Das Geheimnis um Bayerns Champions-League-Gegner
Der Turmbau zu Basel
Text: Florian Raz Bild: Imago
Der FC Basel haute Manchester United aus der Champions League und trifft heute auf die Bayern. Was klingt wie ein Treppenwitz des Fußballs, ist das Ergebnis einer beeindruckenden Klubphilosophie.
Es war etwas nach drei Uhr morgens, als Markus Steinhöfer die »Bodega« betrat. Das ist jenes Basler Restaurant, in dem in der Nacht nach einem Titelgewinn früher oder später alle Pokale auftauchen, die der FC Basel gewinnt. Nun gab es zwar diesmal keine Trophäe, die hergezeigt werden konnte. Aber da war ja Steinhöfer. Der lebende Beweis, dass deutsche Einwanderer in der Schweiz durchaus beliebt sein können – wenn sie sich denn ein wenig Mühe geben. Bei Steinhöfer reichte jener Bruchteil einer Sekunde, in dem er den Ball im Heimspiel gegen Manchester United mit Wucht an die Unterkante der Latte drosch. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang vielleicht noch, dass es das eigene Tor war, das er getroffen hatte. Aber weil der Ball danach eben knapp vor der Linie aufsprang und der FC Basel die Partie in der Folge mit 2:1 gewann, um als erstes Schweizer Team das Achtelfinale der Champions League zu erreichen, ist der Rechtsverteidiger in Basel nun Kult.
Also sangen die Menschen in der »Bodega« bei seinem Auftritt ein eben erst gedichtetes Lied, das in etwa aussagt, dass der Steinhöfer ein Lustiger sei, weil er den Ball an die Latte knallt. Ja, es war eine lange und feuchtfröhliche Nacht in Basel. Dabei hatten die Verantwortlichen des FCB die Spieler eigentlich gar nicht in die Stadt schicken wollen, aber das war in diesem Fall schlicht unmöglich, weil tausende von Fans einfach so lange auf dem Barfüsserplatz feierten, bis sich die Mannschaft doch noch auf jenem Balkon bejubeln ließ, auf dem üblicherweise Meisterschaften und Pokalsiege begossen werden.
Fußball als Kulturgut
Das mag die eine Besonderheit sein, die den FC Basel von allen anderen Schweizer Fußballvereinen unterscheidet: In keiner anderen Stadt des Landes ist der Fußball so sehr Kulturgut wie hier am Rheinknie, nirgends bestimmt der Heimklub den Rhythmus des Lebens so sehr wie in Basel. 30.000 Fans sahen 2011 im Schnitt die Heimspiele; in einer Stadt, die nur rund 190.000 Einwohner zählt. Aber das ist nichts Neues, Basel war schon immer Fußballstadt.
Einigermaßen neu ist dagegen ein Versuch, den der FCB gerade anstellt, und für den exemplarisch ein anderer Deutscher steht, der die Basler Herzen in kürzester Zeit im Sturm erobert hat. Heiko Vogel war gerade mal 35 Jahre alt, als er am 13. Oktober die Nachfolge des zum Hamburger SV abgewanderten Thorsten Fink antrat. Interimistisch zunächst, seit dem 1. Januar ist der ehemalige Fink-Assistent nun definitiv Cheftrainer. Es ist eine Rolle, die er bislang nur bei den Junioren des FC Bayern München innehatte, bei denen er von 1998 bis 2007 von der U10 an unterschiedliche Teams trainierte.
Dort wurden unter ihm zwar Spieler wie Philipp Lahm, Thomas Müller oder Holger Badstuber groß, doch Vogel ist deswegen noch lange kein Trainer mit klingendem Namen. Ja, der inzwischen 36-Jährige hat nicht einmal eine überdurchschnittliche Karriere als Profifußballer vorzuweisen, wie das bei Vorgänger Fink der Fall gewesen war, den er seit 2008 als Assistent begleitet hat. Vogels Karriere als Aktiver führte in Edenkoben nicht über die dritthöchste deutsche Liga hinaus.
Ergänzung zu Heft#123 02/2012
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