Die PETA über gezielte Hundetötungen zur EM 2012
»Das Elend soll nicht sichtbar sein«
Text: Erik Peter Bild: Imago
Die Proteste waren erfolgreich, die ukrainische Regierung will Hundetötungen zur EM 2012 verbieten. Bereits Anfang November haben wir mit der PETA-Kampagnenleiterin Andrea Müller über mobile Krematorien und die Rolle der UEFA gesprochen.
Andrea Müller, die Tierschutzorganisation PETA engagiert sich in einer Kampagne gegen die Tötung von Straßenhunden im EM-Gastgeberland Ukraine. Was ist da los?
Andrea Müller: Im Zuge der Vorbereitung auf die Europameisterschaften finden massive Tötungen von Straßenhunden statt. Tausende von Tieren werden qualvoll vergiftet, erschossen und teilweise lebendig verbrannt. Vermutlich in vier Städten wurden sogar mobile Krematorien eingesetzt. Diese besorgniserregenden Informationen, sowie Bild- und Videomaterial haben wir von ukrainischen Tierschützern bekommen.
Was hat dieses Vorgehen mit der anstehenden Europameisterschaft zu tun?
Andrea Müller: Die Städte wollen sich den EM-Besuchern als sauber präsentieren. Man möchte ein Land vorzeigen, in dem das Elend nicht sichtbar ist, in dem es keine Straßentiere gibt. Aber das Elend ist auf den Straßen der Ukraine präsent, weil keine geeigneten, humanen Maßnahmen ergriffen werden, um die Population von Straßentieren einzudämmen. Und das, was jetzt passiert, ist absolut inakzeptabel.
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Kann es sein, dass die UEFA, die in sehr vielen Bereichen Druck auf die Gastgeberländer ausübt, hier involviert ist?
Andrea Müller: Nein, wir haben keine Informationen, dass die UEFA so etwas gefordert hat. Im Gegenteil: Wir haben uns mit der UEFA in Verbindung gesetzt und sie haben daraufhin die Machenschaften der ukrainischen Behörden kritisiert. Diese reagieren aber auf all die Proteste sehr gelassen und haben sich bislang nicht beeindrucken lassen. Das heißt, die Tötungen und Vergiftungen gehen weiter.
Wie wollen Sie ein Ende der Tötungen erreichen?
Andrea Müller: Wichtig ist, dass darüber berichtet wird. Wir hatten bereits im letzten Jahr Bilder vorliegen, da haben sich die Medien aber nicht interessiert. Aber je näher die EM rückt, um so mehr steigt das Interesse an. Momentan ist ein Team von uns in der Ukraine und nach deren Rückkehr werden wir neue Bilder und Videos veröffentlichen, um den Druck zu erhöhen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Vorgehen von der Öffentlichkeit, der UEFA und auch den Fußballern geduldet wird.
Was können Fußballfans konkret tun?
Andrea Müller: Wir haben auf unserer Website eine Onlinepetition, die jeder unterschreiben und an den ukrainischen Botschafter in Deutschland schicken kann. Bisher haben das 20.000 Menschen getan, darunter Fabian Ernst, Patrick Ochs und Michael Fink. Wir sprechen auch gerade mit weiteren Fußballern. Namen kann ich da allerdings noch nicht nennen.
Ochs und Fink? Fühlen die sich wegen ihres Nachnamens zum Tierschutz verpflichtet?
Andrea Müller: Nette Idee, aber damit hat das nichts zu tun. Die genannten Fußballer sind Tierliebhaber, die uns sehr wohlgesonnen sind. Fabian Ernst und Michael Fink haben uns auch schon in anderen Themenbereichen unterstützt. Beide haben sich in ihrer Zeit bei Besiktas Istanbul für Tierschutzprojekte in der Türkei eingesetzt.
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