Zur Hässlichkeit des neuen Barcelona-Trikots
Drei Farben: Blind
Text: Andreas Bock Bild: Imago
Seit einigen Tagen kursieren Bilder des angeblich neuen Barcelona-Trikots im Netz. Was aussieht wie das Ergebnis eines Computer-Malwettbewerbs der örtlichen Volkshochschule, spiegelt in Wahrheit den ewigen Wunsch nach Maximalismus wider.
Robert Venturi, ein amerikanischer Architekt, sagte früher gerne mal: »Weniger ist langweilig.« Dabei verwies er auf den Las Vegas Strip, die zentrale Hauptstraße der Spielhöllenstadt, auf der sich über knapp sieben Kilometer Lichter, Reklametafeln, Diskokugeln, Neonröhren und Stakkatoblitze aneinanderreihen, als wollten sie das gesamte Stromnetz der Welt in die Knie zwingen. Die Stadt gewordene Suggestion von »Mehr ist mehr«. Es ist der Leitsatz der heutigen Mediamarktwelt und des modernen Fußballs geworden. Blöd allein, dass im Fußball, jedenfalls in der Fankurve, kaum jemand nach diesem Maximalismus gefragt hat.
Es fing irgendwann in den siebziger Jahren an. Damals brachte HSV-Präsident Dr. Peter Krohn die Show in den Fußball. Die Spieler ritten mit Elefanten und in rosafarbenen Trikots aufs Feld, während Promis wie Mike Krüger bei Testspielen als Linienrichter an der Seite standen. Weiter ging es in den Achtzigern. In riesigen Betonschüsseln wurden die Zuschauer von zwei bis drei kopfhörergroßen Boxen mit Bierzeltsounds beschallt. In der Halbzeit gab es Musik von Truckstop oder Right Said Fred.
Die Hände zum Himmel
Schon damals quittierte das Gros der Fans diese massive Beschallung mit gellenden Pfeifkonzerten. Trotzdem haben die modernen Fußballmacher diesen Eventzirkus in die Gegenwart gerettet. Sie haben ihn sogar noch bombastischer gemacht: Die Leistungsfähigkeit der Boxen ist besser geworden, die Musik noch fröhlicher. So können sie jederzeit die gespielte Heiterkeit einfach über das Stadion stülpen. Selbst nach Deutschlands 0:2-Niederlage gegen Italien bei der WM 2006 ertönte im Westfalenstadion ein Hit, der sogar am Autoscooter unter der Rubrik Trash liefe. Die Hände zum Himmel.
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Einst, so erzählen ergraute Kurvenfossile gerne, soll man vor und nach dem Spiel Schlachtrufe oder gar Jubelgesänge im Fanblock gehört haben. Geschichten aus dem Mittelalter. Sie entlarven das heutige Super-Mega-Event eigentlich als unnötig. Und trotzdem suggeriert dieses, jedenfalls aus Sicht der Produzenten, einen großartigen Deal. Alles läuft getreu dem Motto: Du bekommt beim Fußball mehr für dein Geld.
Der Supergau war Bochum 1997
Über allem schwebt zudem die große Sorge, dass das »Weniger« den Fan irgendwann langweilen könnte. Schließlich muss es immer weiter gehen. Und was kommt nach Weniger? Genau, nichts. Das Streben nach dem Maximum zeigt sich seit Jahrzehnten auch in der Fußballmode, wenngleich viele Firmen und Vereine heute verstanden haben, dass Fans vor allem Nostalgiker sind, die alte Schnitte, klassische Muster und schlichte Farben einem überbordenden Design vorziehen. Der Supergau war Bochum 1997. Das bunte »Faber«-Trikot galt als das Ende der Fahnenstange, als Warnung.
Trotzdem begehen manche Vereine auch heute noch Stilverbrechen, siehe Werder Bremens orangefarbenes Trikot der Saison 2010/11. Nun ist der FC Barcelona dran, jener Klub, der lange Jahre Gralshüter des Ästhetischen im Fußballs war, auf den Verlass war, wenn es um Stil und Inhalt ging. Seit einigen Jahren – nicht erst seit die Werbung bei den Katalanen Einzug erhielt – verschandelt der Klub sein Trikot zunehmend.







