Die Geschichte der Fußballfans

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21.03.2011

Giuseppe Bergomi über Inter-Star Lothar Matthäus

»Lothar war unser Chef«

Interview: Vito Avantario  Bild: Imago

Ende der Achtziger sorgte Lothar Matthäus gemeinsam mit Jürgen Klinsmann und Andi Brehme für den deutschen Aufschwung von Inter Mailand. Inter-Legende Giuseppe Bergomi erinnerte sich einst im 11FREUNDE-Spezial.

Giuseppe Bergomi über Inter-Star Lothar Matthäus - »Lothar war unser Chef«


Giuseppe Bergomi, könnten Sie mir bitte die Stammformation Ihrer Meistermannschaft von 1989 auf dieses Blatt Papier notieren und daran die Rollen der deutschen Spieler beschreiben?

Giuseppe Bergomi: Gern, wenn Sie mir bitte sagen, wie die Nachamen der beiden geschrieben werden? Sie haben im Deutschen diese merkwürdigen Buchstaben, auf denen Doppelpunkte stehen. Lothars Nachname hat so ein Schriftzeichen, oder?

Ja. Matthäus wird mit Ä geschrieben. Brehme mit H hinter dem ersten E.

Giuseppe Bergomi: Und stimmt es auch, dass Klinsmanns Vorname auf dem U mit einem Doppelpunkt geschrieben wird?

Das deutsche Ü wird wie ein U mit der Nuance eines Ypsilons ausgesprochen.

Giuseppe Bergomi: Diese Buchstaben gibt es im Italienischen nicht. Die meisten Menschen in Italien haben Jürgen seinerzeit falsch gerufen, wir nannten ihn: Jurgen.



Klinsmann stieß ein Jahr später zur Meistermannschaft. Zuvor waren Brehme und Matthäus fundamentale Spieler für Inter. Warum?

Giuseppe Bergomi: Trainer Giovanni Trapattoni ließ uns in der Abwehr mit einer Dreierkette spielen. Ferri und ich waren Manndecker. Mit der Rolle Matteolis, unseres zentralen Abwehrmanns, hatte Trap etwas Neues erfunden – er ließ mit einem modernen »Sechser« spielen, wie ihn heute etwa Andrea Pirlo beim AC Milan gibt. Der heimliche Regisseur aber neben Matteoli war Brehme.

La Deutsche Vita: Deutsche Fußball-Legionäre in Italien

Auf welche Weise konnte er das Spiel von Inter bereichern?

Giuseppe Bergomi: Brehme konnte mit links und rechts schießen, was ihm viele Möglichkeiten der Spieleröffnung über unsere linke Seite gab. Er beschleunigte und verzögerte das Spiel, oder legte sich den Ball auf seinen rechten Fuß und riss das Feld auf, indem er hinüber zu unseren Motoren im zentralen Mittelfeld, Nicola Berti oder Lothar Matthäus, passte. Andy war eine besonders angenehme Überraschung, weil wir vorher nicht genau wussten, was uns mit seiner Verpflichtung erwartete.

Brehme und Matthäus wurden damals im Doppelpack von Bayern München zu Inter transferiert, Matthäus aber war die eigentliche Attraktion.

Giuseppe Bergomi: Matthäus war außergewöhnlich. Wenn er sich entschied, ein Spiel zu gewinnen, gewannen wir. Ich erinnere mich an ein Pokalspiel: Wir lagen zurück, als Lothar plötzlich zu mir sagte: »Beppe, gib mir den Ball, ich mache das Tor.« Ich schob Lothar ungläubig den Ball zu und er marschierte los. Ab 25 Meter vor dem Tor wurde es brenzlig für jeden Gegner, hier begann der tödliche Radius von Matthäus. Er wusste intuitiv, welche Strategie zu welchem Zeitpunkt des Spiels zum Ziel führte. Er machte übrigens dann tatsächlich ein Tor. Wir glichen aus und das Pokalspiel kippte zu unseren Gunsten.

Bevor Klinsmann kam, spielte die Meistermannschaft mit der sehr erfolgreichen Doppelspitze Rámon Díaz und Aldo Serena. Was hatte Klinsmann, was die anderen nicht hatten?

Giuseppe Bergomi: Jürgen zeichnete sich durch ein sehr aufwendiges Spiel aus; er war ein Mann, der großes Leidenspotential besaß. Jürgen eroberte Räume und Bälle, aber der zweite Stürmer Aldo Serena und er waren technisch nicht so stark wie Rámon Díaz, der in jeder noch so schwierigen Situation anspielbar war und meist eine gute Lösung hatte. Mit Jürgen konnten wir das Meisterstück zwar nicht wiederholen. Aber mit ihm wurden wir UEFA-Cup-Sieger.

Die Deutschen waren die einzigen Legionäre. Wie fügten sich die Deutschen in ihr neues Leben ein?

Giuseppe Bergomi: Sie müssen entschuldigen, wenn ich lache, aber ich sehe Andy und Lothar noch heute vor mir: Wir waren damals im Trainingslager in Varese. Nach dem Nachmittagstraining besuchte ich die beiden abends in ihrem Zimmer, weil ich mich als Kapitän der Mannschaft für die Neuen verantwortlich fühlte. Ich klopfte also an die Tür, trat hinein und da lagen beide auf ihren Betten wie kleine Kinder, hatten ein deutsch-italienisches Wörterbuch aufgeschlagen und lernten artig elementare Vokabeln wie »Löffel«, »Gabel« und »Tisch«. Und das Waschbecken des Zimmers war gefüllt mit Eiswürfeln – und Bierflaschen. Also luden sie mich zum Bier ein und wir tranken zusammen. Alle in der Mannschaft mochten die Jungs. Und ich glaube, sie mochten uns auch.



Aus 11 FREUNDE Spezial: 80er

Das waren die Achtziger


weiterlesen [1] [2]





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Kommentare

  • User
  • 21.03.2011 20:39:45 Statistikfreund

    Guiseppe Bergomi: ein großer seines Sports, eine Legende. Nicht an jeder Ecke zu finden, selbst in einer so großen und großartigen Fußball(er)nation wie Italien!

    Die Italiener haben nach seinem Karrierende in der Squadra Azzurra nie wieder einen Mann seines Formats aufbieten können.

  • User
  • 21.03.2011 23:25:26 AntiMöller

    @Statistikfreund: komma runter, ja? Da gab es im Duzend schon mal ganz andere. Bruno, Bettega, Causio, Dino, Baggio...der Onkel stand eher für Durchschnitt, finde ich. Zwar abgezockter Durchschnitt, aber eben Durchschnitt.

  • User
  • 21.03.2011 23:27:38 AntiMöller

    Okay, einen verletzten Rummenigge hat er ja mal einigermaßen in Schach halten können. Darauf beruht einzig sein Ruhm.

  • User
  • 21.03.2011 23:37:25 Statistikfreund

    Heute 23:25:26 von AntiMöller
    Lies Dir Interviews über Bergomi durch, welche die von Dir genannten Großen unseres Lieblingssports gaben und Dir dürfte sich einiges erschließen.

    Italien der 80er und 90er war nicht Abwehr-das war Angriff. Solltest Du das so meinen, hat Dein Einwand was. Aber dann halte ich Dir entgegen: Bergomi war der, den man nie aufstellen wollte, aber dann doch 03:00 Uhr morgens anrief und bettelte, ob er nicht spielen will und dann eben spielte!

    Du kennst das, solche Typen hat jede Elf. Man merkt es erst dann, wenn er nicht dabei ist. Nun ja, ich mag solche Spieler.

  • User
  • 21.03.2011 23:38:39 Statistikfreund

    Heute 23:27:38 von AntiMöller dann: Heute 23:37:25 von Statistikfreund , eigentlich 23:37--die Uhr ist stehen geblieben. Anti, kannst Du bitte in Moskau anrufen. Ich mache mir sorgen...

  • User
  • 21.03.2011 23:39:18 Statistikfreund

    Ah, jetzt stimmt es, Anti: ruf bitte trotzdem mal an...

  • User
  • 21.03.2011 23:45:38 AntiMöller

    whot?!

    Äh, ich stimme trotzdem nicht in Deine Lobhudeleien, betr. Beegomi überein. Damals war er ein verlässliches, 19-jähriges Stück Holz. Italien hatte aber schon tolle Kicker zu bieten. Und damit ist sicher nicht Bergomi gemeint.

    Bruno Conti! *schleck*

  • User
  • 21.03.2011 23:51:16 Statistikfreund

    Anti, Du alter Rochen! Ich meine doch nicht den 19jährigen Bergomi-woher soll ich den kennen?

    Zur Moskau-Sache: Zuerst erschien mein Post unter 23:27:25, stand aber nach Deinem, ich kopierte, um anzuregen, dass Du in Moskau anrufst, um nachzufragen, ob die Welt untergeht. Dann wurde korrigiert auf korrekte 23:37:25. Anti, ich kann jetzt spontan nicht mehr sagen wovor ich mehr Angst hatte: Dass Du Bergomi, diesen großartigen Abwehrkanten nicht magst oder wegen dieses Zeitränkespiel.

    Und Bruno Conti: Schleck, too!

  • User
  • 21.03.2011 23:53:49 Buschfräse

    Was macht eigentlich Rizzitelli heute?

  • User
  • 22.03.2011 00:01:13 AntiMöller

    Rizzitelli scheint unauffällig zu leben. Jedenfalls hatte ich keine Geduld, ihn weiter zu googeln.

    Zufällig musste ich heute an Jean-Pierre Papin denken. Die Sonne schien...ich vermisse seine Seitfallzieher.

  • User
  • 22.03.2011 00:05:58 Statistikfreund

    Ruggerio Rizzitelli ist derzeit bei Sport-Mediaset als Kommentator beschäftigt und steht immer mal wieder als Experte der Internet- und Zeitungspresse zur Verfügung, z.B. hier.

  • User
  • 22.03.2011 00:06:30 AntiMöller

    @Statistiker: ich muss mir das morgen noch mal durchlesen.

    P.S.: ich habe noch Benetti spielen sehen! (*raun*)

  • User
  • 22.03.2011 00:08:11 Statistikfreund

    Heute 00:01:13 von AntiMöller
    ...Rizzitelli ...[&] Jean-Pierre Papin ...
    bei Bayern.

    ...dass Du Dich da freiwillig dran erinnerst.

  • User
  • 22.03.2011 00:08:40 AntiMöller

    Krass: aus Rizzitelli ist ne Tratsche geworden!

  • User
  • 22.03.2011 00:10:02 AntiMöller

    Heute 00:08:11 von Statistikfreund
    Heute 00:01:13 von AntiMöller
    ...Rizzitelli ...[&] Jean-Pierre Papin ... bei Bayern.

    ...dass Du Dich da freiwillig dran erinnerst.


    Heieiei, schlimm war das! Vestenbergsreuth etc....

  • User
  • 22.03.2011 00:16:39 AntiMöller

    Übrigens: Romeo Benetti war sicher de einzige Fußballspieler, welcher auf dem Platz Marlboros rauchen durfte. Dem hat sich niemand entgegen gestellt.

  • User
  • 22.03.2011 00:24:47 Statistikfreund

    Heute 00:06:30 von AntiMöller
    @Statistiker: ich muss mir das morgen noch mal durchlesen.

    P.S.: ich habe noch Benetti spielen sehen! (*raun*)


    In der Tat raun! Eine Anekdote: Mir erzählte mal ein, inzwischen 70jähriger FCM Fan vom EC II Finale 74, und ständig erwähnte er: Wir gewannen, da konnte auch Romeo Benetti nichts dran ändern-bekanntermaßen war der AC Titelverteidiger, weil man auch wegen eines überragenden Benetti in Thessaloniki Leeds United mit 1:0 niederrang. Das Tor erzielte ECII Torschützenkönig 72/ 73 Luciano Chiarugi.

    Hier in England kennt man Benetti nur zu genau. Richtig: 1:0 für Italien im Wembley! Seit dem führt The Sun Benetti auf der Liste der härtesten Spieler auf Rang 4.

    Benetti ist heute Fußballehrer und unterrichtet Trainer für den italienischen Verband.

  • User
  • 22.03.2011 10:19:01 skifahrer

    Gaetano Scirea... kein Haudegen, aber auch jemand, der wusste, wie man "gegen den Ball arbeitet".
    Mag sehr persönlich gefärbt sein, was ich jetzt sage, sein würdiger Nachfolger war bzw. ist für mich Alessandro Nesta, der weiss, wie man Gegner aufhält.
    Dabei muss man sich mal bitte nochmal vor Augen halten: Nesta verletzt sich 2006 im dritten Spiel und die Italiener werden trotzdem Weltmeister....

  • User
  • 22.03.2011 11:00:26 gelsenkirchen

    bergomi, gefühlt seit dem mord an cäsar kapitän von inter. danach folgte zanetti, der jetzt auch schon wieder einen geologischen zeitraum dran ist!

  • User
  • 22.03.2011 11:08:27 skifahrer

    Claudio Gentile, das alte Rauhbein, hat alles getreten, was im Weg war.

  • User
  • 22.03.2011 11:13:25 gelsenkirchen

    das beste was der italienische fussball jemals hervorgebracht hat: tassotti, costacurta, baresi, maldini - gemeinsam auf dem platz!

  • User
  • 22.03.2011 22:29:29 Ganna

    „Die meisten Menschen in Italien haben Jürgen seinerzeit falsch gerufen, wir nannten ihn: Jurgen.“

    Und wir nannten ihn Flipper!

  • User
  • 23.03.2011 01:23:24 Rafael Thunderfart

    Von den handelsüblichen Innenverteidigern unterschied Bergomi sich dadurch, daß er auch nach vorne rennen und Flanken schlagen konnte.

    Beckenbauer raunte damals (1988) über das Duo im italienischen Abwehrzentrum (Bergomi und Ferri): "Das sind die besten Manndecker der Welt !"

    Das anschließende Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Italien sah zunächst so aus, als wollte daraus ein Spiel wie das letzte WM-Halbfinale werden. Aber die damalige Generation hatte noch den Mumm, dagegen zu halten, und wurde mit dem Ausgleichstreffer belohnt (Freistoß Brehme).

    Deutschland hatte mit Berthold und Herget 2 Brüder Leichtfuß auf der Abwehrseite, über die, einem Kampfstier gleich, Vialli in den deutschen Strafraum fetzte. Nix für schwache Nerven...

    Italien damals: eine atemberaubend offensive Mannschaft, vielleicht die spielstärkste des Turniers. 2 Jahre später, bei der WM im eigenen Land, gingen sie es wieder vorsichtiger an.

  • User
  • 23.03.2011 09:01:13 Redondo71

    @Rafael

    Was versuchst Du hier eigentlich immer für Legenden zu stricken? Du kannst ja gerne Deine Meinung zum Fußball und zur Fußballgeschichte kundtun, aber stelle Deine Meinung doch bitte nicht immer so dar, als handelte es sich dabei um die einzig mögliche Einschätzung. Dieser Absolutheitsanspruch nervt. Das kann die katholische Kirche machen, aber kein Fußballfreund.

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