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14.04.2011

Ingo Anderbrügge über Schalkes neue »Eurofighter«

»Das Trikot gab's vom Zeugwart«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

Ingo Anderbrügge war dabei, als 1997 aus ein paar Ruhrpott-Jungs die legendären Schalker »Eurofighter« wurden. Nach dem gestrigen Halbfinal-Einzug in der Champions League, sprachen wir mit ihm über Javier Zanetti und Comics aus Holland.

Ingo Anderbrügge über Schalkes neue »Eurofighter« - »Das Trikot gab


Ingo Anderbrügge, Schalke 04 steht im Halbfinale der Champions League. Wie viel vom Geist der legendären »Eurofighter« von 1997 erkennen Sie in der Schalker Mannschaft der Gegenwart wieder?

Jede Mannschaft hat ihren eigenen Charakter, ein Vergleich ist also schwierig. Wir waren damals ein Haufen Jungs aus dem Ruhrgebiet, die teilweise schon jahrelang für Schalke spielten. Ich war ziemlich am Ende meiner Karriere, aber für Typen wie Jens Lehmann oder Tommy Linke war der UEFA-Cup-Sieg der Startschuss für eine große Karriere. Heute heißen die Helden Raúl oder Papadopoulos, aber den besonderen Europapokal-Geist erkenne ich auch in diesen Jungs wieder.



Worin unterscheidet sich die Mannschaft von 2010 von der 1997er-Truppe?

Wir waren damals durch die Bank ziemliche No-Names. Heute hat Schalke den besten Torwart der Welt zwischen den Pfosten und im Angriff steht der beste Torschütze der Champions-League-Geschichte. 1997 hatten wir Anderbrügge, Eigenrauch und Wilmots.

Der 5:2-Sieg aus dem Hinspiel wird höchstwahrscheinlich als das »Wunder von Mailand« in die Schalker Vereinschronik eingehen. Haben Sie eine Erklärung für diese Leistungsexplosion?

Das kann man nicht erklären. Das hier ist Schalke, das hier ist der Europapokal – zwei Faktoren, die völlig unberechenbar sind. In der Partie gegen Mailand haben Spieler wie Edu, Baumjohann oder Sarpei das beste Spiel ihres Lebens gemacht. Vielleicht werden sie nie wieder so gut Fußball spielen wie in den 90 Minuten von Mailand. Ist das zu erklären? Nein.

Hans Sarpei setzte sich in zwei Spielen gegen einen der besten Außenverteidiger der Welt durch: Den Brasilianer Maicon. Auch Sie hatten 1997 einen prominenten Gegenspieler...

Und der spielt sogar heute noch: Javier Zanetti. Damals war das ein junger Kerl, und ich lief mir die Füße wund, damit er mir nicht durch die Lappen ging. Obwohl ich glaube, dass Zanetti den Namen Anderbrügge auch nicht so schnell wieder vergessen hat. Ich sorgte jedenfalls für ein anständiges Andenken und schnappte mir nach dem Final-Hinspiel sein Trikot.

Und dafür bekam er Ihr Leibchen?

Nö, unsere Trikots haben die Mailänder überhaupt nicht interessiert. Das ärgert mich auch heute noch ein bisschen: Schließlich hatten wir das Spiel gewonnen, normalerweise hätte Zanetti den Anderbrügge höflich um den Trikottausch bitten müssen. Stattdessen rannten er mit seinen Kollegen halbnackt in die Kabine.

Welches Trikot besorgten Sie sich im Rückspiel?

Das war schon immer das Problem beim Trikottausch: Wenn du zu spät kommst, gibt es nur die Ersatzspieler oder gar nichts. Weil ich nicht mit leeren Händen nach Hause kommen wollte, klopfte ich nach der Pokalübergabe noch freundlich die Kabinentür von Inter – und ließ mir vom Mailänder Zeugwart ein Trikot geben.

Die Europapokalsieger von 1997 sind bis heute Schalker Legenden. Wann stellt man die jetzige Schalker Generation unter Denkmalschutz?

Einige Spieler haben sich das doch jetzt schon verdient. Wir haben auf Schalke ja eine so genannte Ehrenkabine, eine Art »Hall of Fame« für verdiente Ex-Schalker, zu der auch ich gehöre. Da werden sicherlich demnächst mal wieder neue Plätze besetzt.

Welche Spieler schweben Ihnen da vor?

Für Raúl haben wir bestimmt bald einen Platz frei. Auch für Manuel Neuer – dafür sollte er allerdings nicht zu den Bayern wechseln. Das würde vermutlich gegen die Aufnahmebestimmungen in die Schalker Ehrenkabine verstoßen.

Seinen Platz im Herzen der Schalke-Fans hat Raul ja nun immerhin sicher...

...sie meinen seinen versuchten Fangesang vor der Nordkurve?

Genau. Wie hat er Ihnen gefallen?

Bis man ihm den Text übersetzt hatte, war ja schon fast Mitternacht. Ich habe mich kaputt gelacht über seine Mitspieler – die saßen minutenlang ratlos auf dem Rasen und konnten weder vorn noch zurück. Ich glaube, ich hätte irgendwann die Schnauze voll gehabt und mir selbst das Mikro gegriffen.

Gegner im Halbfinale ist Manchester United. Uniteds Torwart Edwin van der Sar gab vor laufender Kamera zu, mit der Mannschaft von Schalke 04 nicht viel anfangen zu können.

Das habe ich auch gesehen. Was für eine arrogante Antwort! Das kann mir doch keiner erzählen, dass Edwin van der Sar nicht weiß, wer Schalke 04 ist. Da frage ich mich, was er macht, wenn das Training zu Ende ist. Liest der nur Comics? Nur gut, dass auch der Holländer Edwin van der Sar bald wissen wird, wer Schalke 04 ist.

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Als Schalke den UEFA-Cup gewann >>>




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Huch! Keine billige Fälschung, sondern ein echter Anderbrügge im Dortmund-Trikot. Da spielte der am 2. Januar 1964 in Datteln geborene Mittelfeldmann bis 1988, ehe er die Seiten wechselte...


Fotostrecke

  • Huch! Keine billige Fälschung, sondern ein echter Anderbrügge im Dortmund-Trikot. Da spielte der am 2. Januar 1964 in Datteln geborene Mittelfeldmann bis 1988, ehe er die Seiten wechselte...
  • ...und beim FC Schalke 04 anheuerte. Hier im Zwiegespräch mit Radmilo Mihajlović.
  • Denker und Lenker – in Gelsenkirchen wurde Anderbrügge zur Kultfigur. In 321 Spielen gelangen dem Linksfuss 82 Tore, hier überlegt er sich die Freistoßvariante gemeinsam mit Günther Güttler (links) und Andreas Müller.
  • Helden wie wir! Schalkes Mauer samt Organisator Anderbrügge anno 1993.
  • Der Seitenwechsler: Als Ex-Dortmunder netzt Anderbrügge hier zum 1:0-Heimspielerfolg im Revierderby ein. Steffen Freund fliegt zu spät heran.
  • Der Trainer und sein verlängerter Arm: Huub Stevens gibt Ingo Anderbrügge Tipps. Vielleicht will er ihm auch endlich das lästige Nasenpflaster ausreden.


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Kommentare

  • User
  • 15.04.2011 16:13:02 gelsenkirchen

    Wahnsinn! Ein Artikel über Ingo Anderbrügge mit Bilderserie und nirgendwo ist die "linke Klebe" erwähnt!

  • User
  • 15.04.2011 16:38:05 GTEvo

    Oliver Held
    Yves Eigenrauch
    Uwe Weidemann*
    Andreas Müller
    Thomas Linke
    Johan de Kock
    Radoslav Latal
    Jiri Nemec
    Marc Wilmots
    "Wir waren damals ein Haufen Jungs aus dem Ruhrgebiet"

    Iss klar, nä!?

  • User
  • 15.04.2011 19:39:44 Veltinsbauch Eufi

    Jens Lehmann (Essen)
    Martin Max (Recklinghausen)
    Olaf Thon (GE)

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