Thomas Hitzlsperger über sein Comeback bei West Ham
»Ich habe gelernt, den Moment zu schätzen«
Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Ein halbes Jahr war Thomas Hitzlsperger aufgrund eines Sehnenrisses weg vom Fenster. Bei seinem Comeback gelang ihm gleich ein Tor. Wir sprachen mit ihm über den Moment, in dem der Ball ins Netz rauschte, die Löws SMS und den Abstiegskampf.
Thomas Hitzlsperger, Sie mussten aufgrund eines Sehnenrisses ein halbes Jahr pausieren. Bei Ihrem Comeback im FA-Cup gegen den FC Burnley gelang Ihnen gleich ein tolles Tor aus 25 Metern. Was ging Ihnen in der Sekunde, in der der Ball unterwegs war, durch den Kopf?
Thomas Hitzlsperger: Gar nichts. Ich kann mich erinnern, dass ich kurz vor dem Schuss noch das Gefühl hatte, ich hätte mir den Ball zu weit vorgelegt. Und als er schließlich ins Netz rauschte, empfand ich nur noch reine Freude. Wenn man so lang weg war wie ich, kann man sich keinen besseren Einstand wünschen.
War das einer der schönsten Momente Ihrer Karriere?
Thomas Hitzlsperger: Ein besonderer Moment war es allemal. Vielleicht gewinnen wir ja am Ende den FA-Cup, dann wird das Tor gegen Burnley sicherlich eine herausragende Rolle in meiner Karriere einnehmen. Dafür müssen wir aber noch drei Spiele gewinnen, das wird schwer genug.
Sie hatten bis dahin noch kein Spiel für West Ham bestritten. Wie schafft man es, sich mit einem Verein zu identifizieren, wenn man aufgrund einer Verletzung ein halbes Jahr außen vor bleibt?
Thomas Hitzlsperger: Ich bin während meiner Reha so oft wie möglich zu den Spielen gegangen und habe versucht, mir ein Bild vom Umfeld zu machen. Aber natürlich springt der Funke erst richtig über, wenn man auf dem Platz steht – von den Fans auf mich und umgekehrt. Vorher hatten sie nur einen Namen im Kader, jetzt haben sie ein Gesicht und ein Tor von mir, nun verstehen wir uns bestens.
Für West Ham lief es in der Hinrunde schlecht, zeitweilig stand die Mannschaft auf dem letzten Platz. Und Sie konnten nicht helfen.
Thomas Hitzlsperger: Ich wusste: Das Einzige, was ich tun konnte, war, mich auf den Tag meines Comebacks vorzubereiten. Ich durfte nicht ungeduldig werden. Die Ärzte sagten mir, es werde nach der Operation mindestens vier Monate dauern, bis ich wieder spielen könne. Es hat keinen Tag länger gedauert.
Haben Sie nun Angst, sich wieder zu verletzen?
Thomas Hitzlsperger: Vor dem Spiel gegen Burnley habe ich, ehrlich gesagt, schon daran gedacht. Die Ärzte hatten mich auch darauf hingewiesen, dass es nicht ganz unbedenklich sei und die Verletzung wieder aufbrechen könne, zumal mein linkes Bein, an dem ich mich verletzt hatte, ja als Schussbein stark beansprucht wird. Aber auf dem Platz hat diese Angst dann keine Rolle mehr gespielt, da habe ich einfach nur noch den Moment genossen.
England gilt als Land der üblen Fouls. Treten die Gegenspieler bewusst auf eine alte Verletzung?
Thomas Hitzlsperger: Ich hatte das Glück, dass meine Verletzung in den Medien nicht immer gleich beschrieben wurde. Selbst wenn die Spieler es gewollt hätten, hätten sie also gar nicht genau gewusst, wo sie hintreten sollen. (lacht)
Haben Sie sich während Ihrer Rekonvaleszenz noch mal Ihre schönsten Fernschüsse reingezogen?
Thomas Hitzlsperger: Es kommt immer wieder mal vor, dass ich mir Szenen von früher anschaue. Ich habe auch davon geträumt, wieder auf dem Platz zu stehen. Da spielte natürlich die Sehnsucht mit, endlich wieder fit zu sein.
Bundestrainer Joachim Löw schickte Ihnen nach dem Burnley-Spiel eine SMS. Eine Höflichkeitsadresse – oder Vorstufe einer Einladung zum Länderspiel?
Thomas Hitzlsperger: Das kann ich nicht beurteilen. Zunächst einmal war es eine schöne Geste von ihm. Auch viele andere haben sich gemeldet – das hat mir das Gefühl gegeben, wieder mittendrin zu sein.




