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06.04.2011

Peter Neururer über Schalkes Edu

»Mir wird lauwarm ums Herz«

Interview: Dirk Gieselmann  Bild: Imago

Peter Neururer holte Edu einst nach Bochum. Dort schlug der Brasilianer ein fatales Luftloch, das das Aus im UEFA-Cup bedeutete. Diese Schmach sieht Neururer nach dem Inter-Spiel endgültig getilgt: »Jetzt ist Edu ein Schalker Held!«

Peter Neururer über Schalkes Edu - »Mir wird lauwarm ums Herz«


Peter Neururer, sind der Bochumer Edu und der Schalker Edu ein und derselbe Mann?

Peter Neururer: Einerseits ja, andererseits nein. Er ist natürlich noch der Mensch, den ich kennen gelernt habe, ein enorm begeisterungsfähiger und einsatzbereiter Spielertyp. Aber heute ist er Stürmer – nach Bochum habe ich ihn damals allerdings als Verteidiger geholt.



Sie selbst sollen ihn umgeschult haben.

Peter Neururer: So ist es. Meine Spieler hatten einfach Angst vor dem Innenverteidiger Edu bekommen. Immer wenn der Ball in seine Nähe kam, bestand ein Restrisiko, dass er ein halsbrecherisches Experiment startet. So kam es, dass ich ihn aus der Gefahrenzone nahm und in den Sturm stellte. Dort konnte er sich ausprobieren, ohne dass sofort ein Gegentor drohte.

Ausschlaggebend dürfte ein fatales Luftloch gewesen sein, das Edu im UEFA-Cup-Spiel 2004 gegen Standard Lüttich schlug. In der 92. Minute resultierte daraus 1:1, Bochum flog aus dem Wettbewerb.

Peter Neururer: Die Inszenierung des Fußballs funktioniert leider so, dass solche Bilder in Dauerschleife gezeigt werden. Nicht nur in Bochum assoziiert man Edu deshalb mit diesem kapitalen Fehler. Aber das wird ihm nicht gerecht. Er hat danach viel für den Verein getan. Sein unbändiger Wille resultierte eben auch aus dem Spiel gegen Lüttich. Er wollte etwas wieder gut machen.




Die Partie gegen Lüttich war auch für Sie ein Schicksalspiel. Es scheint, als wäre die Mannschaft bis zum Saisonende nicht darüber hinweggekommen. Sie stieg schließlich aus der Bundesliga ab, Sie traten als Trainer zurück.

Peter Neururer: Ich gebe zu, dass es mir höchstens lauwarm ums Herz wird, wenn ich Edu sehe – er ist auch für mich die personifizierte Erinnerung an Lüttich. Das Aus durch ein spätes und auch noch selbst verschuldetes Gegentor ist immer extrem bitter. Aber zu Edu selbst habe ich ein sehr aufgeräumtes Verhältnis. Ich gönne ihm voll und ganz, dass er gestern Abend so groß aufgetrumpft hat.

»Ja gut, Edu – ich glaub', den kannt' ich gar nicht«, sagte Franz Beckenbauer gestern Abend.

Peter Neururer: Tröstlich, dass selbst der Kaiser nicht allwissend ist. In der Tat hatte auch ich Edu ein wenig vom Radar verloren, nachdem er 2007 nach Südkorea zu den Suwon Bluewings gegangen war. Als Felix Magath ihn letztes Jahr auf Schalke aus dem Hut zauberte, war ich, ehrlich gesagt, ein bisschen überrascht.

Hätten Sie gedacht, dass er sich durchsetzen würde?

Peter Neururer: Wer sich im laufenden Betrieb vom Innenverteidiger zum Stürmer umschulen lässt, dem traue ich vieles zu. Und wenn auf Schalke eines Konstanz hat, dann die Wertschätzung, die man dort Kämpfernaturen entgegenbringt. Spielern wie Edu.

Ist es Edus besonderer Vorteil als Stürmer, dass er das Gedächtnis eines Innenverteidigers hat?

Peter Neururer: Wenn er auf Ivan Cordoba zugeht, dann weiß er, was der vorhat – inklusive aller miesen kleinen Tricks. Er hat keine Angst vor einem Krieger wie Cordoba. Und das ist ein unschätzbares Kapital, besonders gegen eine Mannschaft wie Inter Mailand, die über ihre Härte auch Angst schüren will.

War das Spiel gegen Inter das stärkste, das Sie von Edu je gesehen habe?

Peter Neururer: Es war ein sehr starkes Spiel vor einem Millionenpublikum. Insofern war es sicherlich eines der meistbeachteten seiner Karriere. Es war auch höchste Zeit, dass das Lüttich-Spiel endlich aus dem kollektiven Bewusstsein verdrängt wird. Edu ist nun nicht mehr der Bochumer Pechvogel, er ist jetzt ein Schalker Held.




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Kommentare

  • User
  • 06.04.2011 14:08:08 AbteilungAttacke

    Diese Schmach sieht Neururer nach dem Inter-Spiel endgültig getilgt: »Edu ist nun nicht mehr der Bochumer Pechvogel, er ist jetzt ein Schalker Held.!«

    So mal für die Blöden unter uns gefragt - warum zum Teufel bitte sollte irgend eine Tat von Edu für Schalke die Schmach tilgen, die er den Bochumern angetan hat ? Selbst wenn er 1000 Tore schiessen würde.

    Und das mit der Verlinkung des Videos musste auch nicht sooooo unbedingt sein.

  • User
  • 06.04.2011 14:12:33 Dschungelking

    Boa, du bist ja voll krass nachtragend!

  • User
  • 06.04.2011 15:49:40 Besserwisser 76

    Echt, der war das? Hätte nicht gedacht, dass der schon so alt ist.....Sachen gibts :-)

  • User
  • 06.04.2011 20:58:43 digo4166

    boah,schwafelkopp neururer. wie immer nur ganz schwer zu ertragen.
    das ausscheiden gegen lüttich kann er sich ganz allein auf die fahne schreiben. noch immer die niederlage edu in die schuhe zu schieben, zeigt wes geistes kind er ist und warum er nun schon seit langer zeit nirgendwo unter kommt. von sich selbst besoffen und in seiner eigenen realität lebend.
    edu war damals knapp 20, solche fehler passieren.
    neururers fehler an diesem tag war die völlig falsche ausrichtung nach der führung. der gegner war im sack,es bestand ein klares übergewicht des vfl. dann wurde auf ergebnis gespielt. die beiden einzigen spieler die in der lage waren den ball zu halten(darius und bechmann) wechselte tanzbär peter aus und gab der truppe damit ein fatales signal. alles zurück und zittern.
    neh, peter das ding hast du alleine verbockt. zeig endlich mal anstand und steh zu deinen fehlern.

  • User
  • 06.04.2011 22:24:22 AbteilungAttacke

    @ digo

    So können die Erinnerungen auseinander gehen.

    Sicher, die Rausnahme vor allem von der Zaubermaus war ein Signal, dass es nunmehr allein ums Halten ging. Aber das war in der 83. respektive 85. Minute. Wer bitte spielt denn ab so einem Zeitraum noch auf Sturm, und nicht auf Ergebnis ?

    Zugegeben, so ab er 88. Minute fing das große Zittern an - wie es immer bei solchen Spielen ist. Aber bis dahin hatten die Bochumer Lüttich im Griff. Und, daran kann ich mich noch sehr genau erinnern, Edus Luftloch war kein Fehler, der aus Unerfahrenheit passiert. Sowas darf einfach nicht passieren.

    Der Peter mag nicht Perfekt sein, aber er hat den Bochumern, um nicht zu sagen, "uns" davor die beste Bochum-Saison aller Zeiten geschenkt. Und damit meine ich nicht die Quali, sondern die Siege gegen Dortmund und Schalke und den Titel "beste Mannschaft des Ruhrgebiets".
    Und zu behaupten, Neururer hätte das Ding allein verbockt, ist falsch. Jedenfalls näher dran an der Wahrheit ist, dass Edu das "Ding allein verbockt hat".

  • User
  • 11.04.2011 02:25:06 xx11nono11xx

    @ abteilung attacke

    "...Edus Luftloch war kein Fehler, der aus Unerfahrenheit passiert. Sowas darf einfach nicht passieren."

    Warum DARF das nicht passieren? Ich verstehe nicht ganz, denn natürlich ist der Fehler ärgerlich, ich hab ihn damals übrigens live gesehen und Edu genauso (aber nur kurzzeitig) verflucht. Fakt ist doch aber nunmal, dass Fehler im Fußball passieren. Und kein Fehler der nicht mit Absicht begangen wurde, "darf nicht passieren".
    Fehler passieren immer wieder, jeder macht sie, mal größere, mal kleinere. Aber niemals ist ein einzelner individueller sportlicher Fehler für ein den Ausgang eines Spiels verantwortlich, noch weniger für das Schicksal eines Vereins. Wem man das noch erklären muss, hat von Fußball nicht viel verstanden.

    Oder was sollte man deiner Meinung nach mit Edu machen? Ihm seine fußballerische Qualität abprechen? Dann aber bitte auch Olli K. der mich um einen WM Titel betrogen hat. Und Zidane erst. Nur gut, dass ich kein Franzose bin. Das Schöne ist doch, dass man immer wieder aufs Neue eine Möglichkeit hat sich zu beweisen und auszuzeichnen. Damit ist der Sport wie so oft Vorreiter für die vielen anderen Aspekte des Lebens. Und Edu ist das in diesen Tagen das perfekte Beispiel dafür.

    Google mal "Pepe Ausraster" dann weißt du welche Fehler im Fußball NICHT passieren DÜFREN.

  • User
  • 11.04.2011 02:29:41 xx11nono11xx

    "...Aber zu Edu selbst habe ich ein sehr aufgeräumtes Verhältnis."

    Warum aufgeräumt? Was gab es denn da aufzuräumen? Wie er sich selber einfach immer wieder um Kopf und Kragen redet.

  • User
  • 11.04.2011 02:42:07 xx11nono11xx

    einen noch...fragt Euch mal was in dem Jungen damals vorgegangen ist, nachdem er den Fehler gemacht hat. Fragt Euch, wie Ihr Euch gefühlt hättet. Dann fragt Euch, warum er danach nach Asien gewechselt ist um Fußball zu spielen. Und dann denkt in diesem Zusammenhang nur mal ne Sekunde an zB Sebastian Deisler oder Robert Enke.

    Ich finds sch..., dass ihr das Video nochmal gepostet habt!

  • User
  • 11.04.2011 08:14:20 vorstopper

    Es ist wirklich schlimm.

    Das Edu nun so tief gefallen ist, hat tatsächlich niemand gewollt...

  • User
  • 11.04.2011 09:57:56 AbteilungAttacke

    @ 11


    Oder was sollte man deiner Meinung nach mit Edu machen?
    Nach NORDKOREA schicken. Und der olli, den hat der Lucio vor der Halbzeitpause KAPUTTGETRETEN, so dass der Titan den Ball dann fallen lassen MUSSTE. Aber Scherz beiseite.

    Live hab' ich ihn auch damals gesehen - und war seit dem Tag nicht mehr an der Castroper Straße (was aber auch andere Gründe hatte). Und muss gestehen, ich habe ihn etwas länger verflucht. Sehr viel länger.

    Das sowas natürlich mal passieren darf aus objektiven Gesichtspunkten.

    Aber aus Sicht eines "Sympathisanten" (Fan würde ich mich nicht nennen), nach einem Spiel, wo man den Gegner 85 Minuten im Griff hatte, und - im Video nicht so klar wie in meiner Erinnerung - Edu quasi alle Zeit der Welt hatte, den Ball wegzupöhlen, DARF soetwas nicht passieren.
    Es sei daran erinnert dass im Gefolge des Quali-Ausscheidens der Abstieg folgte. Natürlich ist da magisches Denken im Spiel - und ich behaupte insoweit ja auch nicht, rational zu sein - aber hätte Edu den scheiß Ball geklärt, dann wäre Bochum nicht abgestiegen.

    Was das Pepe-Argument angeht: Im Unrecht gibts bekannterweise keine Gleichheit. Wobei es, ebenso wie im Falle von Deisler und Enke sowas von an der Vergleichbarkeit mangelt. Das hinkt nicht nur, dass hat schon gebrochene Beine.

  • User
  • 11.04.2011 11:12:12 MarcRamone

    Ich finde den Vergleich mit Deisler und Enke gar nicht so unpassend, fand die Betrachtungsweise sogar ziemlich interessant.

    Edu hat bestimmt verdammt viel Gegenwind erfahren in der Folgezeit und das muss man auch erstmal wegstecken. Ihm slebst hat die "Tat" bestimmt am wenigsten gefallen und dann noch "den Rest der Welt" gegen sich plus einen schlechten Ruf, Versager usw. usf. noch oben drauf. Da war ein nationaler Wechsel doch kaum möglich. Da galt es doch nur "immer feste druff", wenn es um Edu ging. Nicht alle können so etwas psychicsch leicht wegstecken, egal wieviel sie verdienen. Von daher war der Vergleich mit Deisler und Enke ein guter Ansatz.

    Ich freue mich für ihn, dass die "Lachnummer" vorbei ist und er sich als klasse Fußballer auszeichnen kann. Hier gilt auch mal ein großer Dank an Magath. Muss man auch mal sagen.

  • User
  • 11.04.2011 13:14:00 AbteilungAttacke

    @ Marc

    Ob er jetzt "bundesweit" angeschissen wurde, weiß ich nicht. In Bochum war er zwar unten durch - aber es ist keienswegs so, dass der Mob sich vor der Geschäftsstelle einfand mit Fackeln und Edu-Strohpuppen.

    Was umgekehrt nicht heissen soll, dass er a) sonderlich beliebt war oder b) sein Wechsel weg von Bochum nicht wegen dieser Geschichte resultierte. Nur dass er dann gleich nach Korea ging, kann man wohl kaum dem "Dissens" in die Schuhe schieben.

    Und was Enke und Deisler angeht: Beide haben über einen längeren Zeitraum - offenkundig - eine Menge geistiges Gepäck geschultert, so dass es sich irgendwann zu einer veritablen, psychischen Erkrankung auswuchs. Die Vergleichbarkeit fehlt daher m.E. schon deshalb, weil es, anders als bei Edu, kein "Schlüsselerlebnis" gab, wonach Deisler und oder Enke persona non grata im Verein (oder meinetwegen auch im ganzen Land) gewesen sind. Im Gegenteil, sowohl Enke als auch Deisler waren bis zum Ende (ihrer Karrieren...) in ihrem jeweiligen Verein sehr geschätzt.

    Es mag natürlich sein, dass auch Edu im Inneren ein zerbrochener Mann und psychisch krank (!) ist. Beim Robert konnte man das ja auch nicht sehen. Allein, mir fehlt der Glaube. Auch und gerade an der Vergleichbarkeit.

  • User
  • 11.04.2011 13:45:20 vorstopper

    Kommt mal wieder runter...

    Edu hat sich als Stürmer mit seinen 2. Liga Toren (12!) für Bochum recht schnell wieder bei den Fans im Stadion "beliebt" gemacht.
    Er wurde weder ausgepfiffen oder gemobbt. (Wie z. b. Maltritz dann und wann)
    Sein Absturz begann erst mit seinem Wechsel nach Mainz... ;-)

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