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29.11.2011

Valerien Ismael über Ivan Klasnic und Druck im Fußball

»Als Profi kennst du nur Drill«

Interview: Andreas Bock  Bild: Imago

In unserer aktuellen Ausgabe erzählen wir die Geschichte von Ivan Klasnic, der als weltweit einziger Profi mit einer Spenderniere spielt. Heute steht er bei den Bolton Wanderes unter Vertrag. Hier erinnert sich Valerien Ismael an ihre gemeinsame Zeit bei Werder Bremen.

Valerien Ismael über Ivan Klasnic und Druck im Fußball - »Als Profi kennst du nur Drill«


Valerien Ismael, Sie haben von 2003 bis 2005 zwei Jahre lang mit Ivan Klasnic bei Werder Bremen gespielt und 2004 gemeinsam das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal geholt. Welche Szene aus dieser Zeit beschreibt Ivan Klasnic am besten?

Valerien Ismael: Da gibt es mehrere. Etwa die vielen Abende, die nichts mit Fußball zu tun hatten. Ivan ist ein sehr kommunikativer Mensch. Er hat häufig Pokerabende oder Dartrunden organisiert. Dieses Zusammensein fern vom Fußball war ihm sehr wichig.



Und auf dem Platz?

Valerien Ismael: Ivan war bekanntlich nicht der Schnellste, zudem ein wenig lauffaul. Ich erinnere mich auch, dass er stets die schlechtesten Laktatwerte hatte. Doch die Mannschaft hat dieses Manko akzeptiert, denn er hat seine Tore gemacht. Ich denke da nur an das legendäre Spiel in München aus der Saison 2003/04. Oliver Kahn ließ einen Ball fallen, Ivan schnappte ihn sich, umkurvte ihn, schoss ihn ins Tor...

...und Werder war Meister. Später am Abend stand Ivan Klasnic mit einem Pepitahut vor der Kamera des NDR und bedankte sich bei Oliver Kahn.

Valerien Ismael: So war er. Neben dem Platz ein Spaßvogel, auf dem Platz gewitzt und raffiniert, ein bisschen wie unser Jan Schlaudraff (Ismael arbeitet als Trainer der 2. Mannschaft bei Hannover 96 Anm. d. Red.) 96. Stets in Lauerhaltung. Wenn der Gegner einen Fehler machte, stand Ivan oft an der richtigen Stelle.

Ivan Klasnic sagt, er habe früher nicht wie ein Profi gelebt. Können Sie das bestätigen?

Valerien Ismael: Absolut. Wir haben oft über seine Ernährung gelacht, denn er hat sehr viel gegessen. Er liebte Fleisch mit Sauce béarnaise. Vor dem Spiel in München hat er damals sogar einen Kochtopf ausgekratzt. Ich fragte ihn damals: »Ivan, wie willst du morgen spielen?« Er antwortete: »Klappt schon!« Er behielt Recht.

Im Januar 2007 wurde publik, dass Ivan Klasnic seit über einem Jahr an Niereninsuffizienz leide und die Transplantation eines neuen Organs notwendig sei. Wie hat die Mannschaft diese Nachricht aufgenommen?

Valerien Ismael: Wir waren geschockt. Niemand hatte es ihm angemerkt.

Haben Sie gelaubt, dass er eines Tages wieder Fußball spielen kann?

Valerien Ismael: Wir kannten ja keine vergleichbare Geschichte. Fußballer reißen sich das Kreuzband oder brechen sich mal die Nase. Doch Ivan war stets ein Kämpfertyp. Ich ahnte, dass er eines Tages wieder spielen wird. Und so kam es ja auch. Das Tolle daran ist aus heutiger Sicht, dass seine Geschichte vielen Menschen mit einer solchen Krankheit Kraft geben wird, denn nun ist klar, dass man mit einer fremden Niere sogar Leistungssport treiben kann.

Nach Bekanntwerden der Krankheit wurde Kritik an der medizinischen Abteilung in Bremen laut. Es hieß etwa, als Spieler würde man nicht wissen, welche Schmerzmittel man verabreicht bekomme.

Valerien Ismael: Das kann ich nicht behaupten. Ich habe jedenfalls keine schlechten Erfahrungen mit Werders Arzt Dr. Götz Dimanski gemacht. Und ich habe auch immer gewusst, was mir verabreicht oder gespritzt wurde.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb damals von dem modernen Fußballprofi als funktionierende »Menschmaschine«. Wie sehen Sie das? Ist der heutige Fußballprofi noch immer ein spielender Akteur oder nur noch ein Rädchen im großen Getriebe?

Valerien Ismael: Man kann es so ausdrücken: Wir sind als Leistungsportler auf Ziele programmiert. Im Spiel befinden wir uns in einer Art Drill. Das heißt: Mach dir keine Gedanken, fokussiere alles auf das eine große Ziel, denn sonst gerät der Erfolg in Gefahr.

Das klingt nach Menschmaschine.

Valerien Ismael: Klar, doch man kann immer auch Ausgleiche schaffen. Jeder sollte abseits des Platzes Wege finden, um den Fußball mal Fußball sein zu lassen. Er sollte abschalten können. Einige schaffen das mit ihrer Familie, ihren Kindern. Andere suchen sich Hobbys. 

Sie mussten Ihre Karriere wegen einer Verletzung beenden.

Valerien Ismael: Ich habe meinen Körper geopfert, doch ich bereue nichts. Der Fußball ist es wert.

Die Ärzte rieten Ivan Klasnic nach der Nierentransplantation, seine Karriere zu beenden. Heute ist er einer der besten Torjäger der Premier League. Wieso wurde sein Name eigentlich nie wieder in der Bundesliga gehandelt?

Valerien Ismael: Es heißt oft, die Vereine hätten Angst wegen seiner Nierenkrankheit. Doch es geht nicht um die Nieren, da bin ich mir sicher. Ich kenne ihn zu gut. Wissen Sie, er spielt ja gerne mal Poker, und er verhandelt gerne selbst seinen Vertrag. Es geht hier sicher auch ums Finanzielle.

Hannover 96 wäre seine Krankheit also egal?

Valerien Ismael: Die Frage ist nebensächlich, denn ich glaube, Ivan ist für Hannover 96 eh zu teuer.

In 11FREUNDE #121: Der Mann aus Glas - Das Comeback des Ivan Klasnic. Jetzt am Kiosk.



Ergänzung zu Heft#121 12/2011

Das große Interview mit Felix Magath




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Kommentare

  • User
  • 03.12.2011 19:07:25 plissee

    Ich denke bei van Gal gehts nochmal härter zu...

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