05-Ultra Michael Grüber zum Start der »Mainzer Fantage«

»Ob die DFL uns ernst nimmt, ist noch fraglich«

Ultras des FSV Mainz 05 haben die »Mainzer Fantage« auf die Beine gestellt, die ab dem 6. September eine Woche lang laufen. Auf Diskussionen sollen sich Ultras, Fans, DFL-Leute und Politiker näher kommen. Wir sprachen mit Michael Grüber, Mitglied der »Handkäsmafia« und Presseprecher der Fantage.

Michael Grüber, im Januar 2012 waren Sie und andere Ultras des FSV Mainz 05 beim »Fankongress« in Berlin zu Gast. Wie viel von der damaligen Veranstaltung werden wir in den »Mainzer Fantagen« wiedererkennen? 


Was die Themen betrifft, orientieren sich unsere Fantage am Fankongress in Berlin. Auch wir setzen uns mit Kommerzialisierung, Sicherheit, Stimmung und dem Umgang mit den Medien auseinander. Allerdings versuchen wir, die Veranstaltungen eher auf lokaler Ebene zu halten. Die Frage, wie wir die Stimmung im Mainzer Stadion verbessern können, schwebt über allem. Deswegen haben wir die Fantage auch auf eine Woche angelegt. Jeder soll die Möglichkeit haben, sich ein Bild zu machen.

Gab es bisher keinen Dialog zwischen den einzelnen Fangruppen des FSV Mainz 05?


Bei den Ultras schon. Das sieht man an der Organisation der Fantage, die von den Gruppen »Gensfleisch Connection«, »Handkäsmafia«, »Meenzer Metzger« und »Ultraszene Mainz« auf die Beine gestellt werden. Den Kontakt zu den Fans von Haupttribüne und Gegengerade wollen wir verbessern. Ultrainterne Veranstaltungen, in denen wir uns Meinungen an den Kopf hauen, die wir uns ohnehin schon 100 Mal gesagt haben, gibt es genug. Wir wollen, dass kritische Leute zu uns kommen, die uns auch mal sagen, was ihnen nicht passt, damit wir darüber reden können.


Sind die Mainzer Tribünenfans bereit, sich mit den Leuten aus der Kurve auseinanderzusetzen?


Wir waren im Vorfeld bei vielen Fanklubtreffen und haben unsere Pläne vorgestellt. Die Resonanz war positiv. Das lässt uns auf erfolgreiche Tage hoffen.

Die Zuschauer auf der Mainzer Haupttribüne gelten als sehr kritisch. Wie erklären Sie sich das?


Durch den Stadionneubau sind viele neue Zuschauer dazugekommen, die vorher am Bruchweg nicht dabei waren. Es wird seitdem mehr gepfiffen und heftig kritisiert, was früher in Mainz nicht der Fall war. In Mainz stand es schon immer im Vordergrund, die Mannschaft bedingungslos zu unterstützen. Deswegen sollen die Tage auch dazu da sein, neue Fans weiter in die Familie Mainz 05 zu integrieren.



Sie heben den lokalen Charakter der Veranstaltung hervor. Werden aktuelle überregionale Themen wie der Fall Kevin Pezzoni in Köln oder die Dortmunder Nazi-Problematik überhaupt nicht aufgegriffen?
Die Veranstaltung soll von ihrer Dynamik leben, deshalb schreiben wir nichts vor. In Berlin war es ähnlich. Dort ging es später vermehrt über das Verhältnis zwischen Ultras und Medien, was vorher in diesem Ausmaß nicht geplant war. Klar ist, dass wir aktuelle Themen nicht unter den Tisch kehren wollen. Wir haben mit dem Fall Pezzoni zwar nichts zu tun, doch so etwas wird gerne direkt auf die komplette Ultraszene reflektiert, also auch auf die Verhältnisse in Mainz. Deswegen ist es wichtig, darüber zu reden. Das Dortmund-Thema dürfte bei unserem Anti-Rassismus-Workshop aufgegriffen werden.



Sie haben erst nach der Veröffentlichung eines offenen Briefes eine Zusage von Thomas Schneider, Leiter für Fangelegenheiten bei der DFL, bekommen, der nun an einer Podiumsdiskussion teilnimmt. War es so schwer, einen Mitarbeiter der DFL mit ins Boot zu holen?


Wir standen mit der DFL und dem DFB im persönlichen Kontakt, haben also nicht bloß eine E-Mail geschrieben und darauf gehofft, dass sich etwas tut. In der AG Fanbelange haben wir auch regelmäßig auf unsere Veranstaltung hingewiesen und Kontakte geknüpft. Dass wir so lange hingehalten wurden, hat uns sehr enttäuscht. Wir gingen letztlich sogar davon aus, dass keiner von der DFL oder dem DFB kommen wird. Der offene Brief war die letzte Chance, die wir sahen. Dass Herr Schneider nun doch daran teilnimmt, wertet unsere Veranstaltung ungemein auf.



Sind dadurch alle gegenseitigen Vorbehalte beseitigt?


Wir müssen die Verbände weiterhin kritisch beäugen. Die Belange der Fans wurden lange Zeit nicht ernst genug genommen. Darauf haben wir in unserem offenen Brief hingewiesen. Fanthemen gehen ständig durch die Medien und Vertreter von DFL äußern sich zu jeder neuen Entwicklung. Im Gespräch mit den Fans war dies bisher selten der Fall. Dabei gibt es keinen Weg über Repressionen, sondern nur über den Dialog mit den Fans. Das ist ein langfristiger Prozess. Ob die DFL Fanbelange ernst nimmt, ist für uns immer noch fraglich. Herr Schneiders Teilnahme an den Fantagen ist ein erster Schritt und vergleichbar mit der Teilnahme des CDU-Politikers Guido Ernst, der mit uns über die Zukunft von Stehplätzen diskutieren will.


Michael Grüber, Ultras sind abhängig von ihrem Verein. Geht der FSV Mainz 05 anlässlich der Fantage auch auf die Ultras zu?


Der FSV Mainz 05 hilft uns, indem er uns Räume am Bruchweg oder am neuen Stadion für die Fantage zur Verfügung stellt. Außerdem haben Vereinsangehörige schon zugesagt, dass sie an Veranstaltungen teilnehmen werden. Unser Abwehrspieler Niko Bungert kommt zu unserer Abschlussdiskussion um die Stimmung bei den Heimspielen. Es ist schön, wenn der Verein hinter einem steht.



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Die »Mainzer Fantage« laufen vom 6. bis zum 13. September. Nähere Infos gibt es unter mainzer-fantage.de


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