Die Geschichte der Fußballfans

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22.05.2011

Ist »Financial Fairplay« gerecht, Stefan Szymanski?

»Betrüger werden belohnt«

Interview: Thorsten Schaar  Bild: Rogan Macdonald

Stefan Szymanski, englischer Wirtschaftexperte, kritisiert die UEFA. Statt um Gerechtigkeit gehe es beium neuen »Financial Fairplay« darum, die Premier League anzugreifen. Für die aktuelle Ausgabe von 11FREUNDE sprachen wir mit ihm.

Ist »Financial Fairplay« gerecht, Stefan Szymanski? - »Betrüger werden belohnt«


Stefan Szymanski, ab der Saison 2014/15 dürfen nur noch die Klubs international spielen, die nicht mehr ausgeben als einnehmen. Was bezweckt die UEFA mit der Neuregelung?

Stefan Szymanski: Sich für die Champions League zu qualifizieren, ist eine kommerziell unglaublich wichtige Geschichte geworden. Um sicher zu gehen, dass sie dabei sind, riskieren einige Klubs sehr viel. Die UEFA sagt: Die Vereine müssen vor sich selbst geschützt werden. Wenn ein Besitzer einen Klub in den Bankrott steuere, führe das zu weitreichenden Erschütterungen in der ganzen Liga.



Das kennen wir aus der Bundesliga, wird sich die europäische Fußballwelt durch die Einführung des Financial Fairplay grundlegend verändern?

Stefan Szymanski: Keinesfalls. Selbst wenn die Umsetzung gelingt, werden die Klubs weiterhin alles, was sie können, für Spieler ausgeben. Die Gehälter werden sich nicht verändern. Und wir werden weiterhin Klubs sehen, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Aber UEFA-Präsident Michel Platini sagt doch, der Klubfußball solle »gerechter und moralischer« werden. Was genau meint er damit?

Stefan Szymanski: Wäre es gerecht und moralisch, wenn wir in England das deutsche 50+1-Modell übernähmen? Die Deutschen würden fortan alles gewinnen, weil sie die größte Wirtschaft Europas besitzen.

Welche Motive vermuten Sie stattdessen hinter der Initiative?

Stefan Szymanski: 52 der 53 Mitglieder der UEFA sind der Meinung, dass die Premier League gerade zu mächtig wird. Sie glauben: Wenn wir die englischen Klubs stoppen, immer mehr auszugeben, können wir selbst erfolgreicher sein. Das ist ein grundlegender Irrtum. Die heutige Position der englischen Liga hat nicht nur mit Oligarchen und Scheichs zu tun, sondern auch mit TV-Übertragungen, modernen Stadien und Merchandising. Die Mischung hat aus einem ehemals kranken Mann die stärkste Liga Europas gemacht.

Was wird sich für Roman Abramowitsch oder Scheich Mansour in der Praxis verändern?

Stefan Szymanski: Die Einhaltung der neuen Spielregeln wird bereits ab diesem Sommer kontrolliert. Wenn man seine Mannschaft in Zukunft verstärken will, muss man das geschickt verschleiern. Die Klubs müssen ihre Konten so verwalten, dass es so aussieht, als würden sie den Break Even erreichen, auch wenn es nicht wirklich der Fall ist. Die Folge: Es wird zukünftig weniger gerecht zugehen als zuvor. Und die Klubs werden immer mehr Juristen und Wirtschaftswissenschaftler einstellen, das können große eher als kleine.

Der europäische Klubfußball wird künftig von der Suche nach Schlupflöchern bestimmt?

Stefan Szymanski: Zwangsläufig. Der Katalog der UEFA besteht bereits jetzt aus 80 Seiten. In fünf Jahren wird er 800 Seiten lang sein. Wann immer man Marktaktivitäten reguliert, muss man sehr lange, detaillierte Spielregeln aufstellen, was erlaubt ist und was nicht. Selbst wenn man 95 Prozent der Betrüger fassen kann, werden die fünf Prozent, die man nicht erwischt, die Erfolgreichen sein. Es ist ein System, das am Ende die geschicktesten Betrüger belohnt.

Nur einmal angenommen, das Kontrollsystem funktioniert. Warum könnte es nichts an der englischen Dominanz ändern?

Stefan Szymanski: Es würde die Klubs auch nicht davon abhalten, mehr Geld auszugeben als alle anderen. Die Premier-League-Klubs generieren insgesamt mehr Einnahmen, sind nicht nur bei den ausländischen Fernsehrechten konkurrenzlos. Sie werden immer in der Lage sein, die besten Spieler zu kaufen.

In Deutschland glauben viele Fans, dass das Financial Fairplay den kleineren Klubs hilft.

Stefan Szymanski: Das Gegenteil ist der Fall. Es manifestiert die Dominanz der Großen. Wenn man besser werden will, muss man Geld ausgeben. Wie soll jemand besser werden, der nicht investieren darf?

Die UEFA droht in ihrem Katalog mit harten Strafen. Ist es tatsächlich vorstellbar, dass größere Klubs nicht zur Champions League zugelassen werden?

Stefan Szymanski: Es wäre sehr schwierig, Madrid, Manchester oder Bayern auszuschließen, nur weil sie eine wirtschaftliche Norm verfehlt haben. Die UEFA hat deshalb zahlreiche Sonderfälle formuliert. Mir scheint es nicht besonders moralisch, zwei Kataloge zu haben, einen für die Großen und einen für die Kleinen.

Welche wirtschaftliche Perspektive hat die englische Liga also?

Stefan Szymanski: Die Premier League wird gerade endgültig zu der globalen Liga. Traditionell gab es in Europa vier Ligen von ähnlicher Qualität. Bald werden wir nur noch eine relevante haben. Die Primera Division, Bundesliga und Serie A schrumpfen zu Satellitenligen. Barcelona und Madrid plädieren deshalb längst für zusätzliche Champions-League-Spieltage.

Warum?

Stefan Szymanski: Zukünftige Erlöse hängen stark von Einnahmen ab, die man außerhalb des eigenen Landes erzielen kann. Wenn diese Mannschaften in Spanien nur zweimal in der Saison gegeneinander spielen, haben sie wenig zu verkaufen. In der Premier League gibt es hingegen viel mehr große Spiele. Sie wird reicher und reicher.



Aus Heft#114 05/2011

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Kommentare

  • User
  • 22.05.2011 13:30:44 AntiMöller

    Auch, wenn ich ihm in einigen Punkten recht gebe, frage ich mich jedesmal, wenn ich was von dem lese, wie so ein simpler Geist einen Buchverlag finden konnte.

  • User
  • 22.05.2011 14:32:00 AbteilungAttacke

    Bei manchen der Sätze wäre auch eine weitergehende Erläuterung ganz nett. Z.B. 52 der 53 Mitglieder der UEFA sind der Meinung, dass die Premier League gerade zu mächtig wird. Sie glauben: Wenn wir die englischen Klubs stoppen, immer mehr auszugeben, können wir selbst erfolgreicher sein.

    Was ist mit "mächtig" und "erfolgreich" gemeint ? Ist das auf den Sport bezogen ? Dass kann dann wenn ja nur CL und EL meinen und da sind die Jungs von der Insel stark, aber doch bei weitem nicht übermächtig.
    Oder ist das Verbandsfunktionell bezogen ? Die Engländer zu stark in der FIFA, UEFA oder wo auch immer ? Würde aber nicht zum "53 von 52" passen, hm.
    Oder finanziell ? Was aber wiederum nur aufs sportliche hinauslaufen würde.

  • User
  • 22.05.2011 14:34:52 AntiBFC

    Scheiß -ismen, Abschaffung des Geldes, für eine neue Weltordnung

    Link

  • User
  • 22.05.2011 15:17:37 Stanley Matthews

    Widerspricht er sich nicht selbst, wenn er einerseits sagt:

    "Die Deutschen würden fortan alles gewinnen, weil sie die größte Wirtschaft Europas besitzen."

    und andererseits:

    "Die Premier-League-Klubs generieren insgesamt mehr Einnahmen, sind nicht nur bei den ausländischen Fernsehrechten konkurrenzlos. Sie werden immer in der Lage sein, die besten Spieler zu kaufen."

    ?

    Und noch was in Sachen "Wie soll jemand besser werden, der nicht investieren darf?"

    Vielleicht einfach mal mit Weitsicht, guten Entscheidungen und Kontinuität! Also ich bin kein Bayern-Fan, aber die haben die Champions-League auch schon gewonnen ohne mehr Geld auszugeben, als sie einnehmen. Und jetzt stellen wir uns mal vor, die anderen dürfen das auch nicht mehr...

    Irgendwie ist der Typ bisschen arrogant, oder kommt das nur mir so vor?

  • User
  • 22.05.2011 20:42:20 LowerRhenania

    Nö, nicht nur dir. Meine Lieblingsstelle ist da, wo er über "Satellitenligen" schwadroniert, ohne dann aber genauer darauf einzugehen, warum das so kommen soll. Stattdessen spricht er über Barca und Real, die längst schon - wie ja auch die großen englischen Clubs - international über Merchandising erfolgreich sind (und das haben die Bayern inzwischen auch schon verstanden).

    Entweder ist der Typ verdammt lustig oder das Interview wurde schlecht gekürzt wiedergegeben.

  • User
  • 23.05.2011 07:51:40 Tobi123

    Für mich hört sich der Typ nicht nach einem Wirtschaftsexperten, sondern nach einem ängstlichen Fan an. Er versucht sich und uns einzureden dass dieses System niemals funktionieren wird, und man wird den Eindruck nicht los, dass er es sagt weil er es gern so hätte.

    @Stanley: Du hast vollkommen Recht, er widerspricht sich da. Wenn die Dominanz der englischen Klubs tatsächlich nichts oder nur sehr wenig mit Scheichs zu tun hätte (ManCity, ha ha), dann hätte man ja auf der Insel nichts zu befürchten.

    Und was sollen bitte die fadenscheinigen Ausreden a lá "Die Klubs müssen ihre Konten so verwalten, dass es so aussieht, als würden sie den Break Even erreichen, auch wenn es nicht wirklich der Fall ist."

    So ein Schwachsinn! Als würden die nicht heute schon versuchen möglichst wenig Steuern zu zahlen. Jedes Unternehmen der Welt versucht seine Bilanzen möglichst günstig aussehen zu lassen. Das ist beileibe nichts neues. Es gibt legale Schlupflöcher im Steuerrecht, und dann gibt es irgendwann Winkelzüge, die nicht mehr lagal und somit Steurhinterziehung sind. Genauso ist es doch mit diesen Regelungen. Die Einhaltung zu kontrollieren kann ja nun wirklich nicht das Problem sein.

  • User
  • 23.05.2011 12:07:27 Hennes2000

    @Stanley&Tobi:
    Auch wenn er viel Humbug redet, so widerspricht er sich an der Stelle nicht wirklich. Die 1. Aussage ("Dann würde D alles gewinnen") ist ja für den Eventualfall der Einführung von 50+1 in England formuliert; alle anderen Aussagen schließen diese Voraussetzung nicht ein.
    Er hat natürlich nicht begründet, warum die dt. Wirtschaft in einem 50+1-System die große Bedeutung hat (ändert an TV-Geldern und Sponsoren ja auch nichts), aber ein Widerspruch ist es halt nicht zwingend (wäre aber wohl dazu gekommen, wenn er es weiter begründet hätte).

    Ansonsten würde ich noch hinzufügen, dass er nicht nur ein ängstlicher Fan, sondern ein arroganter, ängstlicher Fan ist. Trifft es besser.

  • User
  • 23.05.2011 12:29:16 Besserwisser 76

    Typischer Insel-lack-affe, vermutlich alter degenrierter Landadel, der auch noch an rule Britannia und das britische Empire galubt.

    Barca dominiert die Ligen seit ca. 3-4 Jahren, weil es mit Eigengewächsen (Mesi, Iniesta, Xavi und Puyol) seinen eigenen Nachwuchs über Jahrzehnte zu TOP-Spielern schulte, das gelingt derzeit neben Bayern, jetzt Dortmund sonst keinem mehr, mit Abstrichen noch ManU oder Arsenal. Zumeist kaufen die englischen Teams nur sinnlos die vermeintlich besten Spieler, die auf dem Markt sind. Sobald kein fremdes Kaiptal mehr zur Verfügung steht, bricht der Markt zusammen. Seit mehr als 10 Jahren gewinnen immer dieselben 3 -4 Mannschaften, das erzeugt bald Langeweile und wenn die Finanzwirtschaftskrise langfrisitig auf die englische Wirtschaft durchschlägt, kaufen sich auch die -zugegebenermassen- fussballverrückteren englischen Fans keine Tickets mehr für 100 EURO und mehr.

    Also lasst die Tommies ruhig noch träumen, bis die Blase bald platz und danach einn Abltraum bevorsteht.... Eigene Spieler bringt die Liga indes kaum hervor.....

  • User
  • 23.05.2011 14:17:50 Onno

    Herr Szymanski ist in der Tat ein ausgewiesener Experte für wirtschaftliche Aspekte des Fußballs, vor allem in seinem „Mutterland“.
    Trotzdem bin ich ueberrascht, dass ausgerechnet er, ein Verfechter des liberalen Wirtschaftsmodells im Fußball, hier zu Wort kommt, zeigt sich doch vor allem hier in England, dass dieses Model im Fussball nicht funktioniert!

    Hier auf der Insel findet zur Zeit eine breit angelegte Untersuchung der Strukturen des Fußballs unter dem Titel „Governance“ statt, die von einem Parlamentskomittee durchgefuehrt wird. Der Grund ist die katastrophale finanzielle Situation der meisten Clubs in der Premier League und das Fehlen eines geeigneten Lizenzierungsverfahrens durch den Verband. Herr Szymansky wurde von diesem Komitte angehoert, genauso wie andere Experten und Fanvertreter, ging mit seinen Argumenten allerdings unter.

    Szymanski geht trotz aller gegenteiligen Indizien von der Premier League als idealem Modell aus. Er hat Recht: keine Liga in Europa nimmt so viel Geld ein wie die Premier League – aber keine andere macht mehr Schulden und Verluste. Viele Clubs stehen auf extrem wackeligen Beinen. Die Zahlen sprechen Baende.

    Ingesamt entfallen auf die Premier League 56% der Schulden aller Clubs in Europa, die in der Europa League und Champions League spielen. Seit ihrer Gruendung sind ueber 50 Clubs in Konkurs gegangen. Mit den Finanzspritzen von Miliadaeren aber wird der Markt und sein Sanktionsmechanismus für nicht wettbewerbsfähige Unternehmen praktisch ausser Kraft gesetzt und das Mithalten wird zunehmend schwierig fuer kleinere Vereine, oder solche, die vernuenftig, sprich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, wirtschaften,. Alle wollen mitspielen, um jeden Preis und manoevrieren sich in eine existenzgefaehrdende Lage. In Spanien oder Italien und vielen anderen Ligen sieht es genauso aus.

    Anders als Herr Szymanski sagt, ist es ja weiterhin moeglich, in Fussballvereine zu investieren, aber es sollen Bedingungen geschaffen werden, die verhindern sollen, dass Vereine zu Zombies werden – lebende Tote, auf pump aufgebaut und in Gefahr jederzeit in Luft aufzugehen. Manchester City hat im letzten Jahr mehr fuer Spielergehaelter ausgegeben, als der Club insgesamt eingenommen hat. Das ging natuerlich nur, weil sich der Eigentuemer ein solches Defizit leisten kann. Was passiert, wenn so ein Geldgeber die Lust an seinem Spielzeug verliert oder es sich schlicht nicht mehr leisten kann? Was heisst das fuer die Fans und die gesamte Gemeinde/Region und die Liga?

    Der Erfolg der Vereine haengt eben nicht, wie Herr Szymanski sagt, von den Einnahmen, ab, die im Ausland gemacht werde. Die Auslandseinnahmen der Premier League machen einen zwar einen nennenswerten Teil des Gesamtertrages aus. Doch die nationalen Fernsehgelder sind hier entscheidend und der Grund fuer den Graben zwischen der Premier League und den anderen grossen europaeischen Ligen.

    Ein Fussballverein ist zu wichtig fuer zu viele Menschen, als dass man ihn dem freien, teilweise entfesselten Markt ueberlassen sollte. Die Bundesliga wird am Ende glaenzen, weil es dort zumindest die von den meisten Beteiligten geteilte Überzeugung gibt, dass Vereine innerhalb einer Liga zwar im Wettkampf zu einander stehen, aber eben auch von einander abhaengig sind. Das große Ganze muss gesichert werden – durch Lizenzierung und Financial Fair Play.

    Trotz Financial Fair Play wird esnatuerlich weiterhin Moeglichkeiten geben, verdeckte Geschaefte zu machen, um die neuen Regeln zu umgehen. Aber die Financial Fair Play Regeln sollen von Jahr zu Jahr verbessert werden. Fuer Vereine in der Bundesliga wird es leichter sein, die Auflagen der UEFA zu erfuellen als fuer Manchester City oder Manchester United. Wir werden in den nächsten Jahren sehen, wie ernst es die UEFA meint, und welche Leute sich dort mehr Gehoer verschaffen koennen.

    11 Freunde sollte jemanden zu Wort kommen lassen, der sich mit dem Thema Financial Fair Play auskennt und erklaeren kann, warum Herr Szymanski falsch liegt und warum die Bundesliga das ganz richtig macht.

  • User
  • 23.05.2011 15:39:59 mulletking

    Das Financial Fair Play der UEFA ist sicher gut gemeint und hat die richtigen Ziele. Dennoch wird es immer Schlupflöcher geben, durch die die großen Vereine hindurchkommen. Allein schon wegen der Zugkraft von ManU und anderen englischen Vereinen oder auch Real, die für Einschaltquoten sorgen, kann sich UEFA es nicht erlauben, diese Vereine außen vorzulassen. Außerdem könnte ein Ausschluss sicher der Idee einer Europäischen Superliage wieder Anschub geben.

  • User
  • 23.05.2011 18:38:59 Marco Polo

    Szymanski ist ein typisch neoliberale Ökonom der solange einen fadenscheinigen Dreck auffaselt, bis es schief geht, und dann will er derjenige sein, der weiß wie man das Schlammassel löst. Analog dazu die Neoliberalen Politiker. An dieser Stelle: Super Beitrag Onno.

    Zum Blasen Effekt: Leute die auf Kanonenkugeln reiten, sind stehts siegesgewiss und meinen, ncihts könne ihnen etwas anhaben...bis die Kanonenkugel sich als Blase entpuppt und platzt.
    Blasen funktionieren immer gleich: Die Marktteilnehmer in dem betroffenen marktsegment verschulden sich alle, weil sie wissen, dass ihr Produkt beständig im Wert wächst und damit die Schulden getilgt werden können. Sprich sie kaufen heute etwas für 100 € auf pump weil sie wissen, dass es morgen 200 Wert ist. Dann können sie es verkaufen und haben sogar noch was über. Oder sie kaufen sich wieder etwas auf pump, weil die Preise ja weiter steigen. Bis irgendwann...die Preise nicht mehr steigen.

    In der Premier Legue sind die Preise, die Einnahmen durch Fernsehen. Die werden nicht auf ewig wachsen. Eines wunderschönen Tages...das kann morgen sein, oder in 5 Jahren oder noch später...oder irgendwann dazwischen, werden die Einnahmen stagnieren und vlt sogar sinken. Und dann hocken die Vereine auf Schuldenberge, die sie nicht mehr bezahlen können, weil die Einnahmen sie nicht mehr decken und auch nicht mehr decken werden.

    @mulletking: Dein Argument habe ich tausendmal gehört und vor ziemlich genau 2 Jahren schonmal entkfräftigt. Es ist doch vollkommen egal wie die Vereine heißen, die in der CL spielen. 90% der deutschen Zuschauer hassen Bayern München und schauen sich trotzdem die Spiele an. Warum? Weil sie Bayern so toll finden? Nein, weil einfach der beste Fußball in der CL gespielt wird. ManU wäre vom FFP gar ned mal so stark getroffen...Chelsea oder ManCity würde es hart treffen. Selbst wenn die Vereine die du nennst ausgeschlossen werden würden, dann würden die Spieler halt schneller als du "Fairplay" sagen kannst, den Verein wechseln und bei einem Verein anheuern, der CL spielt. ManU spielt doch nicht so gut, weil das Wappen so schön ist...oder der Vereinsname. Es liegt an den Spielern. Und wenn die nicht mehr von ManU bezahlt/gehalten werden können, dann gehen sie halt dahin wo sie bezahlt werden können und wo sie CL spielen. Dortmund, Bayern, Schalke...usw. z.B. Am Ende des Tages spielen immer die besten Spieler in der Champions League.
    Die Quoten, auf die die UEFA angeblich angewiesen ist (was ich mal eben zwischen den Zeilen stark bezweifle) würden kaum bis gar nicht darunter leiden. Den Zuschauenr ist scheißegal wer im Finale spielt. Wenn die beiden Mannschafften, die aktuell für die Vereine Manchester United und FC Barcelona spielen, stattdessen Bayedrn München und Borussia Dortmund Trikots anziehen würden, würde sich nichts aber rein gar nichts an der attraktivität des Spiels für die Zuschauer ändern. Nur das Geld würde in andere Taschen fließen.
    Wenn du die Barca Mannschaft in Frankfurt Trikot gesteckt hättest, dann wäre Frankfurt ned abgestiegen sondern wäre deutscher Meister geworden. Um mein Argument pointiert auszudrücken.

    Noch was: Der UEFA können finanzielle Überlegungen in erster Linie schießegal sein. Sie hat genau wie die FIFA mehr als genug Rücklagen, baut sich mit der Europa League einen zweiten Wettbewerb der Einnahmen generiert und hat noch dazu alle vier Jahre die EM, die sie ausschlachten kann. Die wirft zwar nicht so viel ab, wie die WM, aber immerhin astronomisch viel, wenn man bedenkt, dass es nur ein Wettbewerb innerhalb einer Konföderation ist.

  • User
  • 24.05.2011 12:20:23 AbteilungAttacke

    @ Marco Polo

    So aus Laiensicht gelesen hört sich alles von dir sehr vernünftig an und ertet Zustimmung.

    Nur an einem Punkt möchte ich - leise - Zweifel anmelden:
    und Wenn die beiden Mannschafften, die aktuell für die Vereine Manchester United und FC Barcelona spielen, stattdessen Bayedrn München und Borussia Dortmund Trikots anziehen würden, würde sich nichts aber rein gar nichts an der attraktivität des Spiels für die Zuschauer ändern

    Im Kern ist das sicher richtig, denn im Endeffekt kommt es auf die Attraktivität des Spiels an und dies bestimmt sich nunmal nach Spieler, nicht nach Vereinsname.

    Doch muss man auch zugestehen, dass sich manch ein Verein in den letzten 50 und speziell letzten 10 Jahren ein "good will" erarbeitet hat. Daher wird der "Reiz" eines Fussballspiels eben auch am Vereinsnamen festgemacht.

    Ein Beispiel und zwar aus gegenteiliger(!) Sicht: Mein alter Herr hat eine Dauerkarte für Schalke.
    Zu dem Interspiel ist er gegangen, mit der Begründung, dass ihn die bei Inter spielenden Spieler interessieren würden.
    Zu ManU ist er nicht(!) gegangen, "weil mich außer Rooney niemand interessiert".
    Doch auf dem Papier würden doch die Meisten, zumindest 'gefühlt', Schalke-ManU attraktiver als Schalke-Inter finden.

    Ein anderes Beispiel ist die EL, wo teilweise auch gute Spieler zu finden sind, allein schon der Name einer osteuropäischen Mannschaft das Interesse lähmen kann.

    Das ist freilich nur ein leiser Einschub und ändert nix an der Richtigkeit und Folge deiner sonstigen Einlassungen.

  • User
  • 24.05.2011 15:24:54 pandrodor

    Nur auf einen paranoiden Fanatiker gewartet, der die neoliberale Weltverschwörung in den Raum wirft. *kopf schüttel*

    Sicher wird es überall Lücken im Regelwerk beim FF geben, nur ist das kein Grund es nicht zu machen und es zu verbessern zu suchen.

    Es kommt sehr wohl darauf an wer spielt. Selbst wenn "90%" der Menschen Bayern hassen sind es immernoch genug für Topquoten. Ein Spiel Barca- Real im spanischen Pokalfinale gucken sich nunmal mehr Leute an als zwei portugiesische Vereine im EL Finale.

    Insgesamt wird es die Lage nicht groß verändern, es werden einzelne Vereine wegbrechen und die Gehälter (vor allem für Mittelklassespieler) und Ablösesummen sich mindern, auf Bayernniveau, was immernoch hoch ist. Es wird aber fairer gestaltet werden.

    Es ist nicht nur der Ruf und die Historie, die einen Verein attraktiv macht, sondern auch die Infrastruktur und die Stadt. Gerade die Infrastruktur bietet langfristige Vorteile. Ein Verein wie beispielweise Freiburg kann eben nicht mit Stuttgart mithalten. Oder Bremen konnte auch nur dank der CL Teilnahmen mithalten, es ist ansich ein kleiner Verein. Selbst Frankfurt hat theoretisch bessere Möglichkeiten. Sie müssen natürlich genutzt werden. Aber da sind wohl Schalke und etwas weniger auch der HSV die ewigen Versager, die es mit solchen Vorraussetzungen nicht hinbekommen.

  • User
  • 24.05.2011 15:35:35 giselher

    Aber da sind wohl Schalke und etwas weniger auch der HSV die ewigen Versager, die es mit solchen Vorraussetzungen nicht hinbekommen.

    Passt jetzt *hüstel* nicht ganz zum Thema, aber die Sechziger gehören in Deinen Gedankengang un-be-dingt mit rein...

  • User
  • 24.05.2011 15:40:25 4ter Blinder

    In einem hat er recht:
    Die geplante Regelung wird nicht zu einer nachhaltigen Änderung führen, sie wird, wenn überhaupt jemals rechtsgültig, bestenfalls eine Drohkulisse für osteuropäische Extremfälle werden.

    Wer daran glaubt, die würden es wagen Liverpool, Real oder ManchesterU wirklich auszuschliessen, glaubt sicher auch noch an die FDP als Schutzpatron des arbeitenden Volkes, also der "Leistungsträger".

    Jetzt bald schon ein Jahrzehnt kreist dieser Berg und immer noch nicht ist auch nur ein Mäuschen entsprungen ...man muss ihm erst noch den Maulkorb anlegen.

    Und dann noch diese manische Selbsthypnose, bitte alle das Mantra mitsingen:

    Deutsche BuLi-Vereine haben keine Schuldenberge! Sowat jibbet gar nicht. Und wenn warens die Griechen...



    Typischer Insel-lack-affe, vermutlich alter degenrierter Landadel, der auch noch an rule Britannia und das britische Empire galubt

    Wie ich diese hypermoralisch größenwahnsinnigen deutschen Stürmersprüche doch liebe. Unsere Nationalmentalität scheint von akkumulativem Kretinismus geprägt zu sein. Würden sie doch nur an unserem hunnischem Wesen genesen, diese uneinsichtigen Inselaffen.

    Man schicke den Krauts mehr Kraut zum Rauchen, das macht einen entspannteren Fuß

  • User
  • 24.05.2011 15:47:13 Eurofighter72

    Bayern zahlt alles vom Festgeldkonto.

    @4ter Blinder: Die sollen auch nicht ausgeschlossen werden, sondern nur vernünftig wirtschaften. Mehr ausgeben als einnehmen können Jaqueline und Kevin auch.

    Man darf aber gespannt sein wie weit sich die Clubs dagegen sträuben und wie weit die UEFA nachgibt.

    Zum Nachsatz: Man gut, dass der Engländer so gut über uns redet. Die meisten haben Angst, daß die Deutschen sie wie schon in der Nationalelf lichtjahre hintersich lassen. Lies doch mal die üblichen Foren. wenn da von der BL und der Wirtschaftlichkeit die Rede ist werden sie fuchsteufelswild oder versuchen es ins lächerliche zu ziehen. Die wissen wie die Stunde geschlagen hat.

  • User
  • 24.05.2011 16:00:26 4ter Blinder

    Ich höre eigentlich aus England zunehmend Lobpreisungen der BuLi:

    Ausgeglichener im Wettbewerb, (noch) nicht so extrem durchkommerzialisiert, und wegen der zivilen Eintrittspreise und der Stehränge eine unvergleichlich emotionalere und aufregendere Atmosphäre.

    Zudem sportlich im Kommen. Ein Beispiel wäre der Liveticker des Guardian zum Cl-Rückspiel Schalke-Inter.

    Und die sollen wirklich nicht mal theoretisch ausgeschlossen werden, wenn sie dem Financial Fairplay nicht konform gehen? Sicher?

    Dann wäre es ja erst recht eine Schauveranstaltung.

    Öh, Mr. Abramovitsch: Das hätten Sie jetzt nicht dürfen! Dududududu!

    Das wäre so erfolgversprechend wie die Verhaftungsversuche in Demolition Man:

    Sagen Sie mit fester Stimme: Legen Sie sich auf den Boden, die Hände auf dem Kopf, SONST...

    SONST....äh, sonst...oder vielleicht doch nicht?

  • User
  • 25.05.2011 08:07:22 Tobi123

    Ein Jahr CL ohne Liverpool, Chelsea oder Real? Kein Problem. Da müsste man dann eben durch. Für ein Jahr ist es kein Thema. Wäre es länger, dann würden sich die Topspieler schon einen Verein suchen, der CL spielt. So wie es MArco Polo schon geschrieben hat. So weit wird es ohnehin nur im Extremfall kommen. Denn wenn die Verantwortlichen merken sollten dass die UEFA ernst macht, dann würden sie sicherlich nicht riskieren wollen ausgeschlossen zu werden.


    Außerdem, 4ter Blinder, wie soll man es denn sonst machen? Einfach so weiterlaufen lassen?

  • User
  • 25.05.2011 15:38:10 4ter Blinder

    Klar wäre es schön, wenn man ein Ausufern vermeiden würde. Davon 10 Jahre zu sprechen, als wenn die Umsetzung direkt bevorstehen würde, obwohl jeder wissen muss, dass es aus wirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar ist, hat viel von Sonntags-Fensterreden fürs naive Volk.

    Was wäre denn ohne die Topvereine und ihre Topspieler? Was passiert, wenn man das ein Jahr durchgezogen hat und sich nichts geändert hat?

    Wie entwickeln sich Sponsorengelder für Verbände und Konkurrenzvereine, TV-Gelder, verkaufte pay-tv-abos etc oä usw?

    Vermutlich alle in den Verbänden wissen vermutlich, dass sie NICHT am längeren Hebel sitzen. Rummenigge vielleicht nicht, das machts aber nicht besser.

    Diese Situation ist seit Beginn der Diskussion bekannt und doch wird so getan als könnte man....

    Und wenn man keinen ausschliessen kann, ist das Messer stumpf.

    Ich höre jetzt zu lange davon, als dass ich es noch ernst nehmen kann. Solange nicht ein wirklich scharfes Messer ausgepackt wird.

    Letztlich ist es bei uns auch ncht anders als bei denen:

    Solange du Wege findest, deine Rechnungen zu zahlen, ist die Höhe deiner Schulden nebensächlich.

  • User
  • 26.05.2011 11:22:15 Dschungelking

    Was ist denn an der ganze Sache fair? Nix! Ganz im Gegenteil: So werden die finaziellen Unterschiede zwischen den Vereinen für alle Zeiten festzementiert und Fußball noch langweiliger.

  • User
  • 26.05.2011 18:37:03 4ter Blinder

    Wer einen Scheich oder Despotensohn hat, der die Millionen reinbuttert, soll halt was draus machen. Viel Glück 1860!

    Revidiere inzwischen meine Meinung:
    Weshalb sollte man das überhaupt unterbinden? Wenn das Geld von Abramovitch nur geliehen ist und er den Club irgendwann pleite gehen lassen kann: So what?

    Das Leben ist nur selten "gerecht" , ist im Fußball auch nicht anders.

    Letztlich wird doch in der BuLi auch nicht mehr gemacht: Die prüfen, ob ein Verein dazu in der Lage ist, die Rechnungen der nächsten Saison zu zahlen, mehr nicht.
    Der Papiertiger "financial fairplay" wird als Bettvorleger enden.

  • User
  • 26.05.2011 19:58:57 Eurofighter72

    Wenn das Geld von Abramovitch nur geliehen ist und er den Club irgendwann pleite gehen lassen kann: So what?
    So einfach ist es ja nicht. Die Clubs werden nicht pleite gehen, weil sie dann vom Staat Unterstützung bekommen werden.

    Der Papiertiger "financial fairplay" wird als Bettvorleger enden
    Das sehe ich genauso, hoffe aber, dass es etwas bringt.

  • User
  • 26.05.2011 21:01:08 AntiMöller

    @Eurofighter: manchmal muss man sowas in die Welt brüllen: BIST DU ÜBERHAUPT DES LESENS MÄCHTIG??!!!

  • User
  • 26.05.2011 21:02:34 AntiMöller

    ...oder einfache kausale Zusammenhänge begreifen, wie: das Dreieck muß ins Dreieckige...

    Zu viel Szymanski gelesen, wa?

  • User
  • 27.05.2011 09:40:29 Dschungelking

    Gestern 18:37:03 von 4ter Blinder
    Wer einen Scheich oder Despotensohn hat, der die Millionen reinbuttert, soll halt was draus machen. Viel Glück 1860!

    Revidiere inzwischen meine Meinung:
    Weshalb sollte man das überhaupt unterbinden? Wenn das Geld von Abramovitch nur geliehen ist und er den Club irgendwann pleite gehen lassen kann: So what?


    Eben. Und in dem Zusammenhang: In Italien gehören die großen Vereine doch schon immer irgendwelchen Großindusriellen. Warum regt sich da keiner auf?

  • User
  • 27.05.2011 11:05:20 Andreas Blenke

    Ganz genau — und wenn die Fußballblase in diesen raubtierkapitalistischen Ländern erstmal geplatzt ist, wird Uli H. alle insolventen Clubs einfach aufkaufen und das ganze in ein Franchise umwandeln. Dann gibt es nur noch Bayern London, Bayern Madrid, Bayern Mailand usf.

  • User
  • 28.05.2011 17:37:20 4ter Blinder

    Das hätte uns aber auch schon Vereine eingebracht haben können wie Schachtjor Dortmund, Gazprom 04, Red Bull Leipzig, Al-ahli München oder Sampdoria Stuttgart.
    Ganz zu schweigen von Besiktas Mannheim und Hapoel Frankfurt.

    Eigentlich geht Raubtierkapitalismus aber doch so(?):

    Real kauft kurz vor der eigenen Insolvenz Bayern mit Krediten auf, deren Sicherheit der Gesamtverein Bayern ist und verhökert dann alles wertvolle mit Gewinn? So holt Real wieder ein paar Jahre raus und Bayern wird Meister, in der Bayernliga.

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Thomas Schneider von der DFL über Fußballmuseen


Rekordtorschützen in der U21

  • Pierre Littbarski (21 Spiele, 18 Tore)
  • Heiko Herrlich (20 / 17)
  • Benjamin Auer (23 / 15)
  • Mike Hanke (26 / 14)

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