Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
31.01.2011

Wie Hotspur-Fans gegen den Stadionumzug protestieren

Tim Framp: »Der Sargnagel für Tottenham Hotspur«

Interview: Daniel Marx  Bild: Imago

Die Fan-Initiative »We are N17« möchte verhindern, dass Tottenham Hotspur Nachmieter für das Londoner Olympiastadion wird. Wir sprachen mit N17-Mitglied Tim Framp über einen Verein, der droht, seine Seele zu verlieren.

Wie Hotspur-Fans gegen den Stadionumzug protestieren - Tim Framp: »Der Sargnagel für Tottenham Hotspur«


Tim Framp, warum ist West Ham United der bessere Nachmieter für das Londoner Olympiastadion als Ihr Verein Tottenham Hotspur?

Tim Framp: Weil West Ham das olympische Erbe erhält. Paris zum Beispiel hatte eine großartige Bewerbung, aber London hat den Zuschlag bekommen, weil wir versprochen haben, das Erbe der Athleten zu bewahren. Das tut das Angebot von Tottenham allerdings nicht.



Tottenhams Angebot und die Pläne, das Stadion gleich wieder abzureißen, widersprechen also dem olympischen Gedanken, dem London 2012 sich verpflichtet hat?


Tim Framp: Genau. Man hat 500 Millionen Pfund ausgegeben, um dieses Stadion zu bauen. Eine Menge Geld. Und dann soll das Stadion abgerissen und für eine gigantische Summe ein neues gebaut werden. Die »Olympic Parc Legacy Company« in Stratford will unbedingt verhindern, dass da nach den Spielen ein teures Stadion herumsteht, was nicht anständig genutzt wird. Das kann ich nachvollziehen. Aber es kann doch nicht der richtige Weg sein, das Stadion einfach abzureißen, nur um zu verhindern, dass das alte ein teurer Klotz am Bein der Stadt wird. Das wäre eine monströse Geldverschwendung. Aber es besteht offensichtlich die Annahme, dass Tottenham am ehesten eine angemessene Nachnutzung gewährleisten könnte.

Was ist mit dem Neubau der »White Hart Lane«? Der wurde in der letzten Woche bewilligt.


Tim Framp: Die Planungen sind abgeschlossen und alles ist unterschrieben. Drei Jahre lang hat der Verein erzählt, dass ein Stadionneubau in unserem Stadtteil das Ziel ist. Und plötzlich haben sie ihre Meinung geändert. Eine Menge Fans sind sehr enttäuscht darüber. Es gibt keine nachvollziehbaren Gründe gegen einen Neubau in der direkten Nachbarschaft.

Es heißt, mit einem Umzug nach Stratford würden die »Spurs« eine Menge Geld sparen. Geht es nur um finanzielle Vorteile?

Tim Framp: Ganz sicher. Es brächte dem Verein vor allem deswegen finanzielle Vorteile, weil »AEG« in Stratford mit den Spurs zusammenarbeiten will, was sie in Tottenham nicht tun würden. Diese Firma betreibt den Londoner »Millenium Dome« und will auch im neuen Olympiastadion Konzerte und andere Events veranstalten, um viel Geld zu verdienen. Ein Fußballspiel wäre nur noch ein Event unter vielen. Es geht aber auch darum, wie diese Zahlen präsentiert wurden. Sie wurden manipuliert und so gedreht, dass sie das Vorhaben des Vereins sinnvoll erscheinen lassen. Es hieß, der Neubau Stratford koste 250 Millionen und wäre damit 200 Millionen billiger als ein Bau in Tottenham.

Eine gewaltige Differenz.

Der Hauptgrund dafür ist, dass sie hier nicht nur ein Stadion, sondern auch Häuser, ein Hotel und einen Supermarkt bauen würden. Das Stadion an sich würde den Verein nicht mehr kosten als eines in Stratford. Dort erhoffen sie sich aber, dass es mehr Profit abwirft. Hier wurden Zahlen veröffentlicht, die nicht miteinander vergleichbar sind.

How are you, Premier League? Die 11FREUNDE-England-Kolumne >>

Diese Irreführung ist aber nicht der Hauptgrund dafür, dass die Fans ein großes Problem mit den Umzug nach Ost-London haben.

Tim Framp: Ein Beispiel: Das neue Stadion der Bayern hätte überall in München gebaut werden können, weil dieser Verein die Stadt als Ganzes repräsentiert. Tottenham aber repräsentiert nicht London, sondern nur einen kleinen Teil der Stadt. Mit einem Umzug trennt man den Klub von den Menschen des Stadtteils, den er repräsentiert. Die Leute, die in den Londoner Osten umziehen wollen, leugnen die Wurzeln des Klubs.

Ein Albtraum.

Tim Framp: Für mich wäre es genau das, es würde den Fußball verändern. Es gibt einen Haufen Gründe, warum ich Tottenham-Fan bin. Dass der Klub jetzt bereit ist, die Geschichte des Klubs aufzugeben, macht es sehr schwer für mich, »Spurs«-Fan zu bleiben. Ein Umzug würde viel in meinem Leben verändern und darüber hinaus wäre es der letzte Nagel in den Sarg des Klubs. Der Verein, mit dem man sich identifiziert hat, wäre plötzlich komplett ausgelöscht. Es ist doch so: Klubbesitzer oder oder -Vorsitzende und deren Ideen kommen und gehen, ein echter Fan bleibst du ein Leben lang. Nicht einmal mehrere Abstiege könnten meine Liebe zu Tottenham erschüttern. Der Verkauf unserer Seele allerdings schon. 


weiterlesen [1] [2]





Der Stein des Anstoßes. 600 Millionen Euro (540 Mio. Pfund) wird es gekostet haben und 80.000 Menschen fassen, wenn es im Sommer fertig gestellt sein sollte. Tottenham will es komplett abreißen und anstelle dessen ein reines Fußballstadion sowie ein kleines Leichtathletikstadion errichten. West Hams Pläne sehen vor, das Stadion nur umzubauen. Die Laufbahn würde, extrem ungewöhnlich für ein britisches Stadion, erhalten bleiben. 60.000 Menschen würden Platz finden.


Fotostrecke

  • Der Stein des Anstoßes. 600 Millionen Euro (540 Mio. Pfund) wird es gekostet haben und 80.000 Menschen fassen, wenn es im Sommer fertig gestellt sein sollte. Tottenham will es komplett abreißen und anstelle dessen ein reines Fußballstadion sowie ein kleines Leichtathletikstadion errichten. West Hams Pläne sehen vor, das Stadion nur umzubauen. Die Laufbahn würde, extrem ungewöhnlich für ein britisches Stadion, erhalten bleiben. 60.000 Menschen würden Platz finden.
  • Laut Tottenhams Entscheidungsträgern ist das alte Stadion mit einem Fassungsvermögen von 37.000 Zuschauern längst nicht mehr zeitgemäß...
  • ...für einen Klub der europäischen Spitzenklasse. Jeder andere Champions League-Achtelfinalist...
  • ...spielt in einer größeren Hütte, sogar der FC Kopenhagen.
  • Die Heimstätte der Spurs seit 1899!
  • Die Angst der Fans ist klar: Der Verein verkauft seine Seele.


Ähnliche Artikel

Kommentare

  • User
  • 31.01.2011 02:13:38 Fix

    Sollte White Hart Lane von Tottenham verlassen werden, würde nach Highbury ein weiteres Stadion mit Atmosphere verschwinden. Wäre echt schade.

    Und dafür nen Stadion mit ne Laufbahn, na super.

  • User
  • 31.01.2011 11:27:01 titus in London

    Fix, Spurs würden nicht die Laufbahn halten - und genau deshalb ist ihr Umzog so umstritt. Ja, es wäre allerdings schade - aber der Verrein hat uach rechts sich zu fragen, woher die nächste Generation Anhängers kommen würde, wenn es im AUgenblick fast unmöglich ist ein Ticket zu kriegen. :/

    Leider, existiert das ganzes Problem, nur weil England pleite ist, hat keine Vision, und wollte das Stadion ganz gunstig zu bauern - was viel besser gewesen wäre, wäre ein Stadion mit Laufbahn, aber mit einziebahr Seating für fussball - genau wie le Stade de France. But that's England...... everything half-arsed..... :/

  • User
  • 31.01.2011 14:31:14 Cantona 7

    is das nich der postcode von tottenham??

  • User
  • 31.01.2011 16:15:50 pandrodor

    Ja.

    Tottenham is a large area incorporating the N15 and N17 postcode areas.

  • User
  • 31.01.2011 16:20:11 Cantona 7

    ahhhh, danke!

  • User
  • 31.01.2011 23:13:12 UrmelAusmEis

    "was viel besser gewesen wäre, wäre ein Stadion mit Laufbahn, aber mit einziebahr Seating für fussball - genau wie le Stade de France."

    Besser als die Laufbahn ja - aber dennoch viel schlechter als ein wirklich kompaktes Stadion. Auch im Stade de France sind die Hintertortribünen etwa 25-30 Meter von der Torlinie entfernt.

    Das beste bleibt dasw, was seit Jahren geplant war: ein neues Stadion in Tottenham mit rund 60.000 Plätzen (damit die nächste Fangeneration gezüchtet werden kann) und ein weiterer Ausbau des Upton Park, da würde ja eine neue Gegentribüne schon deutlich weiterhelfen. Zwei tolle Stadien, vor allem aber - nix gegen den Olympiapark - zwei tolle Standorte, very British indeed.
    Und das Stadion mit Joggingpfad drumherum zwischen den beiden Stadtteilen bleibt für Konzerte, die eine oder andere Leichtathletik-EM und alles andere, was der AEG so einfällt, nutzbar. Btw., die Zeugen Jehovas machen doch gerne mal Massentaufen im Stadion. Muss nur jeder Tottenham- und West-Ham-Fan bei denen eintreten, dann ist die wirtschaftliche Nachnutzung des Olympiastadions auch ganz ohne Vereinsschändungen garantiert.

  • User
  • 01.02.2011 10:25:22 gelsenkirchen

    immer wieder krass wie sich städte mal eben schnell ein neues stadion ohne nachnutzungskonzeopt hinknallen. gerade in london gibt es ja kaum stadien, die eine olympianutzung möglich gemacht hätten...

  • User
  • 11.02.2011 15:12:06 Fix

    yeah, WHL bleibt Spursterritorium. sehr gut,
    zieht WHU eigtl. auch um, wenn se nächstes jahr 2. Liga -> Coca Cola League spielen?

zum Forum

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Thema: Fußballfans. Eure Wunschgäste für Maischberger, Lanz, Plasberg und Co.?

Werner Schulze-Erdel
Charly Steeb
Alf
Bono
Frank Zander
Zini
Max Power
Johannes B. Kerner
Günter Wallraf
Campino
Andreas Elsholz
Alfred Biolek
Vera Int-Veen
Marius Müller-Westernhagen
Ich




Mike Werner über Wodka, Haare, Meisterschaft


Rekordtorschützen in der U21

  • Pierre Littbarski (21 Spiele, 18 Tore)
  • Heiko Herrlich (20 / 17)
  • Benjamin Auer (23 / 15)
  • Mike Hanke (26 / 14)

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER