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23.02.2012

Die größte Trikotsammlung der Welt

»Holland 1988 ist am begehrtesten«

Interview: Karol Herrmann  Bild: Imago

Auf der Suche nach nostalgischen Fußball-Trikots stößt man im Internet auf zahlreiche Anbieter. Kaum einer hat aber ein so umfassendes Angebot von Originalware wie die Engländer von »Classic Football Shirts«. Wir sprachen mit einem der Manager.

Die größte Trikotsammlung der Welt - »Holland 1988 ist am begehrtesten«


Doug Bierton, Sie bieten auf ihrer Homepage »Classic Football Shirts« Unmengen von Fußball-Trikots an. Gibt es weltweit eine größere Sammlung?

Doug Bierton: Wir haben insgesamt mehr als 100.000 Trikots, Hosen und Trainingsjacken aus allen möglichen Ländern in unserem Shop – alles Originalware. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es irgendwo auf der Welt einen Anbieter gibt, der da mithalten kann.



Wie kamen Sie auf die Idee, sich all das anzuschaffen?

Doug Bierton: Ich war schon immer an Fußball-Trikots interessiert. Wir haben 2006 zunächst mit englischen Trikots angefangen, die wir auf unserer Homepage angeboten haben. Es stellte sich aber bald heraus, dass die Leute gerne ausgefallene Shirts aus der ganzen Welt tragen. Also haben wir angefangen, alles zu kaufen, was wir auftreiben konnten.

Woher haben Sie die ganzen Leibchen bekommen?

Doug Bierton: Wir haben gute Quellen und uns einen Großteil selbst zusammen gesucht. Es gibt aber auch immer wieder Leute, die auf unsere Homepage stoßen und uns dann Trikots aus ihrem Privatbesitz anbieten. Das nehmen wir dann gerne an.

Woher weiß man, welchen Wert ein bestimmtes Trikot hat?

Doug Bierton: Das ist nicht ganz einfach. Letztendlich bestimmt aber die Nachfrage das Angebot. Ein sehr seltenes Trikot wollen wir natürlich nicht für einen Appel und ein Ei hergeben. Dann bleibt es mal etwas länger im Angebot. Wenn sich dann immer noch kein Käufer gefunden hat, gehen wir mit dem Preis eben runter.

Sie verkaufen nur Originale. Es sind aber unzählige Fälschungen im Umlauf. Wie kann man die erkennen?

Doug Bierton: Die kleinen Details sind entscheidend. Viele nachgemachte Trikots kann man ziemlich offensichtlich an Stoff, Stickereien oder Schildchen erkennen. Es gibt heute aber Shirts, die sehr nahe an die Originale rankommen. Mittlerweile haben wir ein gutes Auge dafür, so dass wir garantieren können, nur offizielle Produkte anzubieten.

Sie bieten sogar Trikots an, die damals von den Profis beim Spiel getragen wurden. Wie können Sie sich da sicher sein?

Doug Bierton: Diese Trikots haben andere Merkmale. Bei den englischen Shirts der achtziger Jahre sind die Schildchen mit dem Fabriklogo zum Beispiel ganz anders als bei denen, die man im Laden kaufen konnte. Oft unterscheiden sich auch das Material und der Stil der Rückennummern. Manchmal bekommen wir diese Trikots auch von Verwandten oder Bekannten der Spieler.

Welches ist Ihr teuerster Schatz?

Doug Bierton: Grundsätzlich sind die von den Spielern getragenen Shirts am teuersten. Es gibt einige Trikots, für die regelmäßig viel Geld gezahlt wird, zum Beispiel für die Nationaltrikots von Deutschland 1990 oder Brasilien 1994. Am meisten legen die Kunden aber für das holländische Nationaltrikot von 1988 auf den Tisch.

Also immer dann, wenn Titel gewonnen wurden.

Doug Bierton: Das steigert den Wert extrem. Wer will schon hunderte von Pfund für ein Trikot einer Abstiegssaison ausgeben?

Haben Sie sich auf der Suche nach einem Trikot schon mal die Zähne ausgebissen?

Doug Bierton: Das Trikot von Barcelona von 1992, als sie den letzten Europapokal der Landesmeister gewannen, ist nahezu unmöglich zu bekommen. Wir haben in den letzten fünf Jahren gerade mal eins oder zwei davon auftreiben können.

Sie haben in ihrer Kollektion auch viele deutsche Vertreter. Neben den Modesünden von Bayer Uerdingen und dem Karlsruher SC sind da unter anderem Trikots von Vereinen wie dem VfL Brackenheim aus der Landesliga zu finden. Wer kauft so was?

Doug Bierton: Die Leute sind immer wieder auf der Suche nach skurrilen Sachen und wir organisieren das dann für sie. Gerade aus Deutschland und Skandinavien haben wir einige abgefahrene Trikots gekauft. Das gehört einfach dazu und macht uns zu dem, was wir sind.

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Das Trikot von Holland 1988, ein 94er Nationaltrikot von Martin Wagner oder ein Matchworn-Shirt von Lothar Matthäus findet ihr auf www.classicfootballshirts.co.uk.






Barcelona gewann 1992 als letzte Mannschaft den Cup der Landesmeister. Das Trikot dazu aufzutreiben ist nahezu unmöglich, sagt der Manager von »Classic Football Shirts«. Ob es an der gewagten Farbkomposition mit der Hose liegt?


Fotostrecke

  • Barcelona gewann 1992 als letzte Mannschaft den Cup der Landesmeister. Das Trikot dazu aufzutreiben ist nahezu unmöglich, sagt der Manager von »Classic Football Shirts«. Ob es an der gewagten Farbkomposition mit der Hose liegt?
  • Titel erhöhen die Preise der Leibchen. Weil es in Holland noch nicht allzu viele Titel gab, ist das Trikot der Europameister von 1988 am begehrtesten. Auch Helmut Kohl scheint an dem schicken Orange gefallen gefunden zu haben.
  • Verblüffend ähnlich: Deutschlands Auswärtstrikot in der gleichen Ära. Gibt es für 649 Pfund (749 Euro) zu erwerben, getragen von einem gewissen Martin Wagner bei einem U-21 Länderspiel im Jahre 1989.
  • Überhaupt Martin Wagner: Der britische Anbieter scheint ein großer Fan des ehemaligen Nationalspielers zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass das teuerste Shirt ausgerechnet ein von Wagner getragenes Trikot ist. Immerhin von der WM 1994. Über den Preis von 849 Pfund (980 Euro) kann man da hinwegsehen.
  • Auf Platz zwei: Liverpool 2005, getragen von John Arne Riise. Kostenpunkt: 799 Pfund (922 Euro).
  • Den selben Preis muss man für ein Trikot der polnischen Nationalmannschaft zahlen, getragen bei Olympia 1972 in München.


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Kommentare

  • User
  • 28.05.2011 12:09:09 Capocannoniere

    "Ob es an der gewagten Farbkomposition mit der Hose liegt?"

    Überhaupt sind die Ersatz- und Auswärtsgarnituren Barcelonas - orange, türkis, himmelblau, grau, gold, creme - von erlesener Geschmacklosigkeit. Deswegen haben sie dem Abpfiff des Wembleyer Finales die müllabfuhrfarbenen Jerseys abgelegt und sind zur Pokalübergabe in Blaugrana erschienen.

    "Flutlicht-Trikots" waren in den 90ern eigentlich schon aus der Mode, aber Barca hat durch die gesamten 90er hindurch immer wieder welche getragen. Ausnahmen 1997/98 und der Jubiläums-Dress von 1999/2000.

    Von den holländischen Trikots gefiel mir das von 1998 am besten. Das war "Brilliant Orange".

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