Der Falkner von Benfica Lissabon über seinen Job
»Rugby ist mir lieber«
Interview: Sebastian Knoth Bild: Imago
Immer wenn der größte Fußballverein der Welt ein Heimspiel hat, dreht sein Adler ein paar Runden im »Stadion des Lichts«: António Carapuço ist Falkner von Benfica Lissabon. Im Interview spricht er über die alten Römer und dreiwöchige Zähmungsphasen.
António Carapuco, mögen Sie Fußball?
António Carapuço: Nein! Meine Leidenschaft ist Rugby. Ich spiele seit über dreißig Jahren.
Sie sind also kein leidenschaftlicher »Benfiquista«?
António Carapuço: Ich arbeite nur für den Verein. Mit Fußball habe ich aber sonst eigentlich nichts am Hut. Durch die Arbeit bei Benfica sah ich das erste Mal ein Fußballstadion von innen! Der Kontakt kam eher zufällig zustande. Meine Firma, »Volataria«, nahm an einer Ausschreibung teil, und Benfica entschied sich für uns.
Wann segelten die ersten Adler durch das »Estádio de Luz«?
António Carapuço: In den sechziger Jahren, zu Zeiten des großen Eusebio, war an solche Aktionen noch nicht zu denken. In den 1990ern war dann ein Adler als Maskottchen im Stadion, doch erst bei der Einweihung des Estádio da Luz, im Rahmen der Europameisterschaft 2004 in Portugal, flog erstmals ein Vogel durch die Lüfte.
Wie wird ein Adler »reif« für das Stadion?
António Carapuço: Nach einer dreiwöchigen Zähmungsphase, die in freier Natur stattfindet, betreten wir das erste Mal das Stadion.
Während eines Heimspiels?
António Carapuço: Auf keinen Fall! Wir reden von einem sehr langwierigen Prozess. Das Tier muss peu a peu an Extrem-Situationen gewöhnt werden: Zuschauer, Blitzlichter, Fahnen... Es kann bis zu drei Monaten dauern, bis es bei einem Heimspiel eingesetzt wird. Vor ausverkaufter Hütte können wir leider nie proben.
Wie viele Adler sind im Einsatz?
António Carapuço: Wir arbeiten mit zwei Tieren. Doch der Einsatz während der Heimspiele ist nur eine Teilaufgabe.
Das müssen Sie genauer erklären.
António Carapuço: Fans, Schulklassen und Besucher können sich auch unter der Woche über die Bedeutung des Adlers bei Benfica informieren und der Betreuung sowie dem Training beiwohnen. So wird der besondere Stellenwert dieses Tieres im Klub verdeutlicht.
Der da wäre?
António Carapuço: Der Adler diente schon zu Römerzeiten als Glücksbringer. Benfica wählte bei seiner Gründung den Adler, weil er ein stolzer und würdiger Greifvogel ist. Benfica ist ein sehr stolzer Verein mit einer großen Vergangenheit. Insbesondere die Fans haben eine sehr intensive Verbindung und identifizieren sich wahnsinnig mit dem Maskottchen. Nicht von ungefähr nennen sie sich selbst die »Adler«.
Wie steht es mit den Spielern?
António Carapuço: Sie sollen inspiriert und motiviert werden: Einen »Adler« im Herzen tragen und einen auf der Brust. Viele Neuzugänge, wie der Spanier José Antonio Reyes 2008, werden bei ihrer Vorstellung mit dem Adler auf dem Arm abgelichtet. Es ist ihre »Taufe« im Verein, die sie »hautnah« zu spüren bekommen.
Beim 1.FC Köln heißt das Maskottchen Hennes. Wie ist der Name der aktuellen Adler?
António Carapuço: Sie haben immer den selben Namen: »Vitória« und »Gloriosa« – Glorreicher Sieg.
Benfica Lissabon, der größte Klub der Welt – Die schönsten Schnappschüsse aus dem »Stadion des Lichts« in der Bilderstrecke!






