Wie die Seychellen den falschen Trainer verpflichteten
Andrew Morrison: »Ich bin kein Hochstapler!«
Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Im September 2010 präsentierte der seychellische Fußballverband einen neuen Nationaltrainer: Den ehemaligen ManCity-Profi Andrew Morrison. Dabei hatte man in Wahrheit einen Namensvetter verpflichtet. Wir sprachen mit ihm.
Im September 2010 wurde der Schotte Andrew Morrison Nationaltrainer der Seychellen, dabei wollte er eigentlich nur dort Urlaub machen, so die ersten Meldungen. Auf der Homepage des Verbandes hieß es wenig später, man habe mit dem Trainer einen ehemaligen Spieler von Manchester City verpflichtet. Doch dieser heißt eigentlich Andrew Charles Morrison und ist Co-Trainer bei Northwich Victoria in der siebthöchsten englischen Liga. Der seychellische Verbandspräsident wurde daraufhin mit den Worten zitiert: »Wir sind auf einen Hochstapler hereingefallen.« Doch der Präsident gewährte dem »falschen« Morrison eine sechsmonatige Probezeit als Trainer der Seychellen.
Andrew Morrison, mal der Reihe nach: Stimmt es, dass Sie auf den Seychellen im Urlaub waren, als Sie als Nationaltrainer verpflichtet wurden?
Ja, meine Freundin kommt von den Seychellen und wir haben ihre Familie besucht. Einige aus der Familie kannten den Verbandspräsident. Bei einem Treffen tauschten wir uns dann aus und er sagte mir, ich solle doch mal meine Bewerbung einreichen. Schließlich war ich in England schon als Trainer aktiv. Meine Bewerbung hat sie dann überzeugt.
Wobei Sie aber kein Profitrainer sind.
Nein, aber ich leite einen Fußballverein für Jugendliche, der Samba Street Soccer Club heißt. Er ist in West-London beheimatet und für Kids gedacht, die aus angespannten Familienverhältnissen kommen. Mittlerweile besteht der Klub seit fünf Jahren und bei uns trainieren über 100 Jugendliche viermal wöchentlich. Wir geben ihnen eine echte Perspektive.
Dafür erhielten Sie in England mehrere Auszeichnungen und wurden von Premierminister Gordon Brown gelobt. Reicht das aber für den Job als Nationaltrainer?
Ich habe genug Erfahrung und durch Samba Street Soccer mit diversen Größen im Weltfußball zusammengearbeitet. Darunter heutige Stars wie Joe Cole von Chelsea oder ehemalige Spieler wie Hugo Sanchez aus Mexiko.
Nur bei Manchester City spielten Sie nicht, wie der seychellische Verband zunächst dachte.
Das stimmt so nicht. Der Verband wusste von vornherein, dass mein Name Andrew Amers-Morrison ist. Dieser Name steht auf meinem Bewerbungsbogen und auf meinem Vertrag. Allerdings gab es einen Fehler, als sie die Meldung mit dem ehemaligen City-Spieler Andrew Morrison auf die Homepage des Verbandes setzten. Der Northwich Guardian in England hat davon Wind bekommen und von dort nahm die Geschichte ihren Lauf.
Der frühere City-Spieler Andrew Charles Morrison erklärte daraufhin sehr amüsiert, nichts von der Sache zu wissen.
Ich kam gerade aus Botswana, wo ich als seychellischer Nationaltrainer das U20-Team bei einem Turnier betreute. Und plötzlich las ich überall die Meldungen und konnte nur mit dem Kopf schütteln.
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Der Verbandspräsident soll Sie einen »Hochstapler« genannt haben.
Auch das stimmt nicht. Er hat mir mehrmals versichert, das so nicht gesagt zu haben und mir sogar eine schriftlich Erklärung gegeben. Auch gegenüber der Presse hat er diese Aussagen klar zurückgewiesen. Der Verband wusste, dass er mich holt – ich bin kein Hochstapler.
Stimmt es, dass Sie letzten Endes nun Trainer auf sechs Monate bleiben, obwohl Sie erst einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben haben?
Dazu kann ich leider nichts sagen, weil das Sache meiner Anwälte ist.
Zum Schluss: Wie ist denn so die Arbeit als seychellischer Nationaltrainer?
Fantastisch! Alles geht hier unglaublich schnell voran, wir machen super Fortschritte. Die Spieler, Fans und die Funktionäre erkennen meine Arbeit an und schenken mir viel Vertrauen. Ich glaube, wir können viel erreichen. Das ganze Land hat große Erwartungen an uns.




