Einmalig: Ein Fan mietet sich Wohnung im Stadion
»Ich kann die Mannschaft belauschen«
Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Spencer Larham ist ein typischer Allesfahrer: Er besucht 60 Spiele pro Saison und hat seit 2005 nur ein Spiel des englischen Neuntligisten Wisbech Town verpasst. Nun zog er in eine Wohnung neben dem Spielfeld. Ein Gespräch über Kabinengeflüster und einen großen Garten.
Spencer Larham, vorab müssen wir eine Sache klären: Sie haben in den vergangenen sechs Jahren beinahe jedes Heim- und Auswärtsspiel Ihres Lieblingsklubs Wisbech Town gesehen. Nur eines verpassten Sie. Warum?
Spencer Larham: Eine sehr traurige Geschichte. Ich hatte lange Karten für ein Slayer-Konzert in Birmingham, die waren teuer. Zudem war ich von meinen Kumpels als Fahrer eingeteilt, ich hätte mich mit einer Absage also sehr unbeliebt gemacht. Und sowieso: Slayer sagt man nicht einfach so ab.
Am vergangenen Wochenende sind Sie in eine neue Wohnung gezogen. Diese liegt direkt am Spielfeld des Heimstadions. Halten die Leute Sie nun für bekloppt?
Spencer Larham: Einige blöde Kommentare gibt es, aber die meisten finden es super. Sie wissen, dass dieses Stadion seit vielen Jahren mein zweites Wohnzimmer ist – es war der logische Schritt hierher zu ziehen.
Zu den Heimspielen kommen bis zu 500 Zuschauer (Bild: Spencer Larham)
Das Medieninteresse soll riesig gewesen sein.
Spencer Larham: Schon als die Sache hier in Wisbech etwas bekannter wurde, meldeten sich viele regionale Zeitungen aus Cambridgeshire. Ein Journalist meinte: »Die Lawine wird bald rollen!« Und tatsächlich sah ich mein Bild bald in der »Sun« und der »Daily Mail«. Ständig meldeten sich Reporter und fragten nach Interviews. Und es riefen etliche Freunde an, die mir berichteten, wo sie mich gesehen hätten. Letzte Woche gab ich an einem Tag sechs Radiointerviews. Das Absurde: Ich war zu dem Zeitpunkt nicht mal eingezogen, die Wohnung stand immer noch leer.
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Wisbech Town gewann am Samstag gegen Hadleigh United. Zwischendrin organisierten Sie den Umzug?
Spencer Larham: Ich schleppte vorher und hatte dabei glücklicherweise sehr viele Helfer. Und natürlich waren auch wieder Reporter vor Ort. Als ich dann kurz vor dem Spiel ins Badezimmer kam, hörte ich Gemurmel: Die Kabinenansprache unseres Trainers. Das kam mir etwas indiskret vor. Ich werde mich in Zukunft vor den Spielen nicht mehr dort aufhalten.
Wie kommt es überhaupt, dass der Fußballklub eine Wohnung direkt am Platz vermietet?
Spencer Larham: Es gibt dieses Stadion seit etwa einem Jahr, an der einen Geraden befindet sich eine Tribüne, an der anderen das Klubheim und die Umkleiden. Dort bauten sie zudem einen Bereich für mögliche Büros. Zwischenzeitlich überlegte der Klub auch, die Räume Sicherheitsleuten zur Verfügung zu stellen. Letztendlich verwarf der Klub aber alle Ideen und nutzte die Räumlichkeiten als Abstellkammer.
Bis Sie anfragten?
Spencer Larham: Nein, der Klub schrieb die Räume irgendwann als 3-Zimmer-Wohnung aus. Ich meldete mich und bekam sie zu einem fairen Preis. Hier ist es schön ruhig, richtig idyllisch im Vergleich zur City. Und dann noch dieses Fenster zur Westseite – ich sehe hier jeden Abend einen fantastischen Sonnenuntergang
An Spieltagen ist es mit dem Idyll aber vorbei.
Spencer Larham: Da ist Remmidemmi direkt vor meinem Fenster und ich muss aufpassen, dass ich nicht gerade nackt durch die Wohnung laufe oder bei offenem Fenster schlafe. Jeder kann reingucken, das ist ein kleiner Nachteil. 
Blick aus dem Wohnzimmer (Bild: Spencer Larham)
Dafür haben Sie einen sehr großen Garten.
Spencer Larham: Das Spielfeld darf ich natürlich nicht betreten. Allerdings kann ich die Spiele tatsächlich direkt vom Wohnzimmerfenster aus verfolgen. Am Samstag habe ich so das Spiel gegen Hadleigh United so gesehen.
Haben Sie denn keine Sorge, dass Sie plötzlich ganz viele neue Freunde haben, die sich zu Ihnen einladen, um keinen Eintritt zu zahlen?
Spencer Larham: So läuft das nicht. Klar, meine Tochter darf hier natürlich gratis gucken, aber jeder andere Fan wird vermutlich zahlen müssen. Das ist auch völlig okay, denn Wisbech Town braucht jeden Penny.
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Stadion: Bilino Polje
Kapazität: 18.000
Klub: NK Celik Zenica (Bosnien-Herzegowina)
Fensterplätze: Circa 98




