Die Geschichte der Fußballfans

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10.02.2011

Eine Medienforscherin über die Sportberichterstattung

Daniela Schaaf: »Klischee: Kampflesbe«

Interview: Friedhard Teuffel  Bild: Imago

Medienforscherin Daniela Schaaf hat untersucht, wie Sportjournalisten über Frauenfußball berichten. Ein Gespräch über den »Kournikowa-Effekt«, Spielerinnen im »Playboy« und was die Weltmeisterschaft im Sommer verändern wird.

Eine Medienforscherin über die Sportberichterstattung - Daniela Schaaf: »Klischee: Kampflesbe«


Daniela Schaaf, das größte Sportereignis in diesem Jahr ist die Frauenfußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Sie haben Sportjournalisten nach ihrem Bild vom Frauenfußball gefragt. Wie sieht das aus?

Erfolgreich einerseits, aber für fast 70 Prozent der Befragten ist Frauenfußball eine unbedeutende Randsportart. Dies liegt daran, dass die Spielerinnen im Vergleich zu anderen Sportlerinnen wie Leichtathletinnen oder Tennisspielerinnen medial deutlich unterrepräsentiert sind. Das betrifft sowohl die Nationalmannschaft als auch die Vereine.



Warum?

Seit Mitte der 90er Jahre lässt sich eine starke Sexualisierung der Sportberichterstattung beobachten, der sogenannte »Kournikowa-Effekt«. Die Redaktionen bevorzugen Athletinnen, die eine hohe physische Attraktivität und heterosexuelle Ausstrahlung aufweisen – unabhängig davon, ob sie sportlichen Erfolg haben.

Und da scheiden Fußballerinnen aus?

In den Sportressorts überwiegt leider immer noch das Klischee der »Mannsweiber«. Um es noch freundlich auszudrücken. Die weniger nette Formulierung lautet »Kampflesben«.

Warum wird diese Diskussion gerade so sehr um den Frauenfußball geführt?

Das lässt sich zurückführen auf die 70er und 80er Jahre. Wenn die Berichte stimmen, gab es damals in manchen Jahren keine einzige heterosexuelle Spielerin in der Nationalmannschaft. Und wenn einmal ein Image feststeht, ist es schwer, dieses zu ändern. Der Deutsche Fußball-Bund hat den Profi-Frauenfußball auch lange ignoriert. Erst jetzt bemüht er sich verstärkt um die Vermarktung der Nationalspielerinnen.

Vorsicht vor der Gürtelschnalle – eine lesbische Fußballerin im amerikanischen Bible-Belt >>

Wie kann sich der Frauenfußball besser präsentieren?


Der Frauenfußball steht vor diesem Dilemma: Wie können wir uns attraktiver darstellen, ohne zu stark auf die Sexualisierung abzuzielen? Ein Weg wäre etwa die Positionierung in Unterhaltungsformaten wie bei Stefan Raab, also an der Schnittstelle zwischen Sport und Show. Ich denke jedenfalls nicht, dass wir eine Nationalspielerin in diesem Jahr im »Playboy« sehen werden. Kurzfristig mag das Aufmerksamkeit erreichen, aber langfristig lohnt es sich nicht. Und welche Spielerin möchte noch zehn Jahre später auf ihre Nacktfotos reduziert werden?

In keiner Sportart scheinen Frauen und Männer so unterschiedlich akzeptiert zu werden.


Der Fußball ist in Deutschland eben eine männerbündische Veranstaltung. Allerdings ist der Markt für Männerfußball weitgehend gesättigt. Die Verbände sehen jedoch großes ökonomisches Potenzial im Mädchen- und Frauenfußball, da dieser Markt kaum erschlossen ist. Insofern geht es den Verbänden weniger um die Gleichberechtigung der Frau im Fußball, sondern eher um die Profitmaximierung.

Wird die WM in in diesem Jahr ein Erfolg?

Die WM wird aus drei Gründen funktionieren: Erstens findet 2011 kein anderes bedeutendes Sportevent statt. Zweitens wird die WM in Deutschland ausgetragen – sozusagen ein »Sommermärchen 2006 reloaded«. Und drittens erhofft man sich dadurch ein höheres Interesse der Rezipienten: Denn um mitzureden, muss man die Spiele gesehen haben – im Fernsehen oder beim Public Viewing.

Kann denn die WM etwas für den Frauenfußball verändern?

Fast die Hälfte der Befragten glaubt, dass die WM keine positiven Ausstrahlungseffekte auf die Frauen-Bundesliga haben wird. Fast 38 Prozent der Befragten gaben an, dass sich weder etwas für die Frauen-Bundesliga noch für die Nationalmannschaft verändert. Es müsste eine größere Präsenz in den Medien geben, zum Beispiel eine Sechs-Minuten-Zusammenfassung in der »Sportschau«. Das Fernsehen ist eigentlich auch gut vorbereitet: Ein Regisseur sagte mir, dass er im Frauenfußball mit viel schnelleren Schnitten arbeitet, damit das Spiel dynamischer wirkt.

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Daniela Schaaf, 38, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Deutschen Sporthochschule Köln und hat im Auftrag der Fifa Journalisten zum Thema »Frauenfußball« befragt.


Tagesspiegel@11Freunde






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Kommentare

  • User
  • 10.02.2011 19:47:39 LowerRhenania

    dass er im Frauenfußball mit viel schnelleren Schnitten arbeitet, damit das Spiel dynamischer wirkt.

    enough said.

  • User
  • 10.02.2011 19:51:29 saloth sar

    enough said.

    is das sowas wie finaly it goes loose

  • User
  • 10.02.2011 20:00:45 FCA

    eough said

    das is ne gängige englische floskel...

  • User
  • 10.02.2011 20:46:03 AntiMöller

    *Fingerschnipp*

    "equal goes it loose!"
    (Bundespräsident Heinrich Lübke zur englischen Königin beim Pferderennen?)

  • User
  • 10.02.2011 20:46:41 AntiMöller

    Das war der Titel meiner ersten Kassette, meiner ersten Band, ähem...

  • User
  • 10.02.2011 20:52:22 Physeter

    Was ihr sucht heißt "nuff said" :p

  • User
  • 10.02.2011 20:54:24 Yushi

    Lübke! Generell ein großer Redner gewesen.

  • User
  • 10.02.2011 21:00:58 pandrodor

    Bei den Männern wird doch auch, außerhalb der Fachmedien und -sendungen, vor allem über die gut aussehenden berichtet, wenn auch die meisten keine heterosexuelle Ausstrahlung haben.

  • User
  • 11.02.2011 09:29:34 rumpler

    ... die Positionierung in Unterhaltungsformaten wie bei Stefan Raab

    Bravo!

  • User
  • 11.02.2011 10:28:30 Redondo71

    Ich werde kein Rezepient sein.

  • User
  • 11.02.2011 10:35:05 DrBreaksen

    "Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Neger..."

    Ist das nicht auch von Lübke?

  • User
  • 11.02.2011 10:43:47 giselher

    Jeder hat gesehen, dass der Ball im Netz gezappelt hat." - zum Wembley-Tor, auch von L.

  • User
  • 11.02.2011 10:44:54 sgu07

    so ist es überliefert. aber ob tatsächlich so war und nicht teil eines lübke-witzes weißichnich.

  • User
  • 11.02.2011 10:45:51 noorange

    "Wie können wir uns attraktiver darstellen, ohne zu stark auf die Sexualisierung abzuzielen?"

    Wie, die Schwedinnen spielen nicht im Bikini???

    Scheiße.

  • User
  • 11.02.2011 11:45:51 Rhoenschaf

    Quizfrage, Wieviele leute gehen zu einem Frauenfußball Publicviewing?

  • User
  • 11.02.2011 12:32:30 giselher

    Dschungel-Blödmann: Du nervst!

    (frei zitiert nach Karpfenluder)

  • User
  • 11.02.2011 13:22:01 Sneaker

    die Erwähnung von Stefan Raab lies mich schmunzeln, da ich vorgestern TV Total geschaut habe und er sich da nicht gerade als Frauenfussball-Befürworter geäußert hat ^^

  • User
  • 12.02.2011 16:36:17 mehmetwirdankendir

    Also ich finde die 6 Minuten bei der Sportschau begrüßenswert.
    Reicht völlig aus sich ein Brot zu schmieren und mal kurz zu Pro Sieben zu zappen um einen Blick auf Sonya Krauss zu werfen.
    Danach gehts weiter mit der 3. Liga Babelsberg gegen Werder Bremen Amateure. Herrlich.

  • User
  • 16.02.2011 16:06:15 Dschungelking

    Raab lässt sich ja bekanntermaßen lieber von Frauen verkloppen. Bitte nachmachen!

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