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28.03.2011

VVV-Venlo hofft auf deutsche Fußballfans

Die holländische Alternative

Text: Daniel Marx  Bild: Imago

VVV-Venlo ist der Klub, bei dem Keisuke Hondas Stern aufging. Der Verkauf des Japaners sprengte alle Dimensionen des Grenzstadtklubs, der in der Eredivisie nach wie vor ein Außenseiter ist. Mit neuem Stadion und deutscher Hilfe will VVV sich nun etablieren.

VVV-Venlo hofft auf deutsche Fußballfans - Die holländische Alternative


Im Januar schien es für alle Kaderplaner der Bundesliga oberste Maxime zu sein, von irgendwoher einen Japaner zu verpflichten. Alleine der Hype um Shinji Kagawa schien seine Landsleute Shinji Okazaki (zum VfB), Hajime Hosogai (Leverkusen) und Tomoaki Makino (Köln) nach Deutschland gespült zu haben. Nachdem Japan im Januar diesen Jahres den Asien-Cup gewonnen hatte, waren sie den Herren Hasebe, Yano, Uchida und Kagawa in die Bundesliga gefolgt.



Zum besten Spieler dieses Turniers wurde allerdings einer ihrer Mannschaftskollegen gewählt, ein 24-Jähriger, der zwei Jahre lang völlig unbeachtet im Vorhof der Bundesliga auf Torejagd ging: In der niederländischen Eredivisie. Spätestens seit der WM 2010 kennt jedes Kind in Japan Keisuke Honda. Er erzielte in Südafrika zwei Tore für »Nippon« und wurde zum Superstar. Ein halbes Jahr vorher kickte er noch bei dem kleinen Verein VVV-Venlo, nur einen Steinwurf entfernt von der niederländisch-deutschen Grenze. Sein Verkauf sicherte dem Klub den Etat nahezu einer ganzen Saison. 

Sechs Millionen +X für Honda

Während Honda mit seinem 30-Meter-Freistoß zum 1:0 gegen Dänemark am letzten Vorrunden-Spieltag Japans Anhänger in Ekstase versetzte, schwankte die Gefühlslage in der niederländischen Provinz Limburg zwischen Wehmut und Stolz. Robert Pinior lässt keinen Zweifel aufkommen: »Honda ist der beste Spieler, der jemals seine Schuhe für Venlo geschnürt hat.« Der 25-jährige Mönchengladbacher studiert BWL an der Universität in Düsseldorf und ist »Deutschland-Verantwortlicher« der Grenzstädter. Betriebswirtschaftlich war der Verkauf Hondas an ZSKA Moskau vor 13 Monaten eine Entscheidung ohne Alternative.

»Keizer Keisuke«, gerade 22 Jahre geworden, hatte Venlo 2008/09 mit 30 Scorerpunkten in 36 Spielen nach nur einer Zweitliga-Saison wieder in die Eredivisie zurück geschossen. Als er in den ersten acht Erstliga-Spielen sieben Tore folgen ließ, klopfte plötzlich der Hochadel an. Honda war dem VVV endgültig entwachsen: Abgesandte aus Liverpool, Chelsea und Arsenal fanden sich im Stadion »De Koel« 700 Meter hinter der Grenze ein, aus der Bundesliga hatten angeblich der 1. FC Köln und der VfL Wolfsburg Interesse.

Schließlich war es ZSKA Moskau, jener aus der Portokasse Roman Abramowitschs aufgehübschter Armeesportklub, der Venlos Kaiser im Januar 2010 aus seinem Vertrag bei VVV auslöste. Für sechs Millionen Euro plus weiterer Zahlungen im Erfolgsfall und einer Beteiligung bei einem Weiterverkauf des Japaners – für einen Klub, der in der vergangenen Saison mit einem Etat von acht Millionen kalkulierte, nicht weniger als eine finanzielle Revolution.  

»De Koel« ist bald Geschichte


Was für den kleinen Verein ein Quantensprung darstellt, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein des Aufholbedarfs. 14 Jahre permanenter Zweitklassigkeit bis 2007 und ein weiterer Abstieg danach haben einen strukturell bedingten Wettbewerbsnachteil gegenüber Vereinen wie AZ Alkmaar, Twente Enschede, Heerenveen oder dem großen Rivalen Roda Kerkrade geschaffen, der nur schwer aufzuholen ist. Finanziell spielen diese Klubs dank regelmäßiger Europapokalteilnahmen in einer anderen Liga.

Hinzu kommt das heimelige, immer ausverkaufte, aber den Anforderungen des modernen Fußballs nicht gewachsene Stadion. Mit seiner Kapazität von 8000 Zuschauern wirkt das »De Koel« wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Ein infrastruktureller Nachteil, der ab der Saison 2013/14 Stück für Stück abgebaut werden soll. Dann soll im Herzen der 100.000-Einwohner-Stadt, direkt am Flüsschen Maas eine Multifunktionsarena fertig gestellt sein, in der 17.500 Zuschauer, also mehr als doppelt so viele Zuschauer wie bisher, die Spiele von VVV verfolgen können. Noch muss der Rat der Stadt die Finanzierung der wohl rund 40 Millionen Euro teuren Arena abnicken. Geschieht das wie geplant im April, sollen nach Ausschreibeverfahren und Vergabe ab Anfang 2012 die Bagger rollen.


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Kommentare

  • User
  • 28.03.2011 13:00:48 Indistan

    Ich bin fast jeden Tag auf dem Weg zur Uni mit einem rostigen Damenrad an dem Stadion vorbeigefahren und interessierte mich hin und wieder wie es dem Klub so geht. Endlich bekomme ich hier ein paar Hintergrundinformationen. Sehr schön!

    Ein Klugfäkalienhinweis:

    "VVV-Venlo ist auf einem guten Weg, sich zu einem finanziell wettberwerbsfähigen Verein zu entwickeln."

    Ansonsten ein guter Artikel

  • User
  • 28.03.2011 14:49:49 JupiterJones84

    schön das mal über den VVV berichtet wird. als jemand der aus der region kommt, muss man schon sagen, dass da über jahre auf deutscher seit kaum bis gar nicht berichtet wurde. wie der artikel schon sagt, ab und an mal ne randnotiz über roda kerkrade.
    dabei dürfte den meisten grenznahen bewohnern das stadion bekannt sein, liegt es ja an der straße die direkt von der A61 nach venlo führt und ca. 200 meter hinter dem wohl berühmtesten kreisverkehrs in den niederlanden ;)
    allerdings wäre es wohhl für die vielen "grenzgänger" interessant zu wissen, wie der ticketverkauf in venlo funktioniert, viele vereine "drüben" haben ja mittlerweile einen personalisierten ticketverkauf, der es leider unnötig kompliziert macht, an ein ticket zu kommen.
    vielleicht wäre ein kleiner ticketshop in mönchengladbach eine überlegung wert.

  • User
  • 28.03.2011 14:52:20 saloth sar

    venlo is geil, da hab ich mal supergutes hasch fuer ziemlich billig gekauft

  • User
  • 28.03.2011 19:22:17 Lederfresse

    Venlo ist nur 1 x im Jahr interessant, wenn Ajax kommt.

  • User
  • 28.03.2011 21:08:09 Links_Aussen

    @ Jupiter
    Das läuft in Venlo wie bei ALLEN Vereinen der Ehrendivision. Du mußt dir erst ein Klubkarte besorgen (wird normalerweise nicht per Post verschickt, daraus folgt schon das erste Hindernis: man kann die Klubkarte zwar per Post bzw. Online beantragen, aber man muss mit dem gültigen Perso selbige persönlich abholen; für Kiffer natürlich ein optimaler Grund, den ersten der drei Coffee Shops zu besuchen), die meist mehrere Jahre gültig ist. Hast du eine Klubkarte, kannst du dir ein Tagesticket auch online bestellen. Oder du fährst ein zweites Mal in Venlo vorbei (für Kiffer ein guter Grund, den zweiten Coffeeshop zu testen). Für seltene Grenzgänger wäre dann das zu besuchende Spiel ein hervorragender Grund, vor oder nach jenem den dritten Coffeeshop zu testen.

    @ Lederfresse
    PSV spielt derzeit den erheblich besseren Fußball als Ajax. AZ wird bald den besseren Fußball spielen als Ajax und Roda braucht noch einige Jahre, dann stecken die alle drei in die Tasche.
    Das ist immerhin anders als in Belgiens Jupiler Pro League, wo man wirklich nur wenige Mannschaften geniessen kann, um mal nach Eupen zu fahren (dafür kann man in Belgien besseres Bier trinken als in NL).

  • User
  • 28.03.2011 23:26:15 che_is

    Lustiger Artikel!
    VVV hofft auf deutsche Zuschauer,dass ich nicht lache.
    Hab dort angerufen wegen Tickets,
    es wurde mir gesagt ich solle eine Email mit meinem Ticketwunsch senden.
    Dies hab ich 3 (drei) mal getan, aber leider nie eine Antwort bekommen.
    Jetzt fahr ich woanders hin...!

  • User
  • 29.03.2011 08:38:08 gelsenkirchen

    Gestern 19:22:17 von Lederfresse
    Venlo ist nur 1 x im Jahr interessant, wenn Ajax kommt.


    !!!!

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