11mm-Filmfestival: »The Other Chelsea«

»Schluss mit den vielen Brasilianern«

Für den Film »The Other Chelsea« hat Jakob Preuss ein halbes Jahr bei Schachtar Donezk verbracht. Im Interview spricht der Regisseur über Abramowitsch und zu viele Brasilianer. Beim 11mm-Festival: »The Other Chelsea«

Jakob Preuss, der Erfolg von Schachtar Donezk ist unübersehbar mit dem Geld des Oligarchen Rinat Achmetow verbunden. Ihr Film heißt »The Other Chelsea«. Haben wir es hier mit einem neuen Abramowitsch zu tun?
Die Motivation ist eine andere. Schachtar Donezk ist für Achmetow ein lokalpatriotisches Projekt. Er ist dort geboren und hat den Verein, der Anfang der Neunziger fast vor dem Bankrott stand, aufgepäppelt und zu einer internationalen Marke gemacht. Auch die lausigsten Partien sieht er sich immer vor Ort im Stadion an, bei Wind und Wetter. Es gibt noch einen weiteren Unterschied: Abramowitsch wird in London gehasst, während Achmetow in der Region sehr beliebt ist. Der würde sofort als Bürgermeister gewählt werden, wenn nicht sogar als Präsident der Ukraine. Donezk ist für ihn kein Spielzeug, sondern eine Herzensangelegenheit.

Er ist also eher der Typ Dietmar Hopp?
Auch dieser Vergleich hinkt. Achmetow hat seit seinem Amtsantritt als Präsident von Schachtar 1,5 Milliarden Dollar in den Verein investiert. Davon hat er nicht mal einen Bruchteil zurückbekommen. Hopp dagegen will ja, dass Hoffenheim irgendwann Gewinne abwirft. So weit ist man in Donezk noch längst nicht, gerade weil die Finanzierung durch Fernsehrechte in der Ukraine deutlich schwieriger ist.

Wie lotst man denn die ganzen hochtalentierten Brasilianer in die Ost-Ukraine?
In erster Linie mit einem guten Gehalt, das sich durchaus mit den europäischen Topligen vergleichen lässt. Außerdem befindet man sich ja nicht in Sibirien. Donezk liegt südlicher als Berlin. Im Sommer ist es dort extrem heiß.

Donezk gilt allerdings als unattraktive Industriestadt.
Das stimmt, kulturell hat die Stadt nicht viel zu bieten. Aber man kann auch in Donezk gut essen gehen oder mal in einem Club feiern. Die Brasilianer sehen den Verein mittlerweile als Sprungbrett für die großen Ligen. Gerade durch die Erfolge in den letzten Jahren lassen sich die Spieler einfacher halten. Man spielt ja fast jedes Jahr in der Champions League. Einige sind auch schon in die brasilianische Nationalmannschaft berufen worden.

Gibt es seitens der Fans Kritik an der Einkaufspolitik?
Natürlich gibt es da gerade von der älteren Generation Stimmen, die sagen: »Jetzt ist mal Schluss mit den vielen Brasilianern.« Aber es ist wie überall anders auch: Wenn sie verlieren, wird viel geschimpft. Bei Erfolgen, und davon gab es in letzter Zeit nicht gerade wenig, schwimmen alle mit auf der Euphoriewelle.

2009 hat Achmetow dem Verein die hochmoderne Donbas-Arena geschenkt. Wie kann man sich die Fankultur vorstellen?
Die Gesellschaft, die in der Ukraine sehr weit auseinanderklafft, wird im Stadion perfekt wiedergegeben. Es gibt für die einfachen Leute schon Tickets ab zwei Euro. Und dann sind da noch die  ganzen VIPs, die sich teilweise nur bedingt für Fußball interessieren. Aber wer es in der Politik zu etwas bringen will, muss sich eben im Stadion blicken lassen. 

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»The Other Chelsea – A Story From Donetsk«
D 2010, 87 Minuten, Regie: Jakob Preuss
Auszeichnungen: Gewinner des Max Ophüls Preis 2011 für den besten Dokumentarfilm, nominiert für den Grimme-Preis 2012.

Am 17. März 2013 um 17.45 Uhr auf dem 11mm-Fußballfilmfestival. Tickets und weitere Infos auf: www.11-mm.de

>> Auf Seite 2: Der offizielle Trailer zu »The Other Chelsea«


Darum geht's: Donezk ist die Hauptstadt des Kohlereviers Donbass tief im Osten der Ukraine. Die meisten Menschen arbeiten hier für wenig Lohn in heruntergekommenen Schächten, während einige wenige das große Geld verdienen. Beide Seiten eint die Liebe zum lokalen Fußballklub. Milliardär Achmetow investiert großzügig in den Verein – doch der erkaufte Erfolg lässt die politische und soziale Stagnation im Land nur noch deutlicher erscheinen.

Der Trailer:



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»The Other Chelsea – A Story From Donezk«
D 2010, 87 Minuten, Regie: Jakob Preuss
Auszeichnungen: Gewinner des Max Ophüls Preis 2011 für den besten Dokumentarfilm, nominiert für den Grimme-Preis 2012.

Am 11. März 2012 auf dem 11mm-Fußballfilmfestival (in Anwesenheit des Regisseurs). Tickets und weitere Infos auf: www.11-mm.de

>> Auf Seite 2: Der offizielle Trailer zu »The Other Chelsea«

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