Gabuns Nationaltrainer Gernot Rohr über den Afrika-Cup
»Hier hat niemand Starallüren«
Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago
Der Afrika-Cup 2012 in Gabun ist gestartet. Vor dem ersten Spiel des Gastgebers gegen Niger (heute, 17 Uhr MEZ) sprachen wir mit Gabuns Nationalcoach, dem Deutschen Gernot Rohr. Er sagt: »Wenn meine Spieler das Turnier gewinnen, werden sie reiche Leute sein.«
Alle zwei Jahre treffen sich Afrikas beste Fußballteams zur Kontinentalmeisterschaft. Von 21. Januar bis 12. Februar sind Gabun und Äquatorialguinea Gastgeber des Fußballfestes. Gernot Rohr, der gebürtige Mannheimer, ist Trainer von Gabun. Die 1,5 Millionen Einwohner des zentralafrikanischen Landes haben hohe Erwartungen an Rohr und sein Team. Und auch Staatspräsident Ali-Ben Bongo Ondima will Erfolge beim Turnier im eigenen Land sehen. Noch vor dem Start des Afrika-Cups sprachen wir mit ihm.
Gernot Rohr, wie liefen die Vorbereitungen auf den Afrika-Cup?
Gernot Rohr: Oh, wir hatten ein bisschen Probleme mit der Infrastruktur. Das Stadion in Franceville, einer der beiden Spielorte in Gabun, ist erst in allerletzter Sekunde fertiggestellt worden. Und im neuen Stadion von Libreville musste der Rasen nach dem Eröffnungsspiel gegen Brasilien (10. November 2011, d. Red.) gleich wieder ausgetauscht werden. Es wurde ein neuer Rollrasen aus Südafrika verlegt. Ich hoffe, dass der der hält.
Unmittelbar vor dem Anpfiff der Partie gegen Brasilien fiel auch noch der Strom komplett aus.
Gernot Rohr: (lacht) So etwas kann in Afrika passieren! Die Spieler beider Teams haben die Wartezeit genutzt, um sich intensiv warm zu machen.
In den vergangenen zwölf Spielen hat Gabun sechsmal gewonnen und dreimal Unentschieden gespielt. Die positive Bilanz dürfte die Erwartungen beim Africa-Cup im eigenen Land nach oben treiben. Es heißt, Bescheidenheit sei ohnehin nicht die Stärke der Gabuner.
Gernot Rohr: Das stimmt, sie sind anspruchsvoll und wollen Siege sehen.
Gilt das auch für Staatspräsident Ali-Ben Bongo Ondimba?
Gernot Rohr: Er kennt sich aus im Fußball, ist mit voller Begeisterung dabei und will auch Erfolg haben. Unsere U-23-Mannschaft hat gerade die Afrikameisterschaft gewonnen, das macht natürlich Appetit auf mehr. Aber Gabun ist ein kleines Land mit gerade mal 1,5 Millionen Einwohnern. Da haben Länder wie Nigeria, Ghana oder die Elfenbeinküste ganz andere Voraussetzungen. Das darf man nicht vergessen.
Die Gabuner träumen vom Titelgewinn, dabei ist ihre Nationalmannschaft die aktuelle Nummer 17 im afrikanischen Fußball. Da müssen Sie wohl auf die Euphoriebremse treten.
Gernot Rohr: Ab und zu schon. Nur wenn man zu viel bremst, heißt es, der will nicht gewinnen. Da muss man vorsichtig sein.
Man hat den Eindruck, als würden in Afrika gerne die Mächtigen der Politik sich in die Arbeit von Fußball-Nationaltrainern einmischen.
Gernot Rohr: Man muss wissen, dass die nationalen Fußballverbände in Afrika in der Regel kaum über finanzielle Mittel verfügen, ihnen fehlen schlichtweg die Einnahmen. Das ganze Geld für die Nationalmannschaft kommt aus den Sportministerien oder aus dem Budget des Präsidenten. Und wer zahlt, der will auch mitreden. Aber Ali-Ben Bongo Ondimba hat noch nie versucht, Einfluss auf die Mannschaftsaufstellung oder die Taktik zu nehmen. Wir sprechen über Fußball, wie man eben unter Fachleuten diskutiert. Doch er mischt sich nicht ein. Der Sportminister auch nicht, der war früher selbst Nationalspieler und ist wie der Präsident ein intelligenter und weiser Mann. Es ist ein großer Vorteil, dass beide wirklich etwas von Fußball verstehen. Das ist nicht überall so.





