Josip Simunic über seinen bitteren Bundesliga-Abgang
»Ehrlichkeit sollte im Fußball kein Fremdwort sein«
Interview: Manuel Schumann Bild: Imago
Hamburg, Berlin, Hoffenheim, Zagreb. Die Karriere des kroatischen Verteidigers Josip Simunic bekommt mit dem heutigen Champions-League-Debüt gegen Real Madrid die Krone aufgesetzt. Wir sprachen vorher mit ihm über seine Trainer und Träume.
Josip Simunic, ist es Ihnen schwer gefallen, die Bundesliga zu verlassen?
Josip Simunic: Ja, etwas. Ich habe 14 Jahre in Deutschland gespielt. Das ist schließlich eine lange Zeit.
Warum haben Sie sich für Dinamo Zagreb entschieden?
Josip Simunic: Dinamo ist ein Topklub, in Kroatien gibt es keine bessere Adresse. Als das Angebot kam, musste ich nicht lange überlegen. Ich freue mich riesig, dass alles geklappt hat. Ich will endlich wieder Fußball spielen.
Ein Wechsel innerhalb der Bundesliga war kein Thema?
Josip Simunic: Nein, ich wollte unbedingt nach Kroatien.
Sie haben einmal gesagt, es sei Ihr Traum, irgendwann in England zu spielen – warum hat das nie geklappt?
Josip Simunic: Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Vor ein paar Jahren hatte ich einige Angebote aus der Premier League vorliegen, ein Transfer scheiterte aber an Kleinigkeiten - leider. Ich hatte damals eine sehr gute Europameisterschaft gespielt und fühlte mich bereit für den nächsten Schritt.
In diesem Jahr erwartet Sie zumindest eine aufregende Champions-League-Saison. Ihre Gruppengegner heißen Real Madrid, Olympique Lyon und Ajax Amsterdam. Geht für Sie in diesem Jahr ein Traum in Erfüllung?
Josip Simunic: Oh ja! Ich habe noch nie in der Champions League gespielt – eigentlich unglaublich, denn ich bin ja schon ein paar Tage im Fußballgeschäft. Länderspiele, Europa League, alles wunderbar, aber das höchste der Gefühle ist und bleibt nun mal die Champions League. Ich bin sehr dankbar dafür, dass Zagreb mir die Chance gibt, in der Königklasse mitzumischen. Die Vorfreude ist jedenfalls riesig.
Schielen Sie in ihrer Gruppe auf Platz 3, also die Qualifikation für die Europa League?
Josip Simunic: Mal schauen. Wir wollen die sechs Spiele der Gruppenphase einfach genießen und die eine oder andere Überraschung schaffen. Die Gruppe ist enorm stark, keine Frage. Aber mit Einsatz und Leidenschaft ist vieles möglich. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir unsere Chancen bekommen werden. Man sollte aber auch bedenken, dass wir eine sehr junge Truppe beisammen haben. Eine Mannschaft mit einem Riesenpotenzial. Die Jungs haben alle noch ordentlich Luft nach oben.
Apropos Einsatz: Sie gelten als harter und kompromissloser Verteidiger. Gegen welchen Bundesligastürmer haben Sie ungern gespielt?
Josip Simunic: Einer war auf jeden Fall Edin Dzeko. Der ist unheimlich stark am Ball, da sieht man als Verteidiger schnell schlecht aus. Eine harte Nuss waren auch immer die Duelle mit Demba Ba. Er ist ein sehr kräftiger und dynamischer Spieler. Für mich waren diese Duelle immer unangenehm.
Wenn Sie auf Ihre Karriere in Deutschland zurückblicken – was war die schönste Zeit?
Josip Simunic: Ganz klar: Berlin! Hertha! Das war eine traumhafte Zeit. Bei meiner ersten Bundesligastation lief es ja nicht so gut. Beim HSV bin ich nicht so zum Einsatz gekommen, wie ich es mir erhofft hatte. Ich war fast zwei Jahre lang verletzt. Das war für mich damals sehr bitter. Der Wechsel nach Berlin war dann ein Glücksfall, dort lief sofort alles glatt. In den insgesamt neuneinhalb Jahren bei Hertha habe ich viel gelernt und eine Menge Freunde dazugewonnen.
Vor zwei Jahren unterschrieben dann Sie einen Vertrag bei der TSG Hoffenheim, der Klub überwies rund sieben Millionen Euro an Hertha BSC. Würden Sie diesen Transfer als Fehler bezeichnen?
Josip Simunic: Ich hatte es mir anders vorgestellt, das muss ich zugeben. Ich möchte mich aber nicht beklagen, schließlich habe ich auch in Hoffenheim einiges dazugelernt. Es war etwas Neues.
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