Das Nuller-Heft

11FREUNDE-Spezial: 00er

Das waren die Nuller Jahre

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
26.03.2011

Barca-Präsident Sandro Rosell im Interview

»Camp Nou geben wir niemals her!«

Interview: Luise Wagner  Bild: Imago

FC Barcelona, das ist »mehr als nur ein Klub«. Spaniens Vorzeigeverein ist immer auch ein Versprechen auf eine bessere (Fußball-)Welt. Wir sprachen mit Barça-Präsident Sandro Rosell über Katar und Klub-Philosophie.

Barca-Präsident Sandro Rosell im Interview - »Camp Nou geben wir niemals her!«


Sandro Rosell, zum ersten Mal in der Geschichte des FC Barcelona wird es mit der »Qatar Foundation« einen kommerziellen Trikotsponsor geben. Der Verein erhält in den nächsten fünf Jahren insgesamt 170 Millionen Euro – die höchste Summe, die je an einen Fußballverein gezahlt wurde. Das ist eine ziemliche Kehrtwende in der Klubtradition. Wie kam es zu diesem Deal?

Sandro Rosell: Es hätte für uns so nicht weitergehen können. Wir brauchten einen Sponsor, der uns dabei hilft, uns aus einer sehr heiklen finanziellen Lage zu befreien. Es gab nur drei Wege, der Misere zu entkommen: 1. unsere Assets (Vermögen. d. Red.)  zu verkaufen, 2. Preise für Mitgliedschaften und für Fans zu erhöhen oder 3. einen Sponsor zuzulassen. Wegen der Wirtschaftskrise brauchten wir dringend Ressourcen, doch wir wollten nicht irgendeinen Sponsor akzeptieren. Wir entschieden uns für die »Qatar Foundation«, weil wir glauben, dass da Werte vertreten werden, die wir auch unterstützen.



Was sind das für Werte?

Sandro Rosell: Der FC Barcelona hält sich selbst für mehr als nur einen normalen Fußballverein: eben »Mès que un club«. Wir wollen unseren Einfluss nutzen, um auch sozial etwas zu verändern. Einer unser wichtigsten Werte heißt Solidarität. So kam die Hilfe für UNICEF zu Stande. Unser Team hat mit den Trikots Werbung für UNICEF gemacht und Geld überwiesen, nicht umgekehrt. Das wollten wir weiter aufrecht erhalten und haben einen Sponsor gesucht, der das ermöglicht.

Der FC Barcelona steht weltweit als Modell für einen Fußball, den andere zu kopieren versuchen. Was ist die Philosophie und Stärke Barças?

Sandro Rosell: Wir haben heute fast 190.000 Mitglieder, aber nur 90.000 Plätze im Camp Nou. Das heißt, 100.000 Leute zahlen Jahresbeiträge, ohne überhaupt ein Spiel sehen zu können. Daran sieht man, wie populär wir wirklich sind. Barça wird auf der ganzen Welt gemocht, weil jeder unsere Philosophie versteht: ein Sieg ist nichts wert, wenn nicht gut gespielt wurde.

Was hat Barça, was andere nicht haben?

Sandro Rosell: Bei uns bekommen auch Fans Tickets, die es sich sonst nicht leisten könnten. Live im Stadion zu sein, bedeutet hier etwas ganz Besonderes. Unsere Fans identifizieren sich auf einer ganz persönlichen Ebene mit den Hochs und Tiefs des Teams und der Spieler. Es geht nicht allein ums Gewinnen, sondern darum, wie man gewinnt. Das ist Teil unserer Kultur. Weltweit verbinden die Leute mit Barça hohe Qualität und besondere Spielerpersönlichkeiten. Wir wollen nicht nur gute Spieler haben, sondern auch gute Menschen. Mit der globalen Medienexpansion kann jetzt jeder unseren Stil überall auf der Welt sehen. Das ist auch eine Verantwortung. Für unsere Mannschaft und die Spieler sind diese Werte sehr real. Es ist keine Show, die wir nur für die TV-Kameras zeigen. Das ist authentisch.

Der FC Barcelona und Real Madrid machen jedes Jahr die Meisterschaft unter sich aus. Der Abstand zum Rest der Liga wird immer größer. Was halten Sie von der Idee der Euro-Superliga, wo nur die Top-Klubs unter sich spielen?

Sandro Rosell: Mir persönlich gefällt die Idee gar nicht. Die Saison ist in Spanien sehr lang. Wir sollten eigentlich die Liga verkleinern und damit mehr Zeit für die Vorbereitungen auf europäische Spiele wie in der Champions League schaffen. Wir wollen auch 2015 dafür sorgen, dass die kleineren Vereine in der spanischen Liga mehr von den Fernseheinnahmen abbekommen.

Was bedeutet der FC Barcelona als Marke?

Sandro Rosell: Der FC Barcelona verkörpert ein »Feeling.« Ich möchte aber behaupten, wir verkaufen gar nicht so sehr, sondern bieten vielmehr etwas, was andere gern kaufen möchten. Unser Ziel ist es, künftig aus weniger mehr zu machen. Die Qualität unserer Sponsoren muss besser werden. Das heißt, wir wollen so viel Wirkung wie möglich, durch so wenige Sponsoren wie nötig erzielen.

Katar ist in der Fußballwelt nicht gerade mit offenen Armen als Gastgeber der WM 2022 begrüßt worden. Wo wird der FC Barcelona in 10 Jahren stehen?

Sandro Rosell: Wir erleben gerade eine sehr unsichere Zeit. Ich bin schon froh, wenn die Dinge so bleiben wie sie sind. Allerorts sind Auflösungserscheinungen zu erkennen. Wir müssen die Gegenwart genießen und hoffen, dass sie sich lange hält. Trotzdem braucht man als Manager immer einen Plan B, für den Fall, dass sich doch noch alles ändert.

Heißt das, die vielfach spekulierte Umbenennung des Camp Nou-Stadions wird doch noch umgesetzt?

Sandro Rosell: Nein, die Sache ist entschieden. Wir werden den Namen Camp Nou niemals hergeben!


Hans Krankl über den Fußball-Tempel: »Camp Nou ist atemberaubend!«






Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 25.03.2011 13:55:10 Rhoenschaf

    Ach was Schulden, "Brot und Spiele" hieß es schon im alten Rom und die Umbenennung der Stadien in "Arena" ist ein Stück weit ehrlich.
    Vereine wie Barca, Schalke, ManU, Real oder Inter Mailand usw. werden niemals pleite gehen da sie "Systemrelevant" sind.
    190000 Mitglieder + Anhang sind alles Wählerstimmen und Menschen die ruhig gestellt werden wollen. Ganz platt gesagt: Wer jedes WE Fußball guckt der steht nicht auf der Straße und schmeißt Steine. Das wissen auch die Herren mit dem sehr großen Geldbeutel.
    Klingt jetzt alles wie eine Verschwörungstheorie aber in der Schule hieß es in Geschichte immer "die Geschichte ist eine Endlosschleife, alles wiederholt sich andauernd nur die Etiketten werden getauscht" Heute heißt der Gladiator Spieler, die reißenden Bestien Sportjournalisten und die Sündenböcke die den Massen zum Fraß vorgeworfen werden Trainer......

  • User
  • 25.03.2011 13:57:16 Redondo71

    Vereine wie Barca, Schalke, ManU, Real oder Inter Mailand usw. werden niemals pleite gehen da sie "Systemrelevant" sind.

    Die TOP 5 des europäischen Fußballs!

  • User
  • 25.03.2011 14:05:48 Rhoenschaf

    Redondo71, was Schulden angeht bestimmt, die anderen 3 Vereine des CL Viertelfinales haben zahlungskräftige Sponsoren (Tottenham, Chelsea, Donezk) aber im Grunde ist das egal denn alle 8 Vereine wissen im tiefsten innern "Uns kann nix passieren, solange wir genug Anhang haben, in den Medien präsent sind kommt schon irgendwer und zieht uns aus der Scheiße" anders kann man nüchtern gesehen das Finanzverhalten der meisten großen Vereine nicht erklären.

  • User
  • 25.03.2011 14:11:32 Redondo71

    Offenbar sind alle in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen termingerecht nachzukommen. Das ist entscheidend.
    Ich wollte aber keine Diskussion über Schulden, Verbindlichkeiten, Lizenzierung u. ä. anzetteln. Ich habe mich nur über die Aufzählug gefreut.

  • User
  • 25.03.2011 14:15:11 Bomber_FCB

    die anderen 3 Vereine des CL Viertelfinales haben zahlungskräftige Sponsoren (Tottenham,.........)

    Der da wäre???

    Ansonsten macht deine Theorie Sinn. ;)

  • User
  • 25.03.2011 14:18:30 Rhoenschaf

    Seit 2001 ist die vom englischen Milliardär Joe Lewis gegründete Investmentgesellschaft ENIC International Ltd Hauptanteilseigner. Daniel Levy, Lewis Partner bei ENIC, ist Vorstandsvorsitzender des Vereins. Quelle Wikipedia

  • User
  • 25.03.2011 14:25:46 Bomber_FCB

    Ja, das stimmt wohl.
    Allerdings mit denen von Chelski und Donezk nicht zu vergleichen...

    Wie sieht das eigentlich mit dem Umbau von Camp Nou aus?
    Da hat man ja in den letzten Jahren gar nichts mehr von gehört.
    Ist der auf Eis gelegt?

  • User
  • 25.03.2011 14:35:02 pandrodor

    Chelskov :) Abramowitsch ist kein Pole.

  • User
  • 25.03.2011 14:35:43 Rhoenschaf

    Klar schmeißt ENIC nicht das Geld mit vollen Händen raus aber das tut Die Stadt Gelsenkirchen die Schalke schon des öfteren mit diversen Städtischen Betrieben "unter die Arme griff" ja auch nicht aber es reicht damit die Vereine nicht pleite gehen auch wenn sie schlimmer wirtschaften als es der Fünfjahresplan der DDR je konnte :D

  • User
  • 25.03.2011 14:55:07 Bomber_FCB

    Absolut.

    @pandrodor:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Chelski
    Zumindest nennen die Engländer es so. Ob das richtig ist, ist wieder ne andere Frage. Hab ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht. ;)

  • User
  • 25.03.2011 19:41:22 AntiMöller

    Heute 14:18:30 von Rhoenschaf
    Seit 2001 ist die vom englischen Milliardär Joe Lewis gegründete Investmentgesellschaft ENIC International Ltd Hauptanteilseigner. Daniel Levy, Lewis Partner bei ENIC, ist Vorstandsvorsitzender des Vereins. Quelle Wikipedia


    Rhoen, Du Schaf: das ist kein "Sponsor", das ist der "Investor" mit mind. 50 + 1 -eben- ANTEIL am Club.

  • User
  • 26.03.2011 11:26:38 Rhoenschaf

    und? Hopp ist seiner Aussage nach auch "Investor" ich hab ja geschrieben das die Bezeichnungen sehr variabel sind aber unterm Strich fließt immer frisches Geld wenn ein großer Club auf der Kippe steht.....öh wie wir aktuell sehen muss der Club nicht mal groß sein da 1860 nicht mal in der Buli spielt die hängen schon seit Jahren am Tropf und das rechnet sich in keinster weise.

  • User
  • 27.03.2011 11:47:09 prazzomoto

    Man muss bei den "Schulden", die solche Riesenvereine haben aber immer auch den Gegenwert sehen. Darum klangen damals die 390 Mio. Miese für Real Madrid wesentlich schlimmer, als sie waren, denn dem gegenüber steht das Stadion, die Traingszentren (von denen ja damals ein Teil verkauft wurde), die Mannschaft und am allerwichtigsten die Marke mit ihrem riesengroßen kommerziellen Wert.

    Ich hab keine Ahnung von Wirtschaft, aber das leuchtet sogar mir ein, dass das eine andere Hausnummer ist, als wenn bspw. einem Klub wie 1860 acht Mio. Euro fehlen, denn dort kann das ja nur schwer abgefedert werden.

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Also, ich finde Basel...

hat gegen Bayern keine Chance
ist für eine Überraschung gut
holt dieses Jahr die Champions League
ist ganz schön weit weg
hat in der Champions League nichts zu suchen
ist nur ein Käsefondue-Verein
hat auch schöne Ecken




Als Christian Rahn die Fußball-Welt erobern wollte


Dreckige Fußballer

  • Steffen Schmutz (SSV Ulm)
  • René Handreck (Schweinfurt 05)
  • John Fleck (Blackpool FC)
  • Sergio Unrein (Deportivo Ñublense)

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER