Die Geschichte der Fußballfans

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09.01.2012

Schade, Paul Scholes ist zurück

Taubenscheiße auf dem Denkmal

Text: Alex Raack  Bild: Imago

Im Mai 2011 hatte Manchester-United-Legende Paul Scholes seinen Rücktritt erklärt. Jetzt hat er im FA-Cup gegen Manchester City sein Comeback gegeben. Das hätte er nicht tun sollen, meint Alex Raack und hat Scholes einen offenen Brief geschrieben.

Schade, Paul Scholes ist zurück - Taubenscheiße auf dem Denkmal


Lieber Paul Scholes,


kennst Du eigentlich Axel Schulz? Das war einer der besten deutschen Boxer aller Zeiten. Naja, das dachten wir jedenfalls immer alle. 1995, mit knackigen 26 Jahren, trat er gegen den 45-jährigen George Foreman an, haute ihm rundenlang auf die Nase, vergaß allerdings, den alten Mann K.o. zu schlagen. Was die Ringrichter wiederum so irritierte, dass sie Foreman am Ende gewinnen ließen. Es hagelte Klappstühle und Getränkebecher, nie wieder war unser Axel so gut wie damals. 2005, mit inzwischen 37 Jahren, stieg Axel wieder in den Ring. Er gab sein Comeback. Diesmal hagelte es keine Klappstühle, sondern Hiebe. Einer der angeblich besten deutschen Boxer aller Zeiten wurde von einem Niemand namens Brian Minto vermöbelt. Meine Güte, war das peinlich. Und unser Axel gab seinen Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt bekannt.



37 Jahre, da muss es doch bei Dir klingeln, Paul! Auch Du hast dieses für Leistungssportler biblische Alter erreicht. Du warst noch 36, als Du im Sommer 2011 Deinen Rücktritt erklärt hast. Nach fast 750 Spielen für Manchester United, nach 66 Spielen für England. Nach Meisterschaften, Pokalsiegen, Champions-League-Erfolgen. Du warst ein Großer, viel größer als Axel Schulz. Und als Du gingst, haben wir geweint, jedenfalls ein bisschen. Weil Du eine fantastische Karriere hattest, weil Du ein sensationeller Fußballer warst und weil Du das getan hast, was sich selbst auf der kleinsten Dorfparty bewährt: Du bist gegangen, als es am schönsten war.

Aber jetzt, lieber Paul, bist Du wieder da. Hast den »Rücktritt vom Rücktritt« erklärt. Bist zu Deinem Trainer, Deinem Mentor, Deinem Ziehvater Alex Ferguson gegangen und hast gesagt, dass Du all das vermisst: Den fein gemähten Rasen, die Fans, die Stadien, den Geruch von Kabinenschweiß in der Nase. Die große Bühne Profi-Fußball. Und Dein Trainer hat gesagt, dass er Dich auch vermisst habe und dann seid ihr euch wahrscheinlich in die Arme gefallen oder habt euch kräftig die Hände geschüttelt.

Ein Fehlpass von Paul Scholes!

Klar, dass Du Dein Comeback im Derby von Manchester gegeben hast. Die Fans, Deine Mitspieler, Dein Trainer – alle hatten sie eine Gänsehaut, als Du in der 57. Minute eingewechselt wurdest. FA-Cup, United gegen City, die große Bühne. War es das, was Du vermisst hast? Die Aufmerksamkeit, die Gänsehaut, den besonderen Moment? Vier Minuten später hast Du einen Fehler gemacht, nach einem kurzen Einwurf einen Fehlpass gespielt. Einen Fehlpass, Du! Deshalb fiel das 2:3 für City, deshalb hätten die Blauen das Spiel fast noch gedreht. Aber es ging alles gut. Ihr habt mit 3:2 gewonnen und kein Mensch hat anschließend mehr über diesen Fehlpass gesprochen.


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»Wir können es uns nicht leisten, einen ausgemusterten 38-Jährigen mit zur WM in Italien zu schleppen«, motzte Kameruns Nationaltorhüter Joseph Bell vor dem Turnier 1990 über Stümer-Opa Roger Milla und wurde eines Besseren belehrt. Der Rentner, der seine Karriere ein Jahr zuvor beendet hatte, wurde zum Star der 90er WM.
Auf einen ähnlichen Coup hoffte man wohl auch, als man den mittlerweile 42 jährigen Angreifer trotz vierjähriger Schaffenspause auch wieder für die WM 1994 in den USA nominierte. Pustekuchen, Kamerun schied in der Vorrunde aus, doch immerhin wurde Milla durch ein Tor gegen Russland zum ältesten Torschützen der WM-Geschichte. (Bild: Imago)


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  • »Wir können es uns nicht leisten, einen ausgemusterten 38-Jährigen mit zur WM in Italien zu schleppen«, motzte Kameruns Nationaltorhüter Joseph Bell vor dem Turnier 1990 über Stümer-Opa Roger Milla und wurde eines Besseren belehrt. Der Rentner, der seine Karriere ein Jahr zuvor beendet hatte, wurde zum Star der 90er WM.<br />
Auf einen ähnlichen Coup hoffte man wohl auch, als man den mittlerweile 42 jährigen Angreifer trotz vierjähriger Schaffenspause auch wieder für die WM 1994 in den USA nominierte. Pustekuchen, Kamerun schied in der Vorrunde aus, doch immerhin wurde Milla durch ein Tor gegen Russland zum ältesten Torschützen der WM-Geschichte. (Bild: Imago)
  • Es war angerichtet: Vor der Partie gegen den Karlsruher SC gingen Uerdingens Jungtrainer Friedhelm Funkel die Spieler aus, weswegen er kurzerhand sich selbst, den 38 Jahre Spieler Friedhelm Funkel, für den Kader nominierte. Der hatte zwar zweieinhalb Jahre zuvor seine Schuhe an den Nagel gehängt, aber im Notstand frisst der Mittelfeldspieler nur mal Gras. Zum Einsatz kam der Spieler Funkel nicht, konnte aber als Trainer Funkel die 0:4-Niederlage seiner Jungs auch nicht verhindern. (Bild: Imago)
  • Auf der Jagd zu seinem 1000. Tor wäre der 41 jährige Romario fast von der Bürokratie gestoppt worden. Da er in Jahr 2007 bereits für den FC Miami in den USA und den australischen Erstligisten Adelaide United aufgelaufen war, wollte ihn die FIFA nicht mehr für seinen Heimatverein Vasco da Gama spielen lassen. Am Ende löste sich alles in Wohlgefallen auf, Romario spielte für Vasco, schoss eine 1000. Tor und reckte diesen Märchenpokal in die Luft.  (Bild: Imago)
  • Der sächsische Bezirksligaklub VfB Auerbach wurde Mitte der Neunziger zum Auffangbecken für alternde Fußballstars: Neben Werder-Legende Dieter Burdenksi, der sich mit 43 noch mal zwischen die Dorfplatzpfosten klemmte, schnürrten auch der niederländische Vizeweltmeister Willy van der Kerckhof und die Ex-Profis Ronnie Worm und Matthias Ruländer die Töppen für den Amateurklub. »Wir wollen helfen, dass die Auerbacher in die Landesliga aufsteigen«, gab Burdenski zu Protokoll. Hat auch geklappt. Später stellte sich Burdenksi mit blutjungen 51 Jahren sogar noch einmal ins Tor der Werder-Amateure. (Bild: Imago)
  • Mit Waldläufen und Familientraining mit dem elfjährigen Sohn hatte sich Rudi Kargus (seinerzeit 34) die Strapazen der vergangenen fünfzehn Profijahre abtrainieren wollen als eines Nachmittags im Oktober 1986 sein Telefon klingelte: Fortuna Düsseldorf suchte kurzfristig einen Torwart, da sich Stammkeeper Jörg Schmadtke verletzt hatte. Kargus sprang  ein und wurde gleich bei seinem ersten Einsatz zum Helden: Im Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen trieb Kargus die Bayer-Angreifer zum Wahnsinn. Die Fortuna erreichte das Pokal-Halbfinale und stieg am Ende aus der ersten Liga ab. Trotz und nicht wegen Rudi Kargus. (Bild: Imago)
  • Eigentlich hatte Johan Cruyff in der amerikanischen Operettenliga NASL seine Karriere finanziell vergoldet, doch der Weltstar hatte noch nicht genug. Mit 34 eroberte er 1981 ein zweites Mal die niederländische Erendivisie im Sturm. Ein finanziell äußerst lukratives Comeback, da Cruyff sich an den Zuschauereinnahmen beteiligen ließ, die sich mit der Ankunft des großen Zampanos prompt verdoppelten. (Bild: Imago)


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Kommentare

  • User
  • 09.01.2012 13:59:48 7ayne

    Paul Scholes ging es noch nie um Aufmerksamkeit. Er ist selbst beim Rücktritt vom Rücktritt das Muster aller Musterprofis: Der Verein hat auf seiner Position arge Verletzungssorgen, Ferguson will nicht im Winter kaufen, auf die jungen scheint er auch noch nicht setzen zu wollen, also springt Scholes noch mal ein. Der hat sich im vergangenen halben Jahr fit gehalten, das hat man gestern auch gesehen.

    Das 2:3 würde ich - wenn überhaupt - Lindegaard ankreiden.

  • User
  • 09.01.2012 17:06:32 Wirsching

    kommt alle mal klar, 37 jahre ist auch im Fußball kein Alter, der Mensch wird heutzutage bis zu 100 jahre alt und mehr(siehe Joe Heesters)
    also kann man locker bius 40 gepflegt durchspielen

  • User
  • 10.01.2012 10:14:29 Sasa Ciric

    Lieber Alex Raack,

    ich glaube hier liegste daneben. In der gegenwärtigen United-Truppe kann Scholesy immer noch eine ganz entscheidende Rolle spielen. Weil er nämlich als einer der ganz ganz wenigen Spieler auf der Welt in der Lage ist, aus nahezu jeder Situation über nahezu jede Distanz den Ball ansatzlos und milimetergenau an den Mann zu bringen. Klar, er wird nichmehr zum Sprinter in dieser Saison aber das Alter spielt keine große Rolle. Giggsy gesehen. Der hatte 90 Minuten gegen Newcastle in den Beinen und war mit Abstand der beste Mann auf dem Platz!

    Der Kicker Schreibt: "Denn als Defensiv-Stabilisator half Scholes, das knappe Ergebnis über die Zeit zu bringen, abgesehen vom Patzer kurz nach der Einwechslung überzeugte er insbesondere mit seiner Passquote. Statistiker ermittelten, dass Scholes in seinem gut halbstündigen Auftritt 97 Prozent seiner 71 Zuspiele an den Mann brachte - kein City-Spieler schlug im gesamten Match mehr Pässe."

    Dem ist nix hinzuzufügen.

  • User
  • 10.01.2012 10:17:09 Sasa Ciric

    Davon ab finde ich, dass der Vergleich eines allenfalls mittelmäßigen Kirmesboxers mit dem vielleicht besten englischen Fußballer aller Zeiten ein wenig hinkt...

  • User
  • 10.01.2012 12:30:56 Statistikfreund

    2 Dinge:
    1. Axel Schulz war technisch gesehen einer der besten deutschen Schwergewichtler-nur eben kein Puncher, was ihm wie sein "Glaskinn" und seine Naivität zum Verhängnis wurde.
    2. Sasa Ciric hat alles wesentliche gesagt. Und wenn Ihr noch 100mal Henry im Boulevard-Stil hochjazzt und Scholes noch 100mal im gleichen Stil runterputzt: im Scholes-Fall ist es eine schöne Sache, dass er wieder da ist.

  • User
  • 10.01.2012 12:47:59 gelsenkirchen

    ich glaube scholes hat einfach nochmal bock!

  • User
  • 10.01.2012 13:01:17 Walter Baseggio

    Der Mann ist geil auf die EL, so sieht das doch aus.

  • User
  • 10.01.2012 18:18:54 Buthelezi

    Sowohl bei der Rückkehr von Scholes als auch bei der von Henry kommen bei mir Zweifel auf. Beides ohne Frage wirklich großartige Fussballer ihrer Zeit, aber beide Aktionen zeigen doch ein gerütteltes Maß an Verzweifelung/Fehlplanung durch Wenger/Ferguson.

    Im Falle Henrys macht das für mich noch einen Tick mehr Sinn, da der ja tatsächlich nur als Vertretung für den Afrika-Cup angeheuert hat und zudem noch als Spieler aktiv ist - wenn auch in der US Liga, die mir eher eine Gruppe von besseren Pub Mannschaften zu sein scheint (ich kenne mich da aber nicht aus).

    Kann natürlich sein, dass Scholes wirklich einfach noch mal Bock hatte und sicher wird er jetzt nicht sein Denkmal einreissen - das ist auch ob seiner Erfolge und Verdienste wohl gar nicht möglich - und nochmal ein paar ordentliche Spiele abliefern. Aber nötig...

    Naja, ich hoffe für Scholes und Henry, dass es den beiden ihr Comeback das bringt, was sie sich erhofft hatten.

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