Die Geschichte der Fußballfans

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15.05.2011

Zur jüdischen Symbolik bei Ajax Amsterdam

Antisemitismus auf der Biertheke

Text: Moritz Herrmann  Bild: Imago

In dieser Saison ist die antisemitische Hetze gegen Ajax Amsterdam eskaliert. Der Verein aus der Hauptstadt, seit Sonntag niederländischer Meister, will das Problem in den Griff bekommen, indem er den eigenen Fans die jüdische Symbolik in der Kurve verbietet.

Zur jüdischen Symbolik bei Ajax Amsterdam - Antisemitismus auf der Biertheke


Das Vereinsheim von ADO Den Haag tobt, die Luft ist bierschwanger. Vor einer halben Stunde hat der kleine Ehrendivist überraschend gegen Ajax Amsterdam, den niederländischen Rekordmeister, gewonnen. Jetzt feiern Anhänger und Spieler gemeinsam. Alexander Immers beklettert die Theke und blickt hinab auf schwitzende, johlende, klatschende Menschen. Der blonde Stürmer ist Publikumsliebling, die Fans nennen ihn Lex. Lex weiß, was der Mob will. Auffordernd rudert der 24-Jährige mit dem Arm, als er zum Mikrofon greift. »Wir gehen jetzt auf Judenjagd«, stimmt Immers grinsend an, erst leise, dann immer lauter. Ein beispielloser Skandal? Leider nein.


Ajax Amsterdam sieht sich in der Ehrendivision fast spieltäglich unverhohlenem Antisemitismus ausgesetzt. Die Auswärtsfahrten des Vereins werden begleitet von vielstimmigem Zischen der gegnerischen Fans in Anlehnung an die Gasduschen der Konzentrationslager, von Gesängen wie »Adolf, hier laufen noch elf, wenn du sie nicht vergast, tun wir es selbst« oder, am weitesten verbreitet, »Hamas, Hamas, Juden ins Gas«. Oft wogt der gegnerische Fanblock im Kollektiv auf und nieder, dazu blökt es, wer nicht hüpfe, sei ein Jude. »Ich kann nicht beschreiben, was in solchen Momenten in mir vorgeht«, rang auch Uri Coronel kürzlich um Fassung. Der Vorsitzende von Ajax Amsterdam, dessen Eltern den Holocaust überlebten, hatte sich beim Auswärtsspiel in Rotterdam einen Weg durch hunderte, zum Hitlergruß gereckte Arme bahnen müssen.

Immers Entgleisung vom 20. März 2011 ist also eine unter vielen. Genau so wird sie auch sanktioniert – wie eine unter vielen. 10 Prozent seines Monatsgehalts musste der Partysänger einmalig abgeben, der niederländische Verband KNVB sperrte ihn für vier Spiele. Nachdem die Aktion aus dem Vereinsheim via Handyvideo ihren Weg ins Internet gefunden hatte, erklärte Immers, er habe sich in der Euphorie nach dem Sieg gehen lassen: »Ich habe nur Ajax als Verein gemeint, nicht Juden als Gruppe.« Bestrafung und Entschuldigung des Stürmers beweisen einen unguten Trend zur Verharmlosung antisemitischer Ausfälle im niederländischen Fußball.

Jüdischer Fankult seit den Siebzigern

Woher aber rührt der Ruf von Ajax Amsterdam, ein »Judenclub« zu sein, woher rührt der Antisemitismus bei gegnerischen Fans und Spielern? Bis heute verkaufen Souvenirstände vor dem Stadion Israel-Flaggen und Aufnäher mit dem Davidstern, man sieht hebräische Tattoos und Kippas. Die Anfänge dieser Kultur liegen in der Geschichte begründet. Mit der aus England importierten Supportkultur wurde eine Klubidentität auch auf dem europäischen Festland immer wichtiger. Amsterdam firmierte als »das Jerusalem Europas«, der lokale Slang ist voller jiddischer Begriffe und das alte Stadion De Meer, von 1934 bis 1996 Heimat der Rot-Weißen, lag in unmittelbarer Nähe zum jüdischen Viertel. Seit dem 17. Jahrhundert beheimatete die Stadt viele Juden. Mit Eddy Hamel und Johnny Roeg prägten zwei jüdische Fußballer die Dreißiger Jahre von Ajax, später tanzten Bennie Muller und Sjaak Swart den »totaal voetbal« nebst Johan Cruyff.

Ab 1970 kokettierten die Fans, insbesondere die F-Side und der Block 410, dann erstmals offen mit jüdischer Symbolik. Ein ganz konkretes Erweckungserlebnis ist zwar nicht festzustellen, und damit auch die ominöse Frage nach Huhn oder Ei nicht zu beantworten. Aber ob die Fans damals nun auf die Schmähungen des Gegners reagierten oder der Gegner auf die jüdische Identität von Ajax – es ändert es nichts an einem Ergebnis, das bis heute Antisemitismus heißt.


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Kommentare

  • User
  • 15.05.2011 15:21:24 EuroNoise

    Immers Entgleisung vom 20. März 2011 ist also eine unter vielen.

    Die Formulierung ist hier fehl am Platze - denn wenn solche Sachen ständig geschehen, dann ist das gerade keine Entgleisung sondern der Normalzustand - genauso wie in (west- und ost)deutschen Fankurven Woche für Woche AntisemitInnen, RassistInnen und homophobes Geschmeiß entgleisen.

  • User
  • 15.05.2011 17:01:18 Lederfresse

    Danke für den sehr guten Artikel dem nix hinzuzufügen wäre. Schalom

  • User
  • 15.05.2011 17:11:38 Lederfresse

    Ach so, Ajax ist Meister und ick bin Stolz wie Bolle.

  • User
  • 15.05.2011 17:56:01 Andreas Blenke

    Erinnert alles ein wenig an das alte Argument, die Juden seien ja selbst schuld am Antisemitismus, weil sie sich nicht bereitwillig genug integrieren assimilieren würden.

    Ein Erlebnis, das diesen Schwachsinn als blödes Geschwafel bloßlegt und gleichzeitig ein schönes Beispiel für die von Euro-Noise beschriebene Normalität bietet, widerfuhr mir am vergangenen Freitag im Zug.

    Indem ich mich im Gespräch mal wieder über die Bild-Zeitung (und jene, die sich nicht schämen, sich für ihre Werbung einspannen zu lassen) aufregte, reizte ich einen Mitreisenden zur ungebetenen Erläuterung des Phänomens: Axel Springer sei Jude, und weil es in Deutschland verboten sei, bestimmte »Wahrheiten« zu äußern, könne der Bild-Zeitung niemand Einhalt gebieten.

    Normalerweise folgt der Klage darüber, daß man Deutschland ja so vieles nicht sagen dürfe, ohne weiteres Zögern eine ausführliche Darstellung all dieser tabuisierten Tatsachen. Auch diesmal wurde ich diesbezüglich nicht enttäuscht.

    Auf Nachfrage genanntes Beispiel für eine dieser Wahrheiten: bekannte Wissenschaftler dürften nicht die Wahrheit über den Holocaust berichten (aus Angst wollte mir der Herr nicht offenbaren, wie diese Herren hießen).

    Auf Nachfrage genannte Institution, die das Verbreiten dieser Wahrheiten verbiete: der Zentralrat der Juden (im Schulterschluß mit Israel — die Weisen von Zion lassen grüßen).

    Auf Nachfrage genannte Folgen einer Mißachtung dieses Verbots: die wirtschaftliche Zerstörung — so habe das Mannheimer Medienhaus Prinz schließen müssen, weil sich in seinen Regalen ein Buch mit (antisemitischen) Wahrheiten fand (wahrscheinlich vorsätzlich und hinterhältig vom Zentralrat der Juden selbst dort plaziert).

    Erschreckend dämlich, erschreckend deutsch – das gilt natürlich auch für die Holländer.

  • User
  • 15.05.2011 19:13:54 gelsenkirchen

    die Wahrheit über den Holocaust

    spätestens da ist es absolut legitim, demjenigen, der das behauptet ins gesicht zu kotzen!

    und ich gebe dir auch recht, andreas.

  • User
  • 15.05.2011 20:18:17 Marco Polo

    Ich möchte auch mal folgendes anmerken. Einige Leute scheinen in holländischen Stadien den unterschied zwischen Feindschafft und Antisemtismus nicht zu begreifen. Also der Unterschied ob ich jemanden im Zuge eines Spiels, wo selbstverständlich ein anderer Ton herrscht als an anderen Orten, bloß schmähe oder ob ich etwas von mir gebe, dass das unsägliche Leid und den Tod von Millionen Menschen bagatelisiert...wenn nicht sogar lächerlich macht und im schlimmsten Fall gutheißt.
    Man muss ja keine Juden mögen um sich vom Vorwurf des Antisemitismus reinzuwaschen. Es ist auch legitim Schmähgesänge über Juden zu singen. Was nicht geht ist einen Völkermord zu bagatelisieren. Das sind zwei vollkommen verschiedene Kategorien.

    Worauf ich letztlich hinauswil. Folgendes kann man singen: "Scheiß Italiener, wir singen scheiß Italiener...usw." "oder für ein anderes Fußballvolk "Orange trägt nur die Müllabfuhr" . Aber "Vergast die Italiener" "Eine Schwalbe hängt man auf, wie einen Deserteur"...(nur Beispielsätze) fällt in eine vollkommen andere Kategorie. Die, mal völlig abgesehen von der Thematik des Judentums und des Holocausts, geschmacklos und Menschenverachtend ist und in einem Stadion nichts verloren hat. Und genau diesen unterschied scheinen die Funktionäre nicht zu begreifen. Wenn nur gesungen werden würde: "Euch scheiß Juden, haun wir heute weg" "Ihr könnt in euer Stättel gehen, ihr könnt in euer stättel gehen..." "Am Sabbat gibts nichts zu holen" "Koscher ist nichtmal eure Heimbilanz", dann wären das Gesänge die manchen vielleicht an einer Stelle träfen wo er empfindlich ist, aber an sich nicht wirklich schlimm, man tausche beim weghau satz Juden mit Bayern und schon ist der Satz nciht mehr anrüchig. Aber die oben erwähnten entgleisungen sind einfach untolerierbar, und dass so etwas möglich ist, sagt doch einiges aus über das Land, dass so stolz ist Anne Frank versteckt zu haben.

  • User
  • 15.05.2011 20:38:36 gelsenkirchen

    Wenn man hier dabei war kann man sicher "Scheiß Italiener" singen. Das bedeutet aber dass man hier dazugehört.

  • User
  • 15.05.2011 21:03:13 bsg

    Wenn ich also singe: "Eine U-Bahn bauen wir. Von Saarbrücken bis nach Rheda-Wiedenbrück" ist das also i.O., oder wie?

    Und "Ihr seid Juden! Asoziale Juden!" wäre auch unproblematisch?

    "Juden-Jena" und ähnliches wäre auch vollkommen harmlos?

  • User
  • 15.05.2011 21:03:46 Fix

    Gelse, versteh ich dein Argument so in etwa richtig:

    Ich darf nicht singen:
    scheiß Tifosi
    scheiß Römer
    ....
    ....
    ....
    scheiß Dortmunder

    das einzige was geht wäre: Scheiß S04

    Da ich hiermit einen Fußballverein während des Spiels beleidige und nicht eine Gruppe von Menschen aufgrund ihrer Herkunft diskriminiere?

  • User
  • 16.05.2011 10:07:04 Andreas Blenke

    @ Marco Polo

    Ich verstehe, worauf Du hinauswillst, und unterstelle Dir keineswegs eine rassistische Absicht. Dennoch bin ich der Ansicht, daß Dein Unter- oder Unbewußtes, Dein argloses Es oder Unter-Ich, wenn Du so willst, Dir da ein Bein stellt.

    Sicherlich ist keiner frei von Vorurteilen (bilden sie doch die Voraussetzung menschlicher Kommunikation, auch freundlicher) oder gar rassistischen Vorurteilen, die bleiben jedoch ungefährlich, solange man sich ihrer und ihrer Herkunft bewußt ist. Außer — und da wird's tückisch — Dein Kommunikationspartner dechiffriert Dein Konnotat nicht richtig.

    Woher und wozu dieser unsinnige und grundlose Haß im Fußball? Eigentlich ist doch eine derart zivilisatorisch sublimierte Form des Kampfes wie ein Fußballspiel geeignet, gerade diese Spannungen abzubauen. Stattdessen wird immer mehr und ausgiebiger gehaßt: Die Borussen die Kölner und umgekehrt, die Ultras abwanderungswillige Spieler und alle miteinander Schwule, Neger und — wie einfallsreich — die Juden.

    Warum muß ich beim Auswärtsspiel lautstark »rot-weiß-rotes« Trikotdesign »hassen« (als Borusse), jedem Gegenspieler ein »Arschloch« an den Kopf brüllen (wie verdeutliche ich dann eigentlich noch, wenn ich mal wirklich jemanden nicht ausstehen mag?) und (der Gipfel der Geschmacklosigkeit) den Kollegen mosaischen Glaubens oder Stammbaumes via Auschwitz den Weg in die Stofflichkeit der Aschenbahn wünschen?

    Das kotzt mich mittlerweile maßlos an, vielmehr noch, wenn ich sehe, daß sich adoleszierende Männchen dadurch berufen fühlen, kleinen Kindern den Fanschal zu stehlen (wie heldenhaft), weiche Schiedsrichterbirnen mit harten Gegenständen zu verletzen (wie effektiv) und alle und jeden, die nicht exakt dieselbe geistige Abartigkeit an den Tag legen wie sie selbst, mit Schimpf (»Arschloch«, »schwule Sau« etc.), Verleumdung (»Ihr seid ja gar keine richtigen Fans!«) oder völkischer Propaganda zu überziehen.

    »Es ist auch legitim Schmähgesänge über Juden zu singen. Was nicht geht ist einen Völkermord zu bagatelisieren. Das sind zwei vollkommen verschiedene Kategorien.«

    Darüber kann man immerhin streiten. Das Problem ist allerdings: Sind sich über diese Interpretation wirklich alle Sänger (und Adressaten) einig? Das wage ich zu bezweifeln. Und für mich beginnt der Unterschied eben schon noch ein Stückchen früher als bei Dir, eben weil die Rheinländer in den vergangenen Jahrzehnten noch keine generalstabsmäßig geplante Vergasung der bayrischen Bevölkerung in Angriff genommen haben. Schließlich singt ja kaum jemand Hänseleien über mißglückte jüdische Dauerwellen (»Ihr habt die Schläfenlöckchen nicht schön!«) sondern regelmäßig Derberes.

    Immer dran denken: Wie fühlt man sich, wenn man grundlos und auch noch ohne Witz und Originalität beleidigt wird? Und warum ist man so erpicht darauf genau dieses anderen anzutun?

    @ Gelsenkirchen

    Es nahte der Umsteigebahnhof Kaiserslautern, und ohnehin war's nicht leicht dem antisemitischen Hobbynazi zwischen zwei Sätze zu fallen. Dennoch konnte ich ihn zum Abschied noch einen erschreckend dämlichen Menschen nennen (was einige Umstehenden zum Lächeln rührte — immerhin). Der Belehrung aber verweigern sich die Unbelehrbaren leider kategorisch (denkt er wahrscheinlich auch über mich, hat er doch sogar die Wissenschaftler auf seiner Seite — irgendwie tragisch).

    Um mal was Schönes zu berichten: Wer mal einen prima Tag unter mehrheitlich netten Leuten verbringen will, dem empfehle ich einen Besuch der Bundesgartenschau in Koblenz.

  • User
  • 16.05.2011 10:31:16 gelsenkirchen

    die Wissenschaftler ist immer ein topp-argument!

  • User
  • 16.05.2011 10:45:19 AntiMöller

    David Irving, zum schlechten Beispiel.

    Vor kurzem mal in einem "völkischen" Forum gesurft: Jesus, was die mittlerweile einen auf gebildet machen! Da wird auch fleissig wissenschaftliche Literatur aus dem 19. Jhdt. zitiert.

  • User
  • 16.05.2011 10:46:46 gelsenkirchen

    ich dachte ich guck nicht recht als ich letztens mehrere david irving bücher auf'm flohmarkt liegen sah. eine nachfrage bei der flohmarktleitung wurde mit einem achselzucken kommentiert.

  • User
  • 16.05.2011 11:00:26 rumpler

    Genrell sollte meiner Meinung nach der Fußball keine Basis für religiösen Fanatismus bieten. Ebensowenig für politischen.

  • User
  • 16.05.2011 11:42:44 Andreas Blenke

    @Anti:

    Was treibst Du Dich denn in völkischen Foren herum? Aus soziologischem Interesse oder zur Abfassung einer wissenschaftlichen Arbeit zu diesem Thema, nehme ich an!

    @Gelsenkirchen:

    Nicht über die Wissenschaftler schelten; das ist alles zweifelsfrei bewiesen! Ich sag nur »intelligent design« (bzw. Gott war wohl doch ein Nazi und der Messias sein Vollstrecker). Wenn nur nicht die jüdisch-bolschwistische Weltverschwörung mit ihrem bösartigen Intellektualismus in unser unschuldiges Weltbild immer die teuflische Saat des Zweifels säen würde.

    @Rumpler: Genau.

  • User
  • 16.05.2011 11:53:12 Yvy

    "verlor er allmählich"... leider leben wir ja in einer Welt, in der Meinungsfreiheit herrscht. Aber Fakten abzustreiten geht nicht mehr als Meinung durch:

    1977 leugnete er Adolf Hitlers Initiative am Zweiten Weltkrieg und sein Wissen vom Holocaust bis 1943. Dadurch verlor er allmählich sein bisheriges Ansehen als seriöser Sachbuchautor. Seit 1988 bestreitet er öffentlich den Vernichtungszweck der Gaskammern und Krematorien der Konzentrationslager Auschwitz. Er wurde deshalb in mehreren Staaten strafrechtlich verurteilt.

    Puh... ist der drauf...

  • User
  • 16.05.2011 11:56:03 AntiMöller

    @Andreas: "(...) kenne Deinen Feind und Du musst 100 Schlachten nicht fürchten" (Chinesischer Kriegskünstler schon vor 2500 Jahren)

    Ich schaue schon so, was die so aushecken.

  • User
  • 16.05.2011 11:56:46 AntiMöller

    Erschreckend viele Frauen dabei...

  • User
  • 16.05.2011 12:13:50 Andreas Blenke

    »(...) kenne Deinen Feind und Du musst 100 Schlachten nicht fürchten«

    Hätte vielleicht auch mal jemand dem Herrn van Gaal sagen müssen (nix für Ungut).

    Das mit den Frauen finde ich auch besonders befremdlich. Früher lernte ich mal auf einem politischen Seminar als einen der Unterschiede zwischen linken und rechten Extremisten, daß der Linke seinen Extremismus gerne aus einer funktionierenden Paarbeziehung heraus auslebt und diese Betätigung häufig nach Wegfall dieser Beziehung aufgibt, der Rechte hingegen meistens einfach keinen Schlag bei den Weibern (oder vorzeigbaren Kerlen) hat und deshalb seine Komplexe ins Politische verlagert, wobei dann der Extremismus abflaut, sobald der Topf einen Deckel gefunden hat.

    Keine Ahnung, ob sich das seither mit wachsender gesellschaftlich Akzeptanz neonazistischen Gedankengutes verändert hat. Ebenso verwirrend und merkwürdig wie weibliche finde ich homosexuelle Nazis.

  • User
  • 16.05.2011 12:16:28 AbteilungAttacke

    »(...) kenne Deinen Feind und Du musst 100 Schlachten nicht fürchten«

    Hätte vielleicht auch mal jemand dem Herrn van Gaal sagen müssen (nix für Ungut).


    Ja, aber hätte Louis lange genug warten können, bis die Leichen von Kalle und Hoeneß in der Isar an ihm vorbeigetrieben wären ?

  • User
  • 16.05.2011 12:42:56 Schwimmente Totenkopf

    @andreas
    ...Früher lernte ich mal auf einem politischen Seminar als einen der Unterschiede zwischen linken und rechten Extremisten, daß der Linke seinen Extremismus gerne aus einer funktionierenden Paarbeziehung heraus auslebt und diese Betätigung häufig nach Wegfall dieser Beziehung aufgibt,...

    Auf deinem Politischen Seminar wurde ziemlicher UNFUG verzapft!
    *kopfschüttel*
    Ziemlich oberflächliche und pseudoküchenpsychologische Betrachtungsweise a la "Frau im Spiegel", kann auch dieses Rinks-gleich-lechts-Gelabber vieler sogenannter Polit-Wissenschaftler und der herrschende "Totalitarismussthese" (kurz: "Sozialistische" Idee ist gleich schlimm wie Faschismus) nichts abgewinnen - im Gegenteil sie ist gefährlich! Sie verharmlost den Faschismus!

  • User
  • 16.05.2011 12:46:37 Schwimmente Totenkopf

    Extremisten ist übrigens auch ein Lieblingswort des Verfassungsschutzes ... kann ich nix mit anfangen, benutze es auch nicht!

  • User
  • 16.05.2011 12:48:04 Statistikfreund

    Anti zitiert Sun Tzu und hat damit durchaus recht.

    Da muss ich dann aber mal Kant zitieren und auf die webpage www.zeno.org aufmerksam machen: »Es soll sich kein Staat im Kriege mit einem andern solche Feindseligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Zutrauen im künftigen Frieden unmöglich machen müssen: als da sind, Anstellung der Meuchelmörder (percussores), Giftmischer (venefici), Brechung der Kapitulation, Anstiftung des Verrats (perduellio) in dem bekriegten Staat etc.« oder hierfür "übersetzt": Weist Andreas Blenke stilsicher darauf hin, dass es durchaus genügend Gesänge gäbe in denen man sich mit dem Stilmittel des ausgezeichneten jüdischen Humors über den Gegner lustig machen kann, muss man auch konstatieren, dass außerhalb Deutschlands dies auch ungleich unkritischer gesehen werden würde.

    Und damit zu Marco Polos Beitrag in Bezug auf Kant: Einem Gegner in einem Fußballstadion den "Tod" oder vergleichbares zu wünschen, ist stets abzulehnen-und nichts anderes heißt es, wird angestimmt man wolle eine U-Bahn bis Auschwitz bauen. Das weißt Du alles selbst: ja, und Du schreibst es ja auch.

    ...und dass so etwas möglich ist, sagt doch einiges aus über das Land, dass so stolz ist Anne Frank versteckt zu haben.
    Nun, das ist kein Schutz. Leider müssen wir das in Europa immer deutlicher erkennen, dass tapferer Widerstand und herausragende Leistungen im Widerstand gegen die Nazis nicht dazu gereichen, um auch im Anschluss "als Volk" auf dem richtigen Weg zu bleiben.

    Nun bin ich als Deutscher weit davon entfernt, anderen Völkern Vorschriften oder Vorwürfe zu machen. ABER ich darf, kann und MUSS ablehnen, was da unter britischer, skandinavischer aber auch niederländischer und polnischer Meinungsfreiheit skandiert und publiziert wird.

    Für mich bleibt es auch in Punkto Strafe für derlei Ausfälle dabei hier knallharte Strafen bis hin zum Ausschluss zu fordern. Juden den Tod zu wünschen, ihn gar einzufordern darf in einem Fußballstadion keinen Platz haben, wie andere Dinge (Rassismus, Kriegshetze, usw.) auch.

    Die niederländische Methode, Ajax-Fans den Hinweis auf ihre jüdischen Wurzeln zu verbieten, wo andere stolz diese in ihren neuen Vereinsbüchern ("Grün Weiss unterm Hakenkreuz"-gleichzeitig Buchtip, hier die Review der Presse), die Analysen mittels wissenschaftlicher Methodik stand halten, publizieren, halte ich für den falschen Weg.

    Und was ich mit den jungen Rotzlöffeln, die als Spieler sich befleißigen da noch mitzusingen, machen würde, schrieb ich schon mehrfach: Statt Sommerurlaub eine Freundschaftsspielreise durch die Orte des Grauens in Europa, selbstverständlich mit Besuch der Gedenkstätten. Mir erscheint auch eine Reise nach Nordkorea oder vergleichbar angebracht: um zu begreifen, was Freiheit bedeutet und das Meinungsfreiheit, wie alle Freiheit, bedeutet, dass man verantwortungsvoll damit umgehen muss.

  • User
  • 16.05.2011 14:34:17 gelsenkirchen

    Bzgl. "jüdischer Wurzeln": ich finde es besteht mittlerweile die Gefahr, dass man sich mit eben diesen Wurzeln schmückt bzw. Opfer des Nationalsozialismus im eigenen Verein quasi als Trophäe herhalten müssen. So nach dem Motto: "Seht her, unser Platzwart und unser Linksaussen wurden vergast - wir sind auf der richtigen Seite!" Gedenken ist sicherlich gut, aber als Zweck der Inszenierung fehl am Platze.
    Deswegen finde ich das verhalten von Bayern richtig, dass die jüdischen Strömungen im verein zwar landläufig bekannt sind, daraus aber kein großes Tamtam zu veranstalten bzw. damit hausieren zu gehen.

  • User
  • 16.05.2011 14:38:48 saloth sar

    der user cantona7 zb, geht damit ziemlich haeufig hier im forum hausieren und beklagt sich sinngemaess, dass die bayern es nicht genug tun

  • User
  • 16.05.2011 15:18:57 AntiMöller

    "und beklagt sich sinngemaess, dass die bayern es nicht genug tun "

    Ja, finde ich allerdings auch, engedenk der Tatsache, daß selbst so ein alter Sack wie ich, erst kürzlich hier von Landauer erfahren hat.

    Will sagen: man kann ruhig "mehr tun", allerdings sollte man auch nicht triumphierend hausieren gehen/es nicht vermarkten.
    Allerdings könnte ein derart wohlhabender Verein z.B. vielleicht sowas wie ne "Landauer-Stiftung" aufmachen, welche sich (auch vereinsübergreifend? Unterm Mantel des DFB?) entsprechend engagiert. Das könnte alles mögliche sein, aber in der Jugend wäre der Zaster sicher gut angelegt.

  • User
  • 16.05.2011 15:29:01 rumpler

    Unterm Mantel des DFB?

    Na, das vielleicht lieber nicht.

  • User
  • 16.05.2011 15:51:53 AntiMöller

    Heute 15:29:01 von rumpler
    Unterm Mantel des DFB?

    Na, das vielleicht lieber nicht.


    Du meinst, es klingt so, wie "Jugendarbeit unter der Soutane der katholischen Kirche"?

  • User
  • 16.05.2011 15:57:57 AntiMöller

    Heute 15:53:58 von Schwimmente Totenkopf
    Oder Antikorruptionsarbeit unter der Äigide der FDP?


    FIFA, wie letzte Woche hier verkündet! Ein "Antikorruptionsbüro in Singapur". Allein, wie das schon klingt...

  • User
  • 16.05.2011 18:01:24 Fix

    Wo zieh ich den die Trennlinie zwischen Erinnerung an jüdische Fußballspieler eines Vereins & mit dem Thema hausieren gehen? Ich denk, dass ist nicht einfach. Da der Vorwurf des Hausieren gehens, dann mal schnell in umlauf gebracht wird.


    Ihr werdet mich vielleicht verachten, aber manchmal beneide ich Menschen, die auf fast alle Probleme eine einfache, jedoch völlig absurde, den Tatsachen widersprechende Meinung/Lösung haben. Ich beneide diese Menschen um ihre Naivität. Erklärungen wie bspw. die Juden sind an allem schuld etc. stellen für solche Menschen die Lösung aller politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, ja selbst sportlichen Ereignisse / Probleme dar.

    Ich beneide diese Menschen um ihre Naivität mit der sie alles erklären wollen.
    Ausgangsituation: Ich stehe vor einem Problem und hab es vermeintlich mit einer simplen, jedoch falschen Erklärung gelöst. Obwohl ein Blick in ein Lexikon oder das lesen von Büchern, sichten von Film- und Audiomaterial, etc. mir unmissverständlich klar macht, dass meine vermeintliche Erklärung völliger Bullshit ist. an dieser Stelle denk ich mir wie einfach doch so ein Leben sein muss, wenn man für alles die eine Erklärung / Lösung hat.

    Und dann denk ich mir: Mannomann sind die Stulle, kann man diesem Menschen helfen. Vielleicht ja nur bei mir lösen diese Menschen einfach einen Fluchtreflex aus. Auch wenn ihnen ein vernünftiges Gespräch unter Umständen mehr helfen würde.

  • User
  • 16.05.2011 19:17:11 Statistikfreund

    Heute 14:34:17 gelsenkirchen

    Bzgl. "jüdischer Wurzeln": ich finde es besteht mittlerweile die Gefahr, dass man sich mit eben diesen Wurzeln schmückt...


    Das tut Rapid auch nicht, außer, dass man sich dahingehend äußert, froh zu sein, dass unter den Spielern keiner NSDAP-Mitglid war, usw., usw....bitte sieh mir nach, dass ich die Wortbedeutung unterschätzte und das Wort "stolz" hier falsch anwendete.


    Heute 15:51:53 AntiMöller
    ...Du meinst, es klingt so, wie "Jugendarbeit unter der Soutane der katholischen Kirche"?

    Eine bescheidene Frage Anti: Würdest Du das auch so schreiben bzgl. der jüdischen Glaubensgemeinschaft?

  • User
  • 17.05.2011 14:14:09 Rhoenschaf

    @Fix
    Ich darf nicht singen:
    scheiß Tifosi
    scheiß Römer
    ....
    ....
    ....
    scheiß Dortmunder

    das einzige was geht wäre: Scheiß S04

    Da ich hiermit einen Fußballverein während des Spiels beleidige und nicht eine Gruppe von Menschen aufgrund ihrer Herkunft diskriminiere?


    Da liegst du völlig falsch! Man darf Menschen weder wegen ihrer Herkunft noch wegen ihrer religion diskriminieren und schon mal garnicht weil sie behindert sind also fällt "scheiß S04" auch weg..

  • User
  • 17.05.2011 14:19:30 AbteilungAttacke

    Ja, aber da "„grausam und ungewöhnliche“ Strafen nach US-Recht verfassungswidrig sind, dürfte auch kein Ami ein Schalkefan sein.

  • User
  • 17.05.2011 14:21:07 Cantona 7

    der user cantona7 zb, geht damit ziemlich haeufig hier im forum hausieren und beklagt sich sinngemaess, dass die bayern es nicht genug tun

    ich hab damit nur ein problem, weil man oft genug z.B vergisst das nicht herr beckenbauer sondern herr landauer der präsident mit der längsten amtszeit war. komischerweise wird das nie erwähnt und meistens irgendwelche lügen verbreitet! das hat der mann nich verdient, vorallem nich wenn man den hintergrund betrachtet! Oftmals hab ich das gefühl, der verein will von seiner vergangenheit nichts wissen und das wird der sache einfach nich gerecht!

  • User
  • 17.05.2011 14:22:29 rumpler

    ...Du meinst, es klingt so, wie "Jugendarbeit unter der Soutane der katholischen Kirche"?
    Eine bescheidene Frage Anti: Würdest Du das auch so schreiben bzgl. der jüdischen Glaubensgemeinschaft?


    Gehen die Juden ihren Knaben auch an den Zipfel?

  • User
  • 17.05.2011 14:25:22 saloth sar

    Gehen die Juden ihren Knaben auch an den Zipfel?

    ja und nennen es beschneidung

  • User
  • 17.05.2011 14:28:56 rumpler

    100 Punkte!

  • User
  • 08.06.2011 11:55:26 derwusler

    Liebe community...


    Als Bayernfan und Jude muss ich sagen: ich bin sehr froh, wie differenziert hier mit dem thema umgegangen wird. ich selber habe als kind in der bayernkurve noch öfters mal antisemitische gesänge gehört. wobei mir der albernste in erinnerung geblieben ist. vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere. es ging da um rot-weiss oberhausen, haching, 60 und den fcb. das ganze wurde zum schluss abgreundet mit "ajax ist ein judenclub". die kohärenz ist mir bis heute schleierhaft geblieben. heute gibt es bei bayern kaum noch solche tedenzen. der vereinzelte besoffene, der "schiri du jude" schreit bleibt die, alle umliegenden beschämende, ausnahme.

    es freut mich zu lesen, dass das thema antisemitismus im fußball hier kritisch diskutiert wird und das ganze trotzdem unbeschwert und mit einer ordentlichen portion humor vor sich geht. ich habe sehr gelacht bei "ihr habt die schläfenlocken nicht so schön" (, die wir übrigens pajes nennen).

    antisemitismus erschreckt mich jedes mal wenn ich damit konfrontiert werde. leider passiert das immer noch zu häufig und in verschiedenen formen.

    wenn z.b die fans des HFC skandieren "Juden Leipzig" o.Ä. empfinde ich das als verletzend, da das wort jude offensichtlich als schimpfwort missbraucht wird. dagegen kann ich mich nur strikt wehren.

    der fc bayern dürfte meiner meinung nach ruhig offensiver mit seiner vergangenheit umgehen. es gab zwar zuletzt schon eine aufarbeitung im verein (kurven-choreo zu ehren landauers) und der fcb unterstütze auch den jüdischen Sportverein Maccabi münchen beim bau des neuen platzes, der ebenfalls nach landauer benannt wurde. es gab sogar ein allstar-benefizspiel.
    wenn man als vergleich heranzieht, dass der tsv 1859 seine nazi vergangenheit enfach ignoriert und vorsorglich im vereinsarchiv die zeit zwischen 33 und 45 so kosequent ausspart, dass sogar der gewinn des tschammer-poklas (damas was heute der dfb pokal ist) unter den tisch fallen gelassen wird, lässt sich erkennen, zu welchen anstrengungen vereine bereit sind, nur um sich nicht mit ihrer vergangenheit auseinandersetzen zu müssen. mit ausnahmen versteht sich.

    ich würde mir wünschen, dass gerade vereine wie der fcb, die eine große bayrisch-jüdische traditon haben, dieses erbe auch für die fankultur adaptieren. immerhin ist diese tradition ein charakteristikum der club-kultur. die tottenham fans (the yids) oder ajax anhänger machen das stärker. dass das zu entgleisungen der gegnerischen fans führt, ist ja nicht zwangsläufig muss selbstverständlich unterbunden werden. wie hier beriets besprochen gibt es ja auch genug humorvolle antworten auf die jüdische identität eines konkurrierenden vereins.

    bayrisch jüdische fangesänge wären mir ein ohrenfest im stadion. viele nicht-jüdische deutsche kennen doch z.b. das israelische volkslied "hava nargila". zu dieser melodie würden sich doch wunderbare schlachtgesänge reimen lassen.

    @andreas

    solche gesichten wie du sie im zug erlebt hast, habe ich auch schon zur genüge gehabt. leider gibt es diese menschen und man kann ihre meinung auch mit den härtesten fakten und dem besten willen nicht ändern. aber chapeau für deine reaktion. es ist wichtig den umstehenden leuten, die sich nicht einmischen zu zeigen, dass solche "meinungen" nicht einfach tolleriert werden.

  • User
  • 08.06.2011 19:16:56 Andreas Blenke

    @wusler

    Danke, für das Lob. Du kennst die Situation ja, am liebsten würde man jeder einzelnen dieser Wahrheiten, jedem dünnen Argument mit der Autorität dessen der es besser weiß (allein aus dem Grunde, daß er es wirklich wissen will) entgegentreten und diesen ganzen unseligen Mist in der Luft zerpflücken. Das Frustrierende ist nur, man könnte diesen Kampf nur gewinnen, wenn diese Wichte sich auf ihn einließen.

    Stattdessen weichen sie jeder widrigen Aussage mit einer neuen hohlen Phrase, mit einer weiteren, noch abstruseren Theorie aus; es ist der Kampf gegen die lernäische Schlange der selbstgewählten Dummheit. Besiegen kann man sie wahrscheinlich nicht, aber man muß ihnen auch nicht weichen. Auch wenn sich das manchmal schon wie eine Niederlage anfühlt, besonders weil sie immer noch so viele sind, und man den Eindruck hat, es werden wieder mehr.

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