Dieter Eilts über den EM-Triumph 1996
»Es gab Burger mit Fritten«
Interview: Alex Raack Bild: Imago
Als Deutschland vor 15 Jahren die Europameisterschaft in England gewann, war er längst der Shootingstar des Turniers: Dieter Eilts. Doch während die Welt den Ostfriesen feierte, freute der sich auf einen Hamburger. Wir sprachen mit ihm.
Dieter Eilts, heute vor 15 Jahren wurde Deutschland Europameister – und Sie zum Helden des gesamten Turniers. Erinnern Sie sich noch an die Lobeshymnen, die damals auf Ihre Person gesungen wurden?
Dieter Eilts: Eigentlich nicht.
Ein paar Beispiele: »So einen phänomenalen Spieler habe ich noch nicht gesehen. 100 Tacklings, alle gewonnen, alle sauber« – Ruud Gullit in der BBC. Und: »Dieter ist einfach der Größte!« Hat Mehmet Scholl in einem »Spiegel«-Interview gesagt.
Dieter Eilts: Aha.
>>> Eisen-Dieter bei der EM 1996 – die Bildergalerie!
Das haut Sie nicht wirklich vom Hocker.
Dieter Eilts: Nein, warum auch? Ich habe bei der Euro 1996 einfach nur meinen Job gemacht. So wie vorher und nachher auch.
Sie wurden sogar in die Allstar-Mannschaft des Turniers gewählt. Franz Beckenbauer schrieb in der »Bild«-Zeitung: »Dieter Eilts war für mich der wichtigste Spieler des Turniers.« Ein wenig stolz müssen Sie doch auf sich gewesen sein!
Dieter Eilts: Wie meine Person bewertet wurde, war mir eigentlich egal. Natürlich war ich stolz auf meine Leistungen, aber viel wichtiger war mir immer der Erfolg mit meiner Mannschaft. Und 1996 hat das wunderbar funktioniert. Über den Titel habe ich mich natürlich wahnsinnig gefreut.
Obwohl Sie sich kurz vor der Halbzeit im Endspiel gegen Tschechien verletzten und nicht mehr weiter spielen konnten?
Dieter Eilts: Ich glaube, es war ein Pressschlag. Das Innenband im Knie war gerissen und ich musste auf der Bank Platz nehmen. Dort zu sitzen ist noch anstrengender, als auf dem Platz zu stehen, das kann ich ihnen sagen.
War Ihnen eigentlich gleich bewusst, dass Sie Europameister sind, als Oliver Bierhoff in der 95. Minute das »Golden Goal« erzielte?
Dieter Eilts: Als der Ball über die Linie rollte, sind wir natürlich aufgesprungen und lagen uns in den Armen. Aber dann brauchte es tatsächlich einen kurzen Moment, bis es bei jedem von uns im Kopf »Klick« machte und uns bewusst wurde: Hey, wir sind Europameister!
Trotz Ihrer Verletzung sollen Sie beim anschließend Siegerbankett derjenige gewesen sein, der den Heißhunger am schnellsten besiegte...
Dieter Eilts: Ich hatte unserem Mannschaftskoch das Versprechen abgerungen, mir schon vor dem normalen Essen einen schönen Hamburger mit Fritten in die Pfanne zu hauen. Erst wollte er mich mit dem üblichen Bankett abspeisen, aber dann bekam ich das, was er mir versprochen hatte. Während im Festsaal die Reden der Offiziellen nicht aufhören wollten, brachte er mir meinen Burger an den Platz. Meinen Mitspielern fielen fast die Augen aus dem Kopf, als sie das sahen.
Herr Eilts, Sie sprechen so nüchtern über diese Europameisterschaft als sei es ganz alltäglich Europas Fußballfans zu begeistern. Haben Sie denn wenigstens noch Ihre Siegermedaille?
Dieter Eilts: Natürlich. Die hat einen Ehrenplatz in meinem Büro bekommen.
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