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26.12.2011

Best of 2011: Fußballlegende Sócrates über das schöne Spiel

»Müller ist ein Brasilianer!«

Interview: Kristian Sommer  Bild: Imago

Sein Name steht für all die Schönheit, all die Eleganz des brasilianischen Fußballs: Sócrates! Mit ihm sprachen wir einst über den Glanz des FC Barcelona, die Qual der WM 1994 und einen Brasilianer namens Thomas Müller.

Best of 2011: Fußballlegende Sócrates über das schöne Spiel - »Müller ist ein Brasilianer!«


Sócrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira, geboren am 19. Februar 1954 in Belém, begann seine Karriere für Botafogo, seine größte Zeit hatte er allerdings bei den Corinthians aus Sao Paulo (297 Spiele, 172 Tore). Der 1,92 Meter große Mittelfeldspieler galt als begnadeter Techniker, legendär sind seine mit der Hacke gespielten Pässe. Von einem ehemaligen deutschen Nationalspieler stamm das Zitat, Sócrates könne besser mit seiner Hacke spielen, als die Deutschen mit dem Vorderfuß. 1984 versuchte sich Sócrates beim AC Florenz, kehrte allerdings nach nur einem Jahr zurück und beendete seine Karriere bei Flamengo Rio de Janeiro und dem FC Santos. Sócrates, wegen seines Doktors in Medizin gerne auch Dr. Sócrates genannt, demonstrierte bereits als aktiver Spieler gegen die brasilianische Militärdiktatur. Er starb am 4. Dezember 2011. Dieses Interview ist eines seiner letzten gewesen. Wir führten es im August 2011.




Sócrates, Ihr Heimatland Brasilien stand ebenfalls viele Jahre lang für den schönen Fußball. Seit der Weltmeisterschaft 2006 befindet sich die Mannschaft in einer Krise. Wie konnte es dazu kommen?

Sócrates: Brasilien ist doch schon seit langem keine Macht mehr. Die Spielfreude, das Besondere, das, was uns immer außergewöhnlich gemacht hat, ist seit den neunziger Jahren einfach verschwunden.

Sie denken an die Weltmeisterschaft 1994, als Brasilien mit recht einfallslosen Fußball Weltmeister wurde.

Sócrates: Ganz richtig. Die WM 1994 war doch eine echte Qual, finden Sie nicht auch? Mit taten die Augen weh, wenn ich mir die Spiele meines Landes anschaute. Grausam.

Trotzdem gewann Brasilien den Titel!

Sócrates: Was bedeuten schon Titel? Gar nichts. Gewinnen ist nicht alles. Ich werde ja immer wieder gefragt, ob ich traurig bin, dass wir 1982 nicht Weltmeister wurden (Brasilien schied in der 2. Finalrunde aus, d. Red.).

Und, sind Sie traurig?

Sócrates: Im Gegenteil! Mit unserer Art Fußball zu spielen, konnten wir die Menschen auf der ganzen Welt begeistern. Fragen Sie doch einmal nach, woran sich die Menschen erinnern, wenn Sie an die WM 1982 denken. Sie werden sagen: Brasilien! Kein Mensch spricht doch heute noch von dem Finale zwischen Italien und Deutschland.

Brasiliens Fußball der achtziger Jahre wird bis heute verehrt – was ist so falsch gelaufen, dass sich niemand mehr für Brasiliens Fußball der Gegenwart erwärmen kann?

Sócrates: Viele Spieler, die im Brasilianischen Campeonato (der brasilianischen Liga, d. Red.) aktiv sind, spielen nur noch in der Seleção um sich für Vereine in Europa zu empfehlen. Da fehlt manchen vielleicht das Herzblut. Wo ist die Leidenschaft in den Farben seines Landes die Welt zu begeistern?

Bei der WM 2010 schied Brasilien bereits im Viertelfinale durch eine 1:2-Niederlage gegen Holland aus.

Sócrates: Es war ein Fehler von Nationaltrainer Carlos Dunga, auf Ronaldinho zu verzichten. Das Wohl oder Übel der Mannschaft hing nur von Kaká ab, dabei hatte Ronaldinho mit dem AC Mailand eine gute Saison gespielt. Ronaldinho ist noch immer in der Lage, in einem normalen Fußballspiel für das Besondere zu sorgen.

Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit des aktuellen brasilianischen Nationaltrainers  Mano Menezes?

Sócrates: Menezes gibt zumindest den jungen talentierten Spielern eine Chance. Spieler wie Paulo Herinque Ganso und auch Neymar. Ein Spieler wie Ganso gibt es kein zweites Mal, er bringt die Mannschaft zum Spielen. Auf seine Entwicklung in den kommenden Jahren bin ich sehr gespannt.


weiterlesen [1] [2]





Der größte Fehlschuss seiner Karriere: 1986 scheidet Brasilien nach einem atemberaubenden WM-Viertelfinale gegen Frankreich aus. Im Elfmeterschießen. Auch weil Socrates verschießt.


Fotostrecke

  • Der größte Fehlschuss seiner Karriere: 1986 scheidet Brasilien nach einem atemberaubenden WM-Viertelfinale gegen Frankreich aus. Im Elfmeterschießen. Auch weil Socrates verschießt.
  • Arme Fußballzwerge: Neuseeland (mit Wynton Rufer, nicht im Bild) wird von Brasilien und Socrates bei der WM 1982 mit 4:0 abgefertigt.
  • Mannschaftsfotos für die Ewigkeit (#1).
  • Wilfried Hannes erkundigt sich schüchtern nach dem Lieblingspils von Socrates. Oder macht er sich über diesen vollgespucktes Leibchen lustig?
  • Warm machen auf brasilianisch: Socrates gibt den Ton an, rechts hinten schlendert Zico mit.
  • Ach, schön wäre es gewesen: Socrates im deutschen Trikot der Achtziger. Aber, schnief, es ist nur ein räudiger Trikottausch.


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Kommentare

  • User
  • 27.05.2011 17:04:15 giselher

    Luís Antonio Correa da Costa Muller ist Brasilianer (s.a. selecao 1986).

  • User
  • 27.05.2011 18:08:14 GTEvo

    Welcher deutsche Spieler hat sie besonders begeistert?

    Sócrates: Aber am meisten hat mich Thomas Müller beeindruckt. Dieser Bursche hat sehr viel Dynamik und eine großartige Technik.

    Jetzt weiss ich auch wieso in Brasilien keine Zicos, Ronaldos, Romarios mehr auf Bäumen wachsen!
    Der Socrates nimmt Drogen, Nä?

  • User
  • 27.05.2011 21:57:03 Andreas Blenke

    Ein Held meiner Jugend!

    Liebe 11 Freunde, bittebitte beteiligt Euch doch nicht an dieser peinlichen Zwangsmarotte deutscher Medien jedem ausländischen Gast, Interviewpartner etc. auf plumpste Art und Weise ein Kompliment über Deutschland, seine angenehm neopatriotischen Stimmungsfans oder deutsches Essen, Fußballspiel, öffentliches Verkehrsnetz oder was auch immer aus seinem Höflichkeitsreflex zu fischen. Zuviel Fremdschämen geht nämlich auf die gute Laune.

    Ansonsten gerne mehr vom Dr. Sócrates, danke.

  • User
  • 27.05.2011 23:13:20 Marco Polo

    Blenke, da würde ich dir auf ganzer Linie widersprechen. Deutschland hat verdammt attraktiv gespielt. Das muss man niemand in den Mund legen. Das ist ein Fakt.
    Diese deutsche Mannschafft hat effizienz mit attraktivität verbunden, da muss man sich nicht unter Wert verkaufen.

  • User
  • 27.05.2011 23:18:48 Ganna

    Es scheint so der Unterschied zu sein, zwischen den Brasilianern und den Europäern: lieber schön gespielt, als das Spiel zu gewinnen. Hat beides seine Vorzüge, ist aber noch besser wenn man beides kann. Und von der Sorte gibt's bislang nicht viele!

    Ich erinnere mich allerdings irgendwie viel stärker an die 94er Mannschaft Brasiliens, statt an die Zeiten von Sokrates. Ganz einfach deshalb, weil 94 so grausam unattraktiv war!
    (Ähnlich mit den Italienern 2006: erfolgreich – ja; aber sehen will das keiner!)

  • User
  • 27.05.2011 23:49:07 Andreas Blenke

    Hallo Marco Polo! Ich stimme jeder einzelnen Deiner Aussagen zu, ohne Einschränkung; und ich wollte auch vorhin nichts anderes behaupten.

    Aber ganz besonders wichtig ist mir diese: »Das muss man niemand in den Mund legen.«

    Sehr richtig. Genau das tut man aber, wenn man (anstatt um eine Einschätzung zum Zustand des deutschen Fußballs oder der deutschen Nationalmannschaft oder ihres Auftritts in Südafrika zu bitten) fragt: »Bei der Weltmeisterschaft in Südafrika hat auch die deutsche Mannschaft viele Bewunderer gewonnen. Gehören Sie dazu?« Und »Welcher deutsche Spieler hat sie besonders begeistert?«, deutet ja auch schon (recht plump sogar) an, welche Antwort, man da gerne hätte.

    Dieses fishing for compliments ist dann einfach nur noch peinlich, und gerade damit verkauft man sich (in diesem Falle die Leistung der deutschen Mannschaft) letztlich unter Wert. Außerdem ist es unhöflich gegenüber seinem Gesprächspartner, ihn durch solche Fragen in eine Ecke zu drängeln, aus der er ohne die erpreßte Zustimmung nicht mehr einfach herauskommt.

  • User
  • 28.05.2011 00:26:26 Capocannoniere

    Die 11freunde beteiligen sich nicht nur daran, sondern gehen oft mit schlechtem Beispiel voran, oder ?

    Der Neudeutsche möchte vor allem geliebt werden von der restlichen Welt (deshalb gibt es heute auch keinen Raimund Harmstorff mehr, sondern einen Thomas Kretschmann : y`know, y`know, y`know...)

    ...darin den Engländern nicht unähnlich, die in Fußballforen gern daran erinnern, dáß Pelé ihren Bobby Charlton als seinen "stärksten Gegenspieler" bezeichnet hat und daß der junge Maradona sich seine Frisur bei Kevin Keegan ("his role model") abgeguckt habe; und daß Arrigo Sacchi das Spielsystem seiner Milan-Elf auf englischen (!) Prinzipien errichtet habe usw. usf.

    Im übrigen finde ich, daß Socratesch sich in Schwarzweißmalerei ergeht. In einem Interview, das vor der 2006er WM "Die Welt" mit ihm führte, hat er sich noch differenzierter geäúßert. Offenbar hat der breite Schädel von Jancker (nicht Hrubesch) ihm den Blick auf die Vergangenheit verstellt.

    Wer über einen Funken Sachverstand verfügt, der weiß, daß der Vergleich des 2010er Kaders mit den DFB-Mannschaften, gegen die Socratès gespielt hat, auf beinahe allen Positionen zu Ungunsten der aktuellen Nationalspieler ausfällt.

    Artikel eines Bloggers namens Tim Hill über die Weltmeisterelf von 1990, deren Ruhm durch den Niedergang der späten 90er verdunkelt worden ist.

    Ein ziemlich verbreitetes Phänomen im Fußball, daß Leistungen im Lichte späterer Fehlleistungen relativiert werden, zumindest in der Wahrnehmung des Publikums. Von dem Hohn und der Häme, der nach dem letzten WM-Finale über die niederländische Mannschaft hereinbrach, war nach dem Halbfinale gegen Uruguay nichts zu spüren. Im Gegenteil, manche Experten entblödeten sich nicht, das Endspiel zum Traumfinale des "totalen Fußballs" auszurufen.

  • User
  • 28.05.2011 11:59:31 giselher

    Wer über einen Funken Sachverstand verfügt, der weiß, daß der Vergleich des 2010er Kaders mit den DFB-Mannschaften, gegen die Socratès gespielt hat, auf beinahe allen Positionen zu Ungunsten der aktuellen Nationalspieler ausfällt.

    Dasjamal ne Aussage. Kann mir die jemand erklären? Capocannoniere?

  • User
  • 28.05.2011 12:15:12 Andreas Blenke

    Ach was, die Europameister von '72 würden sowohl die einen als auch die anderen vom Platz fegen und hätten danach noch genug Puste die 82er Brasilianer im Geländelauf zu schlagen. So ist das.

  • User
  • 28.05.2011 12:52:26 GTEvo

    Bis auf die Truppe von 2002(Ausnahme Kahn), waren alle Nationalmannschaften Deutschlands, qualitativ besser, was das individuelle Können und fußballerische Moment betrifft.
    Heute wird dass Spiel-System als fußballerisches Können verklärt und über diesen heuschrecklichen Zeitgeist(Tikitaka) als neu erfundener Wunderfußball vermarktet.
    Das ist doch alles Kokolores.

    Heute werden Fumpen wie Badstuber, Nuttela Toyboys wie Hummels, Hoewedes, durch pornöseste Multimedia Kampagen über Ausnahmefußballer wie Beckenbauer/Katsche/Vogts/Augenthaler/ Die FörsterBrothers,/Kaltz aber auch Fichtel, Rüssmann, Sammer, Ziege, Kohler, Brehme und Co gestellt und als technisch hochversierte, moderne Superabwehrspieler gehypt.

    Dass issn Witz und doch einfach nur Volksverarsche par Excellence.

    Durch den heutigen Taktikwahn, durch systematisches Doping und den "Neuen Medien-Zirkus" wird das reine fußballerische Talent und die Schönheit des Spiels(Dribblings, Hackentricks, Zauberpässe "aus dem Fußgelenk") nicht mehr benötigt und Allerweltsfußballer, Alibikicker mit Regionalliga und Tiefer-Niveau, sind in Bundesligen und neuerdings bei RealMadrid wahllos einsetzbar und austauschbar.
    Ohne Qualitätsverlust und Qualitätssteigerung.

    Dass Jungs mit echtem fußballerischem Potenzial wie Götze, Schürrle, Holtby, Reus, Marin, Özil sich nie auf Anhieb in die erste Elf spielten/spielen, sich immer über einen langjährigen sog. "Entwicklungsprozess" empfehlen und bewähren müssen, ständich Form und Sinneskrisen angedichtet bekommen, von Wegen( der Junge muss noch lernen..und hat noch zuviel Flausen im Kopf, die Laufwege stimmen noch nicht etc..) ist Programm.
    Obwohl diese Talente zusammen erst 100Bundesligaspiele aufn Buckel haben, werden sie aber durch den LadyGaga Medien Wahn schon auf eine Stufe mit Hässler, Scholl, Litti, Bein,(weiter zurück gehe ich erst garnicht) gestellt.
    Fumpen und Alibikicker und Doppelschser(66)wie die Frings, Khediras, Schweinsteigers odda eben sportpolitische Eigengewächsquotienten wie Müller, Badstubers, Hummels und Co sind deshalb immer viel schneller Stammspieler oder das Gerüst der Mannschaft, weil sie entweder beim FußballMonopol FCBayern auf der Gehaltsliste stehen oder garkeine tatsächliche fußballerische Funktion ausüben, sondern ein passives Mosaik darstellen und eben nur zu funktionieren und repräsentieren haben.

    Unsere Bundesliga ist heute ne Mogelpackung.
    Ohne die etlichen Ausländer in LIGA total besitzen wir in Wahrheit nicht mehr Talente als die Operettenligen bei unseren Freunden hinter den 7Bergen.
    Plus dem demographischen Faktor und der exobitant hohen Quote an Migrationshintergründlern in unserer Gesellschaft, dem Sommermärchen und der Globalisierung, werden wir heute(Da hat der AndreasBlenke 100% Recht), aus Arschkriecherreflexerei, als Benchmark für modernen Fußball3000 glorifiziert, obwohl netto seit Jahrzehneten nix mehr vorzuweisen haben.
    Unser dekadente Stellenwert ohne Titel ohne Erfolge auf Verbands und Landesebene ist medial so groß als wären wir 3facher Welt und 4facher Europameister seit 2000.
    Und genau hierdran sind die korrupten Fifa-Machenschaften um verschobene Spiele und Wettskandale zu erkennen.

    Fußball ist nicht Alles

    TheoZwanziger

  • User
  • 28.05.2011 15:11:21 giselher

    Wow. Dasjamal ein "Holger". In Höchstform.

    (Mannmannmann)

  • User
  • 28.05.2011 15:39:18 Marco Polo

    Wer über einen Funken Sachverstand verfügt, der weiß, daß der Vergleich des 2010er Kaders mit den DFB-Mannschaften, gegen die Socratès gespielt hat, auf beinahe allen Positionen zu Ungunsten der aktuellen Nationalspieler ausfällt.

    Sag mal Capo, hast du noch nicht mitbekommen, dass Fußball ein mannschafftssport ist, und wenn man sagt eine Mannschafft X sei besser als eine Mannschafft Y es nicht gleichbedeutend mit der AUssage ist, die SPieler von X sind alle besser als die von Y. Wäre das so, hätte Dortmund nicht die beste Mannschafft der Bundesliga. Es kommt darauf an, wie die 11 Spieler auf dem Platz zusammen funktionieren. Hättest du die Ausgabe "Wie gut war Netzer wirklich?" gelesen und mit deinem beschworenen Sachverstand interpretiert, wüsstest du, dass die N11von 2010 besser war, als diejenigen gegen die Socrates gespielt hat.


    Und eines muss man dann doch sagen: 2010 haben sich wenigstens alle zammgerissen und das beste rausgeholt was sie aus sich rausholen konnten und damit auch das bestmögliche erreicht. 82 haben die faulen Säcke sich gehen lassen und das schlechtestmögliche erreicht was sie mit ihrer Qualität erreichen konnten: VIzeweltmeister. Was bringt es mir, wenn eine Mannschafft individuelle besser ist, aber erstens zu faul ist das umzusetzen und zweitens im kollektiv schlechter?

  • User
  • 28.05.2011 16:01:24 Marco Polo

    Um auf das Thema des Interviews zurückzukommen: So toll sind nicht und waren es auch nie. Wenn ich mir das gepostete Video anschaue, dann Frage ich mich ob das SPiele einer Weltmeisterschafft oder der Bezirksoberliga Oberbayern sind. Die Verteidigung steht ja dermaßen schlecht, dass sich Räume ergeben in denen ein A380 landen könnte. Kein Wunder, dass Brasilien da zaubern konnte; waren auch Mannschafften aus Schottland, Neuseeland und der UdSSR. Kaum hatten sie einen Gegner der anständig Fußball spielen konnte sind sie 2:3 geschlagen worden. 86 der selbe Käse: Gegen Nordirland und Polen zu glänzen ist jetzt nicht die große Kunst. Gegen Frankreich rausfliegen kann nicht bedeuten, die beste Mannschafft auf diesem Planeten zu sein.

    Mich nervt schon seit ich 7 Jahre alt war, dass der Brasilianische Fußball immer so aufgeblasen wird. Im Fußball kommt es nicht darauf an die meisten Hackentricks zu machen, sondern Tore zu schießen. Das ist Fußball und keine Salsaveranstaltung. Deswegen war Deutschland 82 und 86 jeweils im Finale und Brasilien nicht. So einfach ist das.
    Und weil am Ende nicht die 11 virtuosesten Ballkünstler sondern die besser spielende Mannschafft gewinnt, wird Brasilien 2014 wieder nicht Weltmeister werden. Da hilft ihnen ne Heim-WM auch nicht weiter. Hinzu kommt die Tatsache, dass der brasilianische Nachwuchs auch nur mit sehr lauwarmen Wasser aufgekocht wird. Straßenkinderausbildung mag die Fördeprogramme der Bundesligaclubs in den 80ern und 90ern ausgestochen haben, aber mit den modernen Leistungszentren und Fußballschulen können die Straßen von Rio, Sao Paulo, Porto Alegre usw. nunmal nicht mithalten. Dort lernt man vielleicht den Übersteiger, und andere feine Techniktricks. Aber taktisches Verständnis und eine richtige Physis eben nicht. Organisation ist alles, und Organisation wird auch immer über Virtuosität obsiegen. Da kann sich ein Socrates auf den Kopf stellen. Das 4:0 von Deutschland über Argentinien war ein sehr schönes Beispiel dafür. Auch das 2:1 von den Niederlanden. Da hat sich eine Mannschafft die individuell und technisch besser gepsielt hat selbst besiegt, weil sie meinte, das verteidigen nicht notwendige ist und Fußball nur 70 Minuten dauert.

    "Untrainierter Mut ist nutzlos angesichts trainierter Kugeln." Georg S. Patton

  • User
  • 28.05.2011 21:38:48 GTEvo

    Heute 15:11:21 von giselher
    Wow. Dasjamal ein "Holger". In Höchstform.

    (Mannmannmann)


    Tach Gisela...
    Man tut watt man kann...

    Emotionaler User
    Holger

  • User
  • 29.05.2011 00:36:34 Ganna

    Vor kurzem äußerte sich doch mal jemand hier dahingehend, dass man das der schlechten Taktik von Häuptling ondulierte Silberlocke zuzuschreiben habe, dass das Finale gegen Italien verloren wurde (war das Manfred Kaltz?). Man redete auch noch lange vom Spiel Deutschland gegen Frankreich. Ich kann mich wegen der Bedeutungslosigkeit nicht mehr an die Spiele von Brasilien erinnern. Ich weiß nur noch, dass es etwas knapp war.

    Da kann man sich bei YouTube anschauen, welcherart Tore die Brasilianer damals gemacht haben. Halt mal drauf gezimmert und drin das Ding: Welch eine Wahnsinnsleistung…
    Klaus Fischer hat einen Fallrückzieher gemacht. Aber dafür hätte sich Sócrates ja hinfallen lassen müssen–
    Sócrates ist wohl nur einer dieser erbärmlichen, selbstverliebten und eitlen Versager, die keinen Arsch in der Hose haben, um zuzugeben, dass sie es halt nicht geschafft haben, mit ihrer eigenen Angeberei mithalten zu können.

  • User
  • 15.06.2011 16:47:47 Capocannoniere

    "Dasjamal ne Aussage. Kann mir die jemand erklären? Capocannoniere?"

    Also: Socratés hat dreimal gegen (West-) Deutschland gespielt, einmal bei der sog. Mini-WM in Uruguay Ende 1980, und zweimal bei Vorbereitungsspielen in Stuttgart (1981) und Sao Paulo (1982), und dreimal gewonnen (4-1, 2-1, 1-0).

    Das waren ziemlich exakt die Spiele, die die DFB-Auswahl zwischen den WM-Turnieren verloren hat - gegen Brasilien, die damals spielstärkste Mannschaft der Welt. Und ob die Uru-Mini-WM (zum so-und sovielten Jahrestag der Unabhängigkeit) nicht bloß fauler Zauber war, steht dahin.

    Kein Bundestrainer hat seither wieder so aus dem Vollen schöpfen können wie Derwall: Wenn alle gesund waren, konnte er eine Mannschaft aufs Feld schicken, in der Schuhmacher, Kaltz, Stielike, Hansi Müller, Schuster, Magath, Littbarski, Rummenigge und Allofs standen. Nach Gijon, Schuhmachers Foul und der Finalklatsche gegen Italien war die Katerstimmung so groß, weil man vorher so zuversichtlich gewesen war, unter Vermehrung des deutschen Fußballruhms das Turnier gewinnen zu können.

    "Mit schönen Offensivspielen dem Fußball neue Impulse geben" (Derwall)

    Der von Derwall unseligerweise zurückgeholte Breitner glänzte mit Äußerungen wie

    "Na, klar wer`n mir Weltmeister, wer denn sonst ?" (BILD-Schlagzeile)

    Das waren neue Töne damals - undenkbar unter Herberger und Schön, die belächelt wurden, wenn sie betonten, wie schwer der nächste Gegner sei.

    "(...) waren auch Mannschafften aus Schottland, Neuseeland und der UdSSR. Kaum hatten sie einen Gegner der anständig Fußball spielen konnte sind sie 2:3 geschlagen worden. 86 der selbe Käse: Gegen Nordirland und Polen zu glänzen ist jetzt nicht die große Kunst. Gegen Frankreich rausfliegen kann nicht bedeuten, die beste Mannschafft auf diesem Planeten zu sein"

    Nein - so nicht. Den Erinnerungslücken von Onkel Dr. Socratésch keine eigenen entgegensetzen. Die UdSSR war eine gute Mannschaft, nur eben nicht das, was man eine "Turniermannschaft" nennt (ebenso Spanien, der erste Gruppengegner der Brasilianer in Mexico). Lücken in der gegnerischen Abwehr waren kein Privileg der Brasilianer. Nordirland und Schottland (mit Dalglish, Archibald, Strachan) waren mindestens unangenehme Gegner. 1982 hatte Brasilien eher ein Sturm- als ein Abwehrproblem (einen 2 m langen Grobmotoriker namens Serginho, der keine Scheune getroffen hätte, wenn er mitten drinstand. Careca, der "Etatmäßige", hatte sich kurz vor der WM verletzt).

    1986 ist Brasilien mit einem einzigen Gegentor aus dem Turnier geflogen.

  • User
  • 15.06.2011 21:18:32 AntiMöller

    Der von Derwall unseligerweise zurückgeholte Breitner...

    ...schwang sich zum besten deutschen Spieler des Turniers auf, nicht war?

  • User
  • 17.06.2011 15:46:17 Atatenango

    Socrates war glaub ich mein 1. Fußballidol. Als 1970 Geborener hab ich zwar ganz dunkle Erinnerungen an die WM 1978 und an die EM 1980 (ich war damals in England im Urlaub und kann mich noch sehr gut an den englischen Reporter erinnern, der immer "German Ungeheuer" gesagt hat) und deshalb war ich dann natürlich auch ne zeitlang von Hrubesch begeistert. Aber den 1. Spieler, den ich mit einer solchen Grazie und Souveranität wahrgenommen hab war Socrates. Mit ausgestreckter Brust, immer den Kopf hoch und den Blick für den besser platzierten Mitspieler, von den Pässen mit der Hacke mal abgesehen...wahnsinnig gut! Schön, dass den mal wieder einer "rausgekramt" hat.

  • User
  • 17.06.2011 15:53:45 Atatenango

    warum is'n das jetzt alles kursiv?

  • User
  • 17.06.2011 22:53:01 Andreas Blenke

    Jedesmal, wenn der Beginn des Artikels über der Forumsseite in einer kursiven Schrift endet, werden die folgenden Einträge kursiv angezeigt. Zur normalen Darstellung auf den Titel klicken (vom Forums- ins Artikellayout wechseln) — dann wird alles korrekt dargestellt.

    Es handelt sich um einen Fehler im HTML-Code.

  • User
  • 18.06.2011 00:42:56 Capocannoniere

    Socratès war auch sonst anders, als die meisten Fußballprofis.

  • User
  • 18.06.2011 00:45:12 Capocannoniere

    Buzzluck`s Socratès Show

    Aus einer TV-Sendung. Sehr informativ.

  • User
  • 21.06.2011 13:36:38 Statistikfreund

    17.06.2011 15:46:17 Atatenango und 18.06.2011 00:45:12 Capocannoniere:

    Ich pflichte bei: Socratès war und ist eine unkapputbare Legende, auf und neben dem Platz.

    Dazu: Wenn er sagt, dass Müller eigentlich Brasilianer sei, schwindelt er zwar, adelt Müller aber dennoch. Mir gefällt dieser Müller auch, aber ich bin nicht Socratès.

  • User
  • 21.06.2011 14:14:40 gelsenkirchen

    wow, müller hat ja sogar noch bis 2004 gespielt. wusste ich gar nicht.
    wo ist eigentlich mein stuhl mit den ganzen doppelten 86er-panini-bildchen drauf....

  • User
  • 21.06.2011 14:15:23 gelsenkirchen

    also mein stuhl aus holz von einer ganz alten esszimmergarnitur... nich dass hier wieder an falsche dinge gedacht wird.

  • User
  • 21.06.2011 15:03:18 Statistikfreund

    Heute 14:14:40 von gelsenkirchen
    wow, müller hat ja sogar noch bis 2004 gespielt.


    Ja, offiziell bei Ipatinga Futebol Clube mit dem er in seiner einzigen Saison für sie 2004 die Campeão da Taça Minas Gerais als Zuschauer holte und bei Heimspielen im legendären 30000er Estádio Municipal Epaminondas Mendes Brito ( alte Bilder, neue Bilder) in der Serie C aufgespielt hätte: doch dazu kam es nicht, er machte 0 Saisonligaspiele.

    Sein letztes Spiel bestritt der 94er Weltmeister (bei dieser WM: 1 Spiel) und 56fache brasilianische Altinternationale (12 Treffer) 2004 in der Serie B für Associação Portuguesa de Desportos im Estádio do Canindé bzw. Estádio Osvaldo Teixeira Duarte, wo an ausverkauften Tagen rund 20.000 Zuseher ihre Plätze einnehmen und momentan auch Palmeiras kickt, bis das abgerissene Estádio Palestra Italia an gleicher Stelle durch die Arena Palestra Italia ersetzt ist.

    Herr gelsenkirchen, jüngeren Usern solltest Du aber vielleicht noch verraten, dass Luís Antônio Corrêa da Costa, genannt Müller, von Dir gemeint ist, während Herr Socratès und meine Wenigkeit von Thomas Müller sprachen.

  • User
  • 21.06.2011 15:34:47 gelsenkirchen

    von portuguesa sao paolo bekam ich unlängst ein trikot geschenkt!

    woran ich mich bei ihm noch erinnere: auf dem trikot stand immer MULLER.

  • User
  • 28.06.2011 00:22:56 Capocannoniere

    "Sag mal Capo, hast du noch nicht mitbekommen, dass Fußball ein mannschafftssport ist"

    Das lese ich erst jetzt.

    AAAAYYYY !!!

    Nicht diese forigen Tonfall ("Wohl noch nie was von xy gehört ?")

    Man läßt ungern etwas auf seine Jugend kommen, welche in meinem Falle eine war, in dem die Nationalelf tatsächlich noch ein beinahe mythisches Ansehen genoß. Entsprechend tief war der Fall nach Gijon etc., der katastrophale Ansehensverlust wirkte sich sogar auf die Zuschauerzahlen der Bundesliga aus. Nachrichtensendungen von vor 20 oder mehr Jahren, wie das ARD sie gerne wiederholt, zeigen in den Sportberichten Bundesligaspiele, die vor halbgefüllten Rängen stattfinden.

    Aber in den Jahren vor `82 war von der Entfremdung zwischen Profis und Fans noch nichts zu spüren, und auch nichts davon, daß der deutsche Fußball um die Mitte des Jahrzehnts taktisch und spielerisch den Anschluß an die Weltspitze verpaßt haben würde.

    Zurückwünschen kann man sich vielleicht die goldenen 70er, die Bayern-Gladbach-Duelle etc., die Erfolge der Nationalelf unter Schön. Bundesliga und Nationalelf über die Dauer des Jahrzehnts betrachtet, waren die 80er die trostloseste Ära des deutschen Fußballs, auch wenn man das erst später gemerkt hat.

  • User
  • 01.09.2011 01:37:24 Capocannoniere

    Nostalgiker wie Sòcrates vermissen den Individualismus, wie ihn die tragische Selecao von 1982 verkörpert haben soll.

    Ich denke, der Unterschied zwischen dem modernen Spitzenfußball, dessen Traditionsstränge über Barcelona und Mailand ins Holland der 70er Jahre führen, und den klassischen brasilianischen Teams liegt darin, daß Letztere eher Ansammlungen von Ausnahmespielern mit vergleichsweise niedrigem Organisationsgrad waren (eine in Brasilien verbreitete Sichtweise, die alle Züge eines romantischen Geniekultes trägt, besagt, daß Fußball eine Frage des Talents und der Inspiration sei; daß man das Fußballspielen nicht erlernen könne; und daß Organisation jede Kreativität und Spontaneität abtöte).


    Die moderne Spitzenmannschaft gleicht einer Maschine, die Individualität ist ins Kollektiv eingeschmolzen, beim Pressing z.B. macht es keinen Unterschied, ob einer Messi ist oder ein anderer Spieler.

    Hier ist wohl auch der Grund für den Abstieg Ronaldinhos zu suchen, des einzigen Spielers, der im System Rijkaard vollkommene künstlerische Freiheit genoß, man könnte auch sagen: dessen Zuständigkeit endete, sobald der Gegner den Ball hatte. In ein System eingebunden, in dem auch er am Maßstab der work rate gemessen wurde, konnte er sich nicht regenerieren, sein Typ ist von der Entwicklung im Spitzenfußball überholt worden.

    Abgesehen davon, daß ihm der Antrieb fehlt, scheint er auch, einseitiger als jeder andere bekannte Fußballer, körperlich auf die kreative, spielerische Seite des Sports festgelegt. Schwer vorstellbar, daß der langsamer gewordene Ronaldinho sich z.B. als tiefliegender Spielmacher nach der Art Guardiolas oder Xavis neuerfände. Mag er auch noch immer so gut passen können wie Xavi, so fehlen ihm doch die Robustheit und Zweikampfstärke, um auf dieser Position bestehen zu können. Nach allem, was man hört, hat Ronaldinho auch im langsamen und dem körperlosen Spiel zugeneigten Clubfußball Brasiliens seine alte Form nicht wiedergefunden.

    Was Nostalgiker wie Sòcrates nicht wahrhaben wollen: Daß die Inanspruchnahme jedes Spielers für die Erfordernisse des Kollektivs das Fundament ist, das vorhanden sein muß, ehe an so etwas wie eine "Filosofie" überhaupt gedacht werden kann; und daß darum Guardiolas Barca nicht weniger weit von den klassischen brasilianischen Mannschaften entfernt ist, als der von Sòcrates mit Spott bedachte FC Chelsea (der Trainingsalltag bei Barca ist kein Zusammentreffen wohlgelaunter Individualisten, sondern ein Drill, der sogar einen Weltklassespieler und alten Hasen wie Henry überforderte).

    Der hohe Grad von Organisation im heutigen Fußball ermöglicht die kreativen und taktischen Leistungen von Spitzenteams ebenso, wie er Mannschaften, die an Talent und Potential unterlegen sind, in den Stand versetzt, eine Minimalchance zu wahren (z.B. Rehhagels Griechen bei der EURO 2004). An dem Grad taktischer Organisation gemessen, der in den europäischen Spitzenligen erreicht ist, war die Selecao von 1982 eine Ansammlung großartiger Individualisten, die sich auf die spontanen Eingebungen ihres fußballerischen Genius verließen (und deren Trainer davon überzeugt war, der Kreativität seiner Spieler keine Fesseln anlegen zu sollen). Daß sie erst Fußballgeschichte schrieben, dann der diszipliniertesten und am besten organisierten Mannschaft des Turniers unterlagen, war von unzweideutiger Symbolkraft.

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  • 01.09.2011 13:11:49 rumpler

    Nein, Müller ist zum Glück kein Brasilunke.

  • User
  • 01.09.2011 13:47:28 einrudithömmes

    Find ich schlüssig, die Erklärung, capo. In diesem und jenem Zusammenhang die Tage noch mal die roten Brasilianer in der Mai (?) Ausgabe zwischen die Finger bekommen.

    Da steht, dass das wirklich neue (bzw. alte und jetzt endlich erfolgreiche) ja alles von den Holländern kommt. Von Rexach und Cruyff (oder Cruyff und Rexach) in die Wiege gelegt, kurz durch Lattek, Mennotti und Venables zurückgestellt und durch Cruyff (ha!) nahezu endgültig zementiert. So eine Art Pralleluniversum muss das in Europa gewesen sein, wenn keiner an den brasilianischen Ball ran gegangen ist so lange. Und heute auch nicht geht. Man macht wieder was eigenes.

    Gibt es etwa eine Wiederkehr der "landestypischen" Stile in den Nationalmannschaften (implizit meine ich damit übrigens, dass das im Vereinsfußball bis auf weiteres nicht mehr der Fall sein wird, von... Ausnahmen... einer Ausnahme... abgesehen)? Ich bin schon ganz aufgekratzt wenn ich an die nächste EM denke! Verspreche ich mir voll viel davon.

  • User
  • 01.09.2011 15:52:10 rumpler

    Fragen Sie doch einmal nach, woran sich die Menschen erinnern, wenn Sie an die WM 1982 denken. Sie werden sagen: Brasilien! Kein Mensch spricht doch heute noch von dem Finale zwischen Italien und Deutschland.

    Lachhaft, das Gegenteil ist der Fall.

  • User
  • 01.09.2011 15:54:40 saloth sar

    Fragen Sie doch einmal nach, woran sich die Menschen erinnern, wenn Sie an die WM 1982 denken.

    toni schumacher, viel mehr is nicht hängen geblieben

  • User
  • 02.09.2011 00:04:59 Capocannoniere

    Gibt es etwa eine Wiederkehr der "landestypischen" Stile in den Nationalmannschaften ?

    Die deutsche Mannschaft hat seit 2004 weit hinter/unter sich gelassen, was man vordem für "deutschen Fußball" hielt (was aber eigentlich nur eine Schwundstufe war). Soweit die letzten Länderspiele eine Einschätzung erlauben, versuchen die Italiener nach ihrer WM-Blamage ebenfalls, von dem erstarrten defensivtaktischen Fußball wegzukommen - offenbar haben sie sich (wie schon einmal, bei dem Neuaufbau nach der WM `86 unter Vicini) attraktiven Offensivfußball als Antidepressivum verordnet.

    Bei der Geringschätzung und Herablassung, mit der die Engländer dem Kontinent sonst gegenüberstehen, kann man die Tatsache, daß die englische Nationalmannschaft binnen der letzten 12 Jahre zweimal über längere Perioden von Ausländern trainiert wurde, auch nicht anders deuten, denn als Versuch, die Internationalisierung, von welcher der englische Ligafußball profitiert hat, auch bei der Auswahlmannschaft zu nutzen. Ohne Not haben die Engländer die Leitung ihrer Nationalmannschaft nicht aus der Hand gegeben.

    Im Clubfußball gibt es in der Tat das Phänomen, das man "post-Bosman`sche Konvergenz" nennen könnte, und das erst heute, 15 Jahre nach dem schicksalhaften Urteil, seine volle Tragweite offenbart. So etwas wie nationale Eigenart konnte sich im Fußball nur so lange behaupten, wie die Mannschaften nicht so kosmopolitisch zusammengesetzt waren wie heute. Wenigstens bei den führenden Fußballnationen dürfte die Ausbildung und Förderung von jungen Talenten weitgehend dieselbe sein. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich Spieler wie Wilshere, Kroos oder Götze als Produkte der spanischen Talentförderung vorzustellen. Einzig darin, wie sie ihre Talente in jungem Alter zu Spitzenfußballern weiterentwickeln, unterscheiden sich die spanischen Clubs noch von denen in anderen Ländern. Darin liegt die eigentliche Leistung, denn ihre jungen Spieler kochen auch nur mit Wasser. Beispiel: Busquets. Als er kam, konnte keiner verstehen, warum Touré ihm weichen und in der Abwehr spielen mußte. Ein Jahr später war "crappy Busquets" als einer der besten defensiven Mittelfeldspieler der Welt anerkannt.

  • User
  • 02.09.2011 01:01:31 AntiMöller

    Ich sag`s direkt: Toni Schumacher. Mehr ist -außer Maradona- nicht hängengeblieben.

  • User
  • 02.09.2011 08:14:49 Hotte80

    '82 war meine erste bewusst erlebte wm und da ist eine ganze menge hängengeblieben: walter eschweiler und sein zahn, ungarns wm-rekordsieg, der aufstand der kuwaitis gegen frankreich, das famose und so tragisch gescheiterte team aus honduras, der blutjunge Norman Whiteside, der schottische schlacks Steve Archibald, Thomas N’Kono, Kameruns grossartiger torwart, der abgang des Diego Maradona, gijon natürlich, das halbfinale gegen frankreich in seiner gesamtheit (nicht nur toni und der wimmernde Stielike), wie das für die liveübertragung zuständinge spanische tv im letzten zwischenrundenspiel der deutschen gruppe spanien - england schon nach 5 minuten erstmals die bereits absolvierte spielzeit einblendete, und das so ziemlich alle fünf minuten wiederholte (was damals unüblich war, von einer permanten zeitanzeige ganz zu schweigen) usw. usf. etc. pp.

  • User
  • 02.09.2011 08:23:14 AntiMöller

    Wie hieß denn der damals omnipresente Zeitnehmer-Sponsor? Festina war`s damals noch nicht. Casio? Neee.

    Was ist wohl aus Whiteside geworden? Ob er immer noch 17 ist?

    Danke für den Dia-Abend, Hotte!

  • User
  • 02.09.2011 08:24:51 einrudithömmes

    Breitners Anschlusstreffer.

    Ich war 7 und dachte, da geht noch was.

  • User
  • 02.09.2011 08:29:06 AntiMöller

    Citizen, Anti?

    Klingelt nichts bei mir, auch wenn das in diesen Zeiten nichts zu bedeuten hat. (Ich habe noch eine Armbanduhr von Citizen. End-70er Design! Kaufe wolle?)



    Natürlich das WM-Finale im Kreise meiner extatisch jubelnden Lieben in Milano. Und meine nach innen geschrieene Frage: WO IST RUMMENIGGE??!

  • User
  • 02.09.2011 08:30:59 AntiMöller

    WO IST RUMMENIGGE??!

    ...schlief sanft in den Armen des 18-jährigen Bergomi....

  • User
  • 02.09.2011 08:58:56 AntiMöller

    Nein, von Behle glaube ich. Aber in mich reingeschluchzt hatte ich diese Frage ganz von alleine.

  • User
  • 02.09.2011 09:34:29 giselher

    Nein, von Behle glaube ich.

    Moravetz. Von Bruno Moravetz kommt die Frage.

  • User
  • 02.09.2011 09:50:54 AntiMöller

    Fein Giselfrau, kriegst ne Biene in`s Heftchen. *tätschel* ;-)

  • User
  • 02.09.2011 12:34:05 Capocannoniere

    ...schlief sanft in den Armen des 18-jährigen Bergomi....

    Ach, Kalle, wärst du doch nach dem Algerienspiel nach Hause gefahren ! Für diese am übelsten beleumdete DFB-Mannschaft aller Zeiten hätte er seine Karriere (= die Möglichkeit, noch 4-5 Jahre auf Weltklasse-Niveau zu spielen) nicht drangeben sollen - wahrlich nicht.

    Aber die WM in Spanien war schon eine der besseren, besser als die beiden vorangegangenen und spielend besser als 90, 94 und 10.

  • User
  • 02.09.2011 12:41:36 AntiMöller

    Ich -als glühender K.-H. Rummenigge-Anhänger seinerzeit- fand 82 und 86 eh kagge, weil...eben, ne?

  • User
  • 23.04.2012 03:29:45 yhh

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