Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
20.10.2011

Heute vor 40 Jahren: Der Büchsenwurf vom Bökelberg

»Wir möchten die Dose zurückhaben«

Text: Marius Gutowski und Andreas Bock  Bild: Imago

Am 20. Oktober 1971 deklassiert Borussia Mönchengladbach das Star-Ensemble von Inter Mailand mit 7:1. Doch die Partie wird nach dem Büchsenwurf auf Roberto Boninsegna annulliert. Heute steht die Dose in Arnheim, nun fordert Gladbach sie zurück.

Heute vor 40 Jahren: Der Büchsenwurf vom Bökelberg - »Wir möchten die Dose zurückhaben«


Es half alles nichts. Sie konnten nur zusehen, wie sich Inter Mailands Roberto Boninsegna 15 Minuten lang am Boden wälzte, angeblich war er von einer Cola-Dose am Kopf getroffen worden. Selbst der holländische Schiedsrichter Jef Dorpmans hielt dieses Gebaren für Schauspielerei: »Er spielte tot. Und ich weiß genau, dass er nichts hatte.« Das Spiel gegen Inter Mailand, das Borussia Mönchengladbach am 20. Oktober 1971 mit 7:1 gewonnen hatte, musste wiederholt werden.

 

Mit Texten, Mythen und Anekdoten zu diesem Spiel könnte man den alten Bökelberg nachbauen. Doch eine Frage interessiert heute, da sich der Büchsenwurf zum 40. Mal jährt, brennender als jede andere: Wo ist diese verdammte Cola-Dose abgeblieben? Wir fragten Markus Aretz, der neben seiner Tätigkeit als Klub-Pressesprecher auch Chronist von Borussia Mönchengladbach ist.

Markus Aretz, warum ist die wohl berühmteste Cola-Dose der Fußballgeschichte nicht im Besitz von Borussia Mönchengladbach, sondern steht bei Vitesse Arnheim? Die hatten mit dem Spiel gegen Inter Mailand ja herzlich wenig zu tun.

Markus Aretz: Der Schiedsrichter Jef Dorpmans hat sie nach dem Spiel als Beweismittel mitgenommen und dann seinem Verein vermacht. Und das ist Vitesse Arnheim.

Direkt nach dem Spiel hatte man keine Chance die Büchse zu sichern?

Markus Aretz: Nun ja, wir konnten sie nicht einfach dem Schiedsrichter aus der Tasche klauen (lacht). Es gab damals ein Verfahren und danach ist die Dose in Dorpmans Besitz geblieben. Anscheinend hat sich so unmittelbar nach dem Spiel auch niemand von der Borussia darum gekümmert.

In der Lokalpresse wurde von einer Delegation berichtet, die nach Arnheim gereist ist, um die Büchse zu holen. Was ist da dran?

Markus Aretz: Gar nichts. Das Thema wurde ziemlich aufgebauscht. Ich will da keine große Geschichte draus machen, zwischen den beiden Vereinen gab es noch keine Unterredung auf offizieller Ebene. Aber klar ist auch: Wir möchten die Dose gerne für unser zukünftiges Museum haben.

Sportdirektor Max Eberl soll gesagt haben: »Vielleicht machen wir das, wozu mir Franz Beckenbauer riet: ein Freundschaftsspiel in Arnheim. Da könnten wir die Büchse ja als Gastgeschenk erhalten.«

Markus Aretz: Wir werden uns darum bemühen, schließlich gehört die Dose zu unserer Geschichte. Auf jeden Fall werden diese Bemühungen im freundschaftlichen Rahmen bleiben. 

Neben dem Verbleib der Cola-Dose interessiert natürlich die Frage: Was geschah mit Roberto Boninsegna? Der Mann war nach 1971 noch für Hellas Verona und Juventus Turin aktiv. Als Schauspieler wurde er erst nach seiner Karriere wieder aktiv. 1984 war er in dem Film »Keiner haut wie Don Camillo« an der Seite von Terrence Hill zu sehen. Er spielte einen Inter-Mailand-Profi. Eine Büchse kommt in dem Film nicht vor. Sehen Sie hier:



Kürzlich beteuerte er in einem Interview mit dem WDR erneut seine Unschuld: »Die Deutschen glauben mir das bis heute nicht. Die Büchse traf mich am Kopf. Ich war 15 bis 20 Sekunden bewusstlos.«

In unserer Bildergalerie: Stimmen zum Büchsenwurf vom Bökelberg >>




---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Borussia Mönchengladbach






Gladbach-Trainer Hennes Weisweiler hätte sich von vornherein einen anderen Gegner gewünscht. Bei der Auslosung sagte er: »Es muss nicht unbedingt Inter Mailand sein.«


Fotostrecke

  • Gladbach-Trainer <b>Hennes Weisweiler</b> hätte sich von vornherein einen anderen Gegner gewünscht. Bei der Auslosung sagte er: »Es muss nicht unbedingt Inter Mailand sein.«
  • Die Bedenken waren unberechtigt, Gladbach fegte die Italiener mit 7:1 aus dem Stadion. <b>Ulrik Le Fevre</b> ist sich heute noch sicher: »Es war das schönste Fußballspiel, das der Bökelberg je erlebt hat.«
  • Doch es nützt nicht, das Ergebnis wird annulliert, weil Roberto Boninsegna von einer Cola-Dose angeblich am Kopf getroffen wurde. <b>Rainer Bonhof</b>: »Unser Superspiel ist nicht belohnt worden. Das war eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.«
  • <b>Ludwig Müller</b> erinnert sich noch ganz genau an den legendären Skandal: »Als die leere Büchse von der Tribüne geflogen kam und den Mailänder traf, stand ich direkt neben ihm. Er lag da wie ein sterbender Schwan.«
  • <b>Müller</b> weiter: »Er sah sich erst kurz um und dann hörte ich sogar, wie ein Mitspieler ihm zuflüsterte, er solle sich fallen lassen, erst dann ging er zu Boden. Dann habe ich gesehen, wie dieser Schauspieler seinem Teamkollegen mit dem Auge zugezwinkert hat.«
  • Inters <b>Roberto Boninsegna</b> selbst sieht sich als Opfer: »Die volle Büchse traf mich am Kopf, ich war 15 bis 20 Sekunden bewusstlos. In der Kabine war sogar ein UEFA-Offizieller, der eine Platzwunde festgestellt hat.« In den Unterlagen zum Spiel taucht der Offizielle übrigens nicht auf.


Ähnliche Artikel

Kommentare

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Thema: Fußballfans. Eure Wunschgäste für Maischberger, Lanz, Plasberg und Co.?

Werner Schulze-Erdel
Charly Steeb
Alf
Bono
Frank Zander
Zini
Max Power
Johannes B. Kerner
Günter Wallraf
Campino
Andreas Elsholz
Alfred Biolek
Vera Int-Veen
Marius Müller-Westernhagen
Ich




Gibt es bald wieder Stehplätze in England?


Rekordtorschützen in der U21

  • Pierre Littbarski (21 Spiele, 18 Tore)
  • Heiko Herrlich (20 / 17)
  • Benjamin Auer (23 / 15)
  • Mike Hanke (26 / 14)

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER