20.06.2013

11FREUNDE gratuliert Peter Neururer, dem »Typ des Jahres«

»Leck mich am Arsch, mir geht es gut«

In unserer neuen Ausgabe (11FREUNDE#140) küren wir die Akteure der Saison. Während Franck Ribery von der Jury zum »Spieler des Jahres« gewählt wurde, gewann Peter Neururer die Kategorie als »Typ des Jahres«. Wir gratulieren dem Coach des VfL Bochum!

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago

Peter Neururer, herzlichen Glückwunsch, die 11FREUNDE-Jury hat Sie zum »Typ des Jahres« gewählt.
Witzig. Vielen Dank.

Im vergangenen Jahr gewann Sebastian Kehl diese Kategorie für seine Führungsstärke trotz langer Verletzung, 2011 der Stuttgarter Cacau, der sich mit einem Leistenbruch durch die Spielzeit kämpfte. Was, glauben Sie, hat die Jury bewogen, Sie zu wählen?
Auch wenn mich die Wertschätzung sehr freut, vermute ich, dass mir da Lorbeeren angesteckt werden, auf die ich keinen Einfluss hatte. 


Wie meinen Sie das?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer ihrer Juroren mich wegen meines Comebacks zum »Typ des Jahres« gewählt hätte, wenn ich nicht diesen eigenartigen Herzinfarkt gehabt hätte. 


Dass heißt, die Wahl hat für Sie einen faden Beigeschmack.
Überhaupt nicht. Es ehrt mich sehr, aber auf diese Art von Comeback hatte ich nur beschränkt Einfluss. Dafür waren ein Herzinfarkt, mein Arbeitgeber, der TV-Sender »Sport1«, der mich im Gespräch hielt, und eine äußerst missliche sportliche Situation verantwortlich, in die der VfL Bochum schlidderte.


Wie melancholisch war die Zeit nach dem Herzinfarkt im Juni 2012?
Gar nicht. So schnell, wie der Infarkt kam, habe ich mich auch wieder davon erholt. Bis auf kleine Einschränkungen – zum Beispiel, dass ich die lieben Zigaretten aus meinem Leben verbannt habe – lebe ich wie vorher und fühle mich teilweise sogar besser. 


Dennoch gilt ein Trainer im Profifußball trotz aller Anteilnahme nach einem Infarkt als Lame Duck.
Das war ein Problem, diese dauernde Fragerei: Was wird jetzt aus dem Mann? Da wurde mehr über meinen Gesundheitszustand diskutiert, als über meine Fähigkeiten als Trainer. Das ging mir sehr auf den Geist. 


Sie waren in Gefahr, abgeschrieben zu werden.
Diese Gefahr bestand, ohne Zweifel. Früher war ich der publikumswirksame, dynamische Typ – und plötzlich der, den sie wiederbeleben mussten. Ich war öffentlich ständig in Rechfertigungshaltung, denn mein Ziel war ja wieder zu arbeiten.  


Und im April 2013 stand plötzlich der VfL Bochum vor dem Absturz in die dritte Liga – und brauchte, um im Bild zu bleiben, Wiederbelebungsmaßnahmen.
Mir war immer bewusst, wenn ein Verein in eine Extremsituation gerät, der meine Arbeit kennt, wird er nicht auf einen unerfahrenen Trainer zurückgreifen, sondern auf jemanden, der schon vergleichbare Lagen gemeistert hat. Dass es dann der VfL war, mein Herzensverein, klingt nach der Dramaturgie eines Hollywood-Drehbuchs. Das war der Wahnsinn.


Ausgerechnet der VfL Bochum…
Sechs Wochen vor Saisonende habe ich noch nie einen Klub übernommen. So ein Himmelfahrtskommando mache ich nur für drei Vereine auf der Welt.


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