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25.01.2011

Tunesiens Fußball-Legende über die Revolution

Jahwar Mnari: »Das Volk hat sich erhoben!«

Interview: Alex Raack  Bild: Imago

72 Spiele hat Jahwar Mnari für sein Heimatland Tunesien bestritten, darunter drei Partien bei der WM 2006. Im Interview spricht der beim FSV Frankfurt unter Vertrag stehende Mnari über die tunesische Revolution und die neue Freiheit.

Tunesiens Fußball-Legende über die Revolution - Jahwar Mnari: »Das Volk hat sich erhoben!«


Jawhar Mnari, in Ihrem Heimatland Tunesien hat eine Revolution den Diktator Ben Ali aus dem Amt gejagt. Haben Sie verfolgt, was in Tunesien passiert ist?

Natürlich! Während der Winterpause war ich für zwei Wochen in meiner Heimatstadt Monastir, ich war also dabei, als die ersten Menschen auf die Straßen gingen. Erst war die Revolution in Tunis und in bei uns in Monastir, dann überall im Land. Es ist ein wunderbares Gefühl, dass sich das Volk jetzt erhoben hat.



Ihre gesamte Familie lebt in Tunesien. Hatten Sie nicht Angst um sie?

Hatte ich. In den ersten Tagen waren die Straßen ja auch voller Polizisten und Soldaten und auch jetzt streunen noch immer Anhänger von Ben Ali durch die Städte. Aber das Beste an der ganzen Revolution ist ja: Endlich brauchen wir Tunesier keine Angst mehr haben.

Angst?

Das Leben in Tunesien war immer voller Angst. Du hattest Angst mit deinen Freunden zu sprechen, mit deinen Nachbarn, mit deinen Mitspielern. Überall schien das Regime Augen und Ohren zu haben. Ein ähnlich beklemmendes Gefühl müssen die Menschen in der DDR gehabt haben. Jetzt ist Ben Ali weg und mit ihm ist die Angst verschwunden.

Waren Sie selbst auch auf den Straßen, um für die Revolution zu kämpfen?

Ich nicht, aber meine Schwester. Sie ist Ärztin und ist auf die Straße gegangen. Die tunesische Revolution ist eine Revolution der Intelligenz – es waren vor allem Ärzte, Professoren und Rechtsanwälte, die den Mut hatten auf die Straße zu gehen.

Kaum ist der Diktator aus dem Land verjagt, drohen neue Konflikte: In der neuen Regierung sitzen noch viele Gefolgsleute Ben Alis. Was sollte Ihrer Meinung jetzt in Tunesien passieren?

Unter Ben Ali war Tunesien ein Polizeistaat, ein diktatorisches und verbrecherisches Regime. Kein Mensch will die Handlanger dieser Herrschaft im neuen Tunesien sehen. Ich hoffe, dass alle, die mit Ben Ali zu tun hatten, aus ihren Ämtern entlassen werden. Was wir jetzt brauchen, ist ein kompletter Neuanfang. Das gleiche gilt für die Polizei und das Militär. Außerdem hoffe ich, dass das viele Geld, das die Clique von Ben Ali überall auf der Welt versteckt hat, nicht nur vor ihm geschützt, sondern in vollem Umfang dem Land Tunesien übergeben wird. Das ist sehr viel Geld und das brauchen wir – nicht ein Verbrecher auf der Flucht.

Sie sind Fußballer, kein Politiker. Was können Sie als Sportler jetzt tun, um Ihrem Heimatland zu helfen?

Wie Sie sagen: Ich bin kein Politiker. Deshalb werde ich warten, bis sich die neue Regierung eingespielt hat, bis es wieder etwas ruhiger in unserem Land geworden ist. Denn für die Zeit danach haben meine tunesischen Fußball-Kollegen und ich Pläne, wie wir dem Fußball in Tunesien unterstützen können. Ich weiß noch nicht konkret, wie wir das anstellen wollen, aber wir wollen auch den tunesischen Fußball revolutionieren.




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Kommentare

  • User
  • 25.01.2011 16:21:08 Würzburger

    Genau dafür mag ich euch.

  • User
  • 25.01.2011 16:51:55 Yvy

    Genau !
    Weltnachrichten in fußballfanfreundlicher Form verpackt !

  • User
  • 25.01.2011 19:39:07 suppenteller

    Die tunesische Revolution ist eine Revolution der Intelligenz – es waren vor allem Ärzte, Professoren und Rechtsanwälte, die den Mut hatten auf die Straße zu gehen.

    müssen ja ne ganze menge davon haben in tunesien

  • User
  • 25.01.2011 21:12:59 einrudithömmes

    Wenn man mal keine Ahnung hat, suppe, dann. Hat man halt mal keine Ahnung, nä!

    Tunesien hat (im Gegensatz zu vielen anderen - ich sach ma - NORD-afrikanischen Ländern) eine recht junge und (nach mindestens nach Landesstandards) gut ausgebildete Bevölkerung. Das Problem (nuja, eins von zich) sind eher die fehlenden Arbeitsplätze.

    Es IST eine Revolution der Intelligenz und ich wünsche ihr von Herzen alles Gute.

  • User
  • 26.01.2011 03:12:31 Ganna

    Da tun sich scheinbar Möglichkeiten auf. Aber nicht vergessen: „Wer zu spät kommt, …“

  • User
  • 26.01.2011 13:36:02 suppenteller

    yo rudi thömmes, bei 10millionen einwohnern (davon ziehen wir dann nochmal all die kinder und greisen ab, die nicht auf strasse gehen (können)), waren von den zehntausenden demonstranten im ganzen land sicher die mehrheit professoren....

    und zeig mir doch mal eine revolution in der geschichte, die NICHT von der "intelligenz" angestossen wurde, von ihr ausging und sich dann massenwirksam auf die breite bevölkerung ausgeweitet hat?

    was für eine erkenntnis also, die aber unterschlägt das auch viele frauen (deren bildungsgrad weit von dem der männer abfällt) und besonders jugendliche auf die strasse gegangen sind.

    und so besonders sticht tunesien bildungstechnisch scheinbar auch nicht aus dem maghreb heraus, was hoffnung macht, dass bald noch mehr der despoten fliehen müssen

  • User
  • 26.01.2011 13:43:12 AbteilungAttacke

    und zeig mir doch mal eine revolution in der geschichte, die NICHT von der "intelligenz" angestossen wurde, von ihr ausging und sich dann massenwirksam auf die breite bevölkerung ausgeweitet hat?


    *hust* Na, so mythologisch-frühgeschichtlich fällt mir die secessio plebis ein...

  • User
  • 26.01.2011 13:52:26 einrudithömmes

    die französische
    die Nelken
    unsere letzte

    so mal aus dem Bauch raus.

    Und die indexmundi-Sache: Interessant, aber LYBIEN?

  • User
  • 26.01.2011 13:55:48 gelsenkirchen

    was sind das denn für werte? also was bedeutet "bildung 94"?

  • User
  • 26.01.2011 14:10:40 AntiMöller

    Zumindest "unsere letzte" Revolution ging aber von "den Intellektuellen"/Kirchenkreisen aus.

  • User
  • 26.01.2011 14:11:17 saloth sar

    den Intellektuellen"/Kirchenkreisen

    widerspricht sich das nicht?

  • User
  • 26.01.2011 14:24:49 AntiMöller

    In der DDR fand die Intelligentia ja Unterschlupf in der protestantischen Kirche und konnte unter dem Mantel der Kirche agieren. Weiß doch jeder.

  • User
  • 26.01.2011 15:13:32 einrudithömmes

    Ich nicht. Offenbar nicht intellegent/religiös genug für.

  • User
  • 26.01.2011 16:04:22 AntiMöller

    Oha, Ihr erinnert Euch nicht mehr daran, wie die "Wende" ablief? Wer die Demonstrationen organisierte? Aus welchem Personenkreis sich das Bündnis 90 zusammensetzte? Ist das schon so lange her?

  • User
  • 26.01.2011 18:02:00 suppenteller

    Heute 13:55:48 von gelsenkirchen
    was sind das denn für werte? also was bedeutet "bildung 94"?


    oh gar keine legende, wenn ich das aus dem factbook noch richtig in erinnerung habe, sind das prozentangaben wieviel prozent der bevölkerung ein gewisses basis-bildungslevel erreichen. kannst das zb mit europa vergleiche, wo die meisten länder so im 99 prozent bereich sind, dann haste ne gewisse vorstellung, was da gekonnt für werden muss.


    Heute 13:52:26 von einrudithömmes
    die französische
    die Nelken
    unsere letzte

    so mal aus dem Bauch raus.

    Und die indexmundi-Sache: Interessant, aber LYBIEN?


    also gerade die frz revolution hat ja ein enormen intellektuellen vorlauf, die aufklärung ist ja nicht gerade ein resultat des pöbels auf den strassen und natürlich sind die wichtigen figuren hier aus intelektuellen kreisen gekommen (in allen phasen der revolution), die aber ohne unterstützung einer breiten masse natürlich nie diese wirkungsmächtigkeit entfalten hätten können. das ist ja auch das, was ich meinte: es ist eigentlich immer eine gewisse intellektuelle avantgarde vorhanden, die den funken gibt, aber das feuer bricht dann in allen schichten aus. platt gesagt: der pöbel ist eher träge und selbst solche revolutionen, die explizit die massen ansprachen (bolschewistische zb), waren sich sehr über die notwendigkeit der interaktion von masse und avantgarde bewusst (siehe lenin, trotzky)

    und nelkenrevolution, puh, also gerade eine kasernenhofevolution, die von gebildeten hochrangigen militärs inzeniert wurde und dann von den massen freudig begrüßt wurde hier als beispiel anzuführen, ist eher ein eigentor, oder?

    lybien, ja wie gesagt, eine statistik, die eher grundlegende bildung wiedergibt und wenig über eine intellektuelle schicht aussagt. einige der arabischen länder (die weltweit was buchpublikationen, diskussionskultur etc immer ganz hinten rangieren), erreichen da ganz respektable werte, ist also natürlich mit vorsicht zu genießen.

  • User
  • 26.01.2011 18:13:26 rumpler

    Ich weiß nur noch, dass die Gaby ganz scharf auf Bananen war.
    Und der Guido natürlich auch.

  • User
  • 26.01.2011 18:42:47 einrudithömmes

    Suppe, vielleicht haben wir auch eine unterschiedliche Vorstellung der Intelligenzia, oder?

    Unterm Strich, und ich wäre überrascht, wenn du Interlegenzbolzen das übersehen hättest, ging es nicht zuletzt auch um die merkwürdig-bissige Bemerkung deinerseits

    müssen ja ne ganze menge davon haben in tunesien

    PS: Ohne Pöbel geht es nicht. Wer hat denn bei der letzten Wahl die FDP gewählt?

  • User
  • 27.01.2011 11:12:27 suppenteller

    mh ja, ich wollte mit meinem hingerotzten kommentar auch nur annmerken, dass das irgendwie nicht sein kann, ist ja aber auch egal. und gegen den pöbel, plebs oder wie auch immer man es nennen will, hab ich nix, mich verbindet eine hassliebe zu ihm

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