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23.11.2011

Das große Bernd Schuster-Interview (#1)

»Bayern statt Barca: Das war mein Traum«

Interview: Philipp Köster und Tim Jürgens  Bild: Gunnar Knechtel

Er ist das große Mysterium des deutschen Fußballs: Bernd Schuster. Als Spieler ein unverstandenes Genie, als Trainer umstritten. Für die 11FREUNDE-Ausgabe #120 trafen ihn Philipp Köster und Tim Jürgens zum großen Interview. Teil 1 lest ihr hier.

Das große Bernd Schuster-Interview (#1) - »Bayern statt Barca: Das war mein Traum«


Bernd Schuster, Ihr erster Coach vor 31 Jahren beim FC Barcelona war eine herausragende Persönlichkeit, Catenaccio-Erfinder Helenio Herrera. Über ihn sollen Sie gesagt haben: »Der ist so alt wie der Böhmerwald, schon dreimal abgeholzt.«

Bernd Schuster: Er kam für mich aus einer anderen Welt. Ich war zwanzig, er um die sechzig. Er kam in blauer Skihose und abgetragenen Basketball-Stoffschuhen in die Kabine. Ich dachte, ja, leck mich in de Täsch, wer kommt denn da? Als wir Pokalsieger wurden, packte er beim Essen plötzlich eine Wahrsager-Kugel aus, sie nannten ihn ja »El Mago«. Wir Spieler saßen also am Tisch, in der Mitte eine Art Bowlingkugel, und ich fragte mich, wo die versteckte Kamera ist.




Sind Sie mit Ihm aneinandergeraten?

Bernd Schuster: Nur einmal, denn er ließ am Tag nur 45 Minuten trainieren. Das war mir einfach zu wenig! Ich war Jungnationalspieler und fürchtete um meine Fitness. Also bin ich nachmittags allein auf den Platz. Als er das mitbekam, hat er sich furchtbar aufgeregt.

Wie lange dauerte es für den Jungspund Schuster, bis er sich nach 1980 heimisch in Barcelona fühlte?

Bernd Schuster: Es hat einige Zeit gedauert. Ich sprach kein Wort spanisch, konnte mich mit niemanden unterhalten und hatte unglaubliches Heimweh. Für meine erste Frau war es noch schwerer. Wir wohnten außerhalb von Barcelona in einem großen Haus. Dort war sie mit den Kindern sehr viel allein. Wir hatten ursprünglich nie vorgehabt, ins Ausland zu gehen. Aber nachdem ich mich beim 1. FC Köln mit Trainer Karl Heinz Heddergott überworfen hatte, musste ich weg.

Woran Sie nicht ganz unschuldig waren, nachdem Sie lautstark Kritik an dessen Methoden geäußert hatten.

Bernd Schuster: Schon richtig, aber ich hoffte damals, innerhalb Deutschland zu meinem Traumverein FC Bayern zu wechseln. Franz Beckenbauer war mein Gott. Aber der FC wollte 3,5 Millionen Mark Ablöse haben. Uli Hoeneß sagte, so eine Forderung sei ein Skandal. Aber für den FC Barcelona waren die 150 Millionen Peseten gar nichts. Die waren schlecht in die Saison gestartet, ich war frischgebackener Euromeister. Ein Schnäppchen. 


Sie hätten absagen können.

Bernd Schuster: Um Gottes Willen, ich wollte spielen. In Köln durfte ich nicht mal mehr mittrainieren, ich habe mich fünf Wochen selbständig fit gehalten. Innerhalb der Bundesliga war außer den Bayern kein Klub in der Lage, die Ablöse zu bezahlen. Und Köln ließ auch nicht nach. 
Sie hatten auch ein Angebot von den New York Cosmos. Ich hatte sogar einen Vertrag unterschrieben. Hennes Weisweiler war damals Trainer dort. Die Saison sollte erst zum Januar 1981 beginnen, aber vorher wurde dort auch eine Ausländerbegrenzung eingeführt. Hennes rief an: »Jung, Du kannst zuhause bleiben.« Im Nachhinein war ich froh. Ich, mit 20 in den USA – das wären verlorene Jahre gewesen.

Bei Barca wurden Sie zum Superstar.

Bernd Schuster: Für einen Profi in Deutschland lief das Leben damals noch gemütlich ab. In Katalonien hörte das schlagartig auf. Ständig waren Leute um uns. Und Spanier haben keine Hemmungen, da kommt es auch vor, dass sich einer beim Essen zu dir an den Tisch setzt.


Schwer zu verkraften für einen 20-Jährigen.

Bernd Schuster: Deswegen waren die Einladungen zur Nationalmannschaft immer eine tolle Sache. Die Vorfreude auf die Tage daheim mit den alten Kollegen, das hat mir am Anfang sehr geholfen. Als später der Ärger bei der Nationalelf begann, mag es für viele so ausgesehen haben, als interessiere mich Deutschland nicht mehr. Ein großes Missverständnis.



Aus Heft#120 11/2011

Das große Interview mit Bernd Schuster


weiterlesen [1] [2] [3] [4] [5]





Wie süß! Der blutjunge Fußball-Welpe Bernd Schuster bei seinen ersten Schritten für den 1. FC Köln. Aus der Jugend vom FC Augsburg gekommen, gibt Schuster hier 1978 sein Debüt.


Fotostrecke

  • Wie süß! Der blutjunge Fußball-Welpe Bernd Schuster bei seinen ersten Schritten für den 1. FC Köln. Aus der Jugend vom FC Augsburg gekommen, gibt Schuster hier 1978 sein Debüt.<br />
  • Nur ein Jahr später, im Mai 1979, macht das Mega-Talent sein erstes Spiel für die deutsche Nationalmannschaft. Gegen Irland gewinnt die DFB-Auswahl mit 3:1.<br />
  • Perfekte Schusshaltung: Schuster, schon mit feinem Oliba-Pflaum, tritt eine Flanke in den Strafraum. Mit dem »Effzeh« erreicht Schuster 1979 das Halbfinale im Europapokal der Landesmeister, unterliegt dort allerdings dem späteren Sieger Nottingham Forest. 1980 scheitert er im DFB-Pokalfinale gegen Fortuna Düsseldorf.<br />
  • Sommer 1980, Europameisterschaft in Italien. Schuster, 20 Jahre jung, steigt zum großen Star des Turniers auf. Hier berät er sich mit Co-Trainer Erich Ribbeck (links) und Mitspieler Bernd Cullmann.<br />
  • Schuster glänzt auch gegen Erzrivalen aus Holland, am Ende wird er sogar als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet...<br />
  • ...und darf nach einem 2:1-Sieg gegen Belgien (die Vorlage zum 1:0 durch Horst Hrubesch hat Schustert gegeben) auch den silbernen EM-Pott in den Himmel von Rom strecken.<br />


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Kommentare

  • User
  • 23.11.2011 23:54:30 pfzt

    Schönes Interview! Cooler Typ mit klarem Blick auf die Dinge. Das man aber mit einer Einstellung wie:"…wir spielen zu langsam…" in der DFB Elf der 80er nicht weit gekommen ist, wundert mich kein bißchen :-)

  • User
  • 24.11.2011 21:42:58 ceex73

    Vielleicht sollten wir mal beginnen, diese Interviews selber weiterzuführen. Und wenn Bernd Schuster mitliest, kann er ja antworten. Denn ein paar spannende Fragen wurden ja ausgelassen. Etwa:
    "Wie fühlt es sich denn an, wenn der Ex-Trainer des FC Getafe den FC Augsburg in der Bundesliga beobachtet?"

  • User
  • 08.12.2011 14:13:21 maradonna10

    mit ihm hätte der dfb mehr reissen können ...

  • User
  • 08.12.2011 14:33:38 mehmetwirdankendir

    Wuttke neben Rumenigge/ Völler in den Sturm.
    Schuster als Regisseur, Matthäus als Wasserträger.
    Litti von Anfang an aufbauen. Frank Mill als Joker.

    Dieter Hoeneß zurück in den Stall.

    Wir hätten nix gerissen aber das ganze hätte nach Fußball ausgeschaut.

  • User
  • 13.01.2012 15:32:29 Kinky

    Bernd Schuster war die Ikone des deutschen Fussballs der 80er Jahre. Mit ihm als Spielmacher anstatt der alternden Breitner (82) oder Magath (86), die beide kurz nach den WM-Endspielen ihre Karriere beendeten, hätte man schon damals Weltmeister werden können.

  • User
  • 13.01.2012 15:45:53 misterkite

    maggert und die n11 und ganz besonders die wm 86 sind themen, auf denen man nicht zwingend rumreiten sollte. maggert als spielmacher der n11 , lachhaft.

  • User
  • 13.01.2012 19:48:45 AntiMöller

    Heute 15:32:29 von Kinky
    Bernd Schuster war die Ikone des deutschen Fussballs der 80er Jahre.


    Du bist verrückt geworden.

    Ferner: Maggert hat `86 keine Rolle gespielt. Breitner war der beste deutsche Spieler, während 82 Espagna.

  • User
  • 17.02.2012 16:57:27 Kinky

    Breitner als Mittelfeldspieler war ein ganz guter Ballverteiler, läuferisch stark, aber längst nicht so genial wie der große Bernardo in seiner besten Barca-Zeit.

  • User
  • 18.02.2012 00:29:39 AntiMöller

    ...der....."Bayern-Bernardo"? Welcher Bernardo, Herrgott!

  • User
  • 03.04.2012 19:21:47 Yvy

    "Diego hätte 15 Jahre auf höchstem Niveau spielen müssen, nicht nur sechs.
"
    Ganz genau ! Deswegen nerven mich die Diskussionen, bester aller Zeiten bla bla

    Um mal den Kaiser zu zitieren auf die Frage bester aller Zeiten bla bla, "Pelé, weil er 15 Jahre lang Weltklasse gespielt hat"

    Ansonsten, wer 13 Jahre bei den 3 Topclubs in Spanien spielt, war natürlich die Ikone der 80er. Wäre es damals möglich gewesen, Fußball aus Spanien regelmäßig hier im TV zu empfangen, gäbs keine Zweifler, denke ich

  • User
  • 03.04.2012 19:25:05 Yvy

    Das Schwarzweißbild mit dem Mittelfinger - eins der besten Fußballbilder überhaupt !

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