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31.12.2011

Best of 2011: Kevin Kuranyi über seine neue Heimat Russland

»Mit der Kalaschnikow in der Hand«

Interview: Benjamin Kuhlhoff  Bild: Imago

Der Ex-Schalker Kevin Kuranyi ist in Deutschlands weitestgehend vom Radar verschwunden. Ein Gespräch über Moskau, das U-Bahn-Fahren, seinen Klub Dynamo und seine besondere Begegnung mit einer AK47.

Best of 2011: Kevin Kuranyi über seine neue Heimat Russland - »Mit der Kalaschnikow in der Hand«


Kevin Kuranyi, wir machen uns große Sorgen um Sie.

Kevin Kuranyi: Warum, ist etwas passiert? 

Angeblich haben Sie bei Dynamo Moskau zur Waffe gegriffen. Warum nur?

Kevin Kuranyi: Alles halb so wild. Der Präsident von Dynamo kam vor dem ersten Training in die Kabine und kündigte Schusstraining an. Ich fragte mich noch, warum dass nicht der Trainer macht, und begann mich umzuziehen. Aber dann wurden wir mit dem Bus auf ein Militärgelände gefahren, dort drückte mir ein Soldat eine echte Kalaschnikow in die Hand, zeigte auf eine Zielscheibe und ich habe abgedrückt. 



Und wir dachten, Sie seien ein friedlicher Mensch!

Kevin Kuranyi: Stimmt schon, ich mag keine Waffen. Aber dieses Ritual ist Teil der Dynamo-Tradition, dem hätte ich mich nicht entziehen können. Und eins ist sicher, ich hatte noch nie so viele verschiedene Waffen in der Hand wie an diesem Tag.  

Das bestätigt ein Klischee: Die Russen lieben Waffen.

Kevin Kuranyi: Wir waren ja auf einem Militärgelände, im Alltag sieht man hier niemanden mit einer Pistole herumlaufen. Auch auf unserem Trainingsgelände patrouillieren keine Soldaten. Diese Art von Schusstraining war wirklich die Ausnahme.  

Hierzulande gibt es noch mehr Vorurteile über Russland ...

Kevin Kuranyi: Ich weiß schon, was jetzt kommt: Hier ist es immer arschkalt, alle sind korrupt, und an jeder Ecke wird einer erschossen. Alles Unsinn, und bevor Sie auch das noch fragen wollen: Nein, hier laufen keine wilden Bären durch die Straßen. Moskau ist eine Weltstadt. Es ist wirklich toll hier. 

Was muss man denn gesehen haben?

Kevin Kuranyi: Die Stadt hält wirklich an jeder Ecke Überraschungen bereit. Nehmen wir nur mal die Metrostationen: überall Marmor, Gold und riesige Statuen. Woanders sehen so doch bestenfalls Museen aus.  

Sie verdienen viele Millionen Euro im Jahr und fahren U-Bahn?

Kevin Kuranyi: Wer hier einmal im Stau gestanden hat, meidet das eigene Auto. In meinen ersten Tagen wollte ich ins Zentrum Moskaus fahren. Was glauben Sie, wie lange ich für die 20 Kilometer von unserem Trainingsgelände in die Stadt gebraucht habe? 

Eine Stunde?

Kevin Kuranyi: Von wegen. Ich war in der Rushhour drei Stunden unterwegs, zwei davon habe ich nur gestanden. Der Rest war Hupen, Anfahren, Hupen. Der Verkehr ist hier einfach der Horror. Jetzt nehme ich meist die U-Bahn.  

Haben Sie noch einen Geheimtipp für Moskaubesucher?

Kevin Kuranyi: Es gibt ein tolles Restaurant namens Turandot. Dort sieht es aus wie in einem Palast. Das Besteck ist aus Gold, die Bedienungen tragen traditionelle Gewänder und es gibt Musiker, die Harfe und Klavier spielen. Man kommt sich vor wie im Mittelalter. Es gibt aber ein Problem: Es ist sehr teuer, aber daran muss man sich in Moskau ohnehin gewöhnen. 



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Kommentare

  • User
  • 01.07.2011 13:39:34 MarcRamone

    Also ich fand das Interview ziemlich angenehm und es hat mich gefreut, dass es ihm dort gut gefällt. Ich glaube ihn machen "Unanehmlichkeiten" nix aus und er ist bereit für Abenteuer und hat jetzt ein ganz besonderes wie es scheint. Da würde ich gerne mal mehr von ihm erfahren. Quartalsweise UpDates dieser Art wären ganz nett.

  • User
  • 01.07.2011 13:46:17 Dschungelking

    Ich finde es auch blöd, wenn man von Spielern, die ins Ausland wechseln, kaum noch was hört in den deutschen Medien (Außer Özil geht zu Real o.ä.). Ich unterstütze den Antrag von MarcRamone. Gabba gabba Hey!

  • User
  • 01.07.2011 13:49:51 Jim Panse

    Naja, beim Kevin wird hier über jede Torvorlage berichtet, das muss auch nicht sein.

  • User
  • 01.07.2011 14:56:36 m nesta

    Und nun die gute Nachricht: "Der Ex-Schalker Kevin Kuranyi ist in Deutschland weitestgehend vom Radar verschwunden."

  • User
  • 01.07.2011 14:58:12 currygoi

    auch wenn ich das als schwatzgelber wohl eigentlich gar nich sagen dürfte: bei mir hat sich kuranyi schon sympathisch gemacht damit das er direkt zugegeben hat, das der wechsel nach moskau vorallem finanzielle gründe hatte. eine ganz angenehme abwechslung mal nicht die "neue kultur kennen lernen"-lüge aufgetischt zu bekommen.
    als ob es eine strafttat wäre möglichst viel geld zu verdienen.

  • User
  • 01.07.2011 17:31:09 AbteilungAttacke

    An sich richtig. Blöd wirds nur, wenn er gleich ein "Ich glaube an mein Comeback in der N11" und "sicher werde ich Löw in Moskau auffallen" hinterherschiebt.
    Denn das ist entweder Lüge oder sehr sehr wirklichkeitsfremd.

  • User
  • 02.07.2011 08:35:18 nerd

    meine Guete!

  • User
  • 03.07.2011 13:56:57 mehmetwirdankendir

    @Abteilung Attacke

    Wann hat er das gesagt? Ich kann hier eigentlich eine gesunde Mischung aus Selbstvertrauen und-reflexion erkennen.
    Ich glaube bei dem hat sich echt was getan.

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