacht)

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