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25.11.2010

Torwart Nico Pellatz

»Keine Nummer Zwei«

Interview: Andreas Bock  Bild: Imago

Von Berlin und Bremen über Zypen nach Holland: Der 24-jährige Nico Pellatz war bislang viel unterwegs – gespielt hat er kaum. Wir sprachen mit ihm über die Sorge vor dem ewigen Talent, Fanpartys in Den Haag und Rocky Balboa.

Torwart Nico Pellatz - »Keine Nummer Zwei«


Nico Pellatz, hören Sie vor Spielen eigentlich immer noch den Soundtrack der »Rocky«-Filme?

Ja, klar. »Eye of the Tiger« habe ich bei jedem Spiel dabei. Das motiviert mich.

Auch wenn Sie momentan bei Ihrem neuen Klub ADO Den Haag nur auf der Bank sitzen?

Ich gehe in jede Partie, als würde ich von Anfang an spielen. Wenn du mit hängendem Kopf das Feld betrittst – ganz egal, ob du Ersatz bist oder Stammspieler –, kannst du gleich die Schuhe an den Nagel hängen.



Wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zurückblicken: Würden Sie mit dem heutigen Wissen etwas anders machen?

Die Frage habe ich mir schon ein paar Mal gestellt. Und ich komme immer wieder zum selben Ergebnis: Nein!

Bei Hertha BSC und Werder Bremen spielten Sie jahrelang in den zweiten Mannschaften. Sie haben außer auf Zypern, wo Sie vier Ligaspiele bestritten, kein einziges Profispiel absolviert.

Das ist nicht ganz richtig. Ich habe im DFB-Pokal 2009 im Viertelfinale mit Werder gegen den amtierenden Deutschen Meister VfL Wolfsburg gespielt. Wir gewannen 5:2. Das bis ist heute mein absolutes Highlight gewesen – und das Spiel bestätigte mich, ich habe gesehen, dass ich auf diesem Level mithalten kann: Genau dort will ich wieder hin. Und auch wenn mich später meine Kinder mal fragen sollten, warum mir die ganz große Karriere versagt blieb, dann möchte ich ehrlich antworten und voller Überzeugung sagen können: Ich habe es versucht und immer alles gegeben. Vom Anfang bis zum Ende. Vielleicht war ich stets zur falschen Zeit am falschen Ort. Vielleicht fehlte mir einfach das nötige Glück. Aber ich bin erst 24, noch habe ich Zeit. Heinz Müller hat den Durchbruch auch erst mit 32 geschafft. Ich bin weiter geduldig, meine Zeit kommt noch.

Kommt man als Profi trotzdem mal an den Punkt, wo man sagt, dass ein Gang in die 2. Liga sinnvoller gewesen wäre?

Sehen Sie sich den aktuellen Torwartmarkt an. Da gibt es ehemalige Erstligatorhüter wie Stefan Wessels, die auf einen Job warten – und sicherlich auch die 2. Liga im Auge haben. Oder einen wie Michael Rensing, der beim FC Bayern gespielt hat und in der Champions League zum Einsatz kam. Der Mann ist aktuell vereinslos. Und trotzdem gab es für mich die Möglichkeit, in die 2. Liga zu wechseln. Aber ich wollte unbedingt spielen und die Chancen auf einen Stammplatz waren auf Zypern und sind hier in Holland einfach besser – zudem ist die Erendivisie attraktiv und ein gutes Sprungbrett.

Sie hatten auch ein Angebot von Mainz 05.

Thomas Tuchel nahm mich im Sommer mit ins Trainingslager. Er attestierte mir gute Leistungen – gegen Panathinaikos Athen und Alemannia Aachen absolvierte ich etwa Testspiele und wir spielten jeweils zu Null. Doch dann verletzte sich Heinz Müller und Thomas Tuchel wollte einen erfahrenen Torhüter hinter Christian Wetklo wissen. So verpflichtete der Klub Martin Pieckenhagen. Es tat Tuchel sehr leid.

Wie schwierig ist es, sich in solchen Situationen neu zu motivieren?

Natürlich war diese Nachricht für mich erstmal sehr bitter. Zugleich wollte ich aber nicht in Lethargie verfallen. Es war klar, dass ich, wenn ich meine Chancen verbessern will, den Schritt ins Ausland wagen muss. Stillstehen wollte ich nicht, denn Stagnation ist der Tod für einen Fußballer.

Was lief eigentlich auf Zypern falsch?

Thomas von Heesen holte mich zu Apollon Limassol. Ich startete als Nummer eins in die Saison, doch nach vier Spielen wackelte bereits der Stuhl des Trainers, obwohl wir ungeschlagen Spitzenreiter waren.

Wieso?

Auf Zypern denken einige Leute, die sich mit ein paar tausend Euro einen Sitz im Präsidium erkauft hat, sie seien befugt, dem Trainer in seine Arbeit hineinzureden. Diesem Dilemma bin ich zum Opfer gefallen. Es machte einige Herrschaften nervös, einen so jungen Keeper im Tor zu sehen. Im Gegensatz zu allen anderen Mannschaften in der Ersten Zyprischen Division waren wir das einzige Team, das einen Torwart aufbot, der weit unter 30 Jahre alt war. Trotzdem bereue ich nichts, denn letztlich bin ich mental aus dieser schwierigen Situation als Sieger hervor gegangen. Ich habe mich nicht unter kriegen lassen, jeden Tag diszipliniert an mir gearbeitet und so manche schöne Erinnerung behalten. Beispielsweise haben mich die Fans als besten ausländischen Keeper ins Allstargame gewählt, obwohl ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr gespielt habe.

Danach flüchteten Sie nach Den Haag?

Es war auf keinen Fall eine Flucht. Ich wollte weg und habe den Verein gebeten, meinen Zweijahresvertrag aufzulösen. Dem haben sie auch entsprochen. Mit der Entlassung von Thomas von Heesen ist das ganze Konzept in sich zusammengebrochen. Für mich war das, was übrig blieb, nicht attraktiv genug. Es ist aber nicht so, dass ich nur schlechte Erfahrungen auf Zypern gemacht habe. Alleine der Sieg im Derby gegen AEL Limmassol vor ausverkauftem Haus war eine großartige Sache für mich. Nach dem Sieg stürmten die Fans den Platz und später drangen sie in die Kabine. Es gab kein Entrinnen, und so feierten wir gemeinsam bis in die Morgenstunden, ganz so, als wären wir Meister geworden. Die komplette Stadt war in blau-weiß gehüllt.

Seit September stehen Sie bei ADO Den Haag unter Vertrag und haben mit Gino Coutinho den ehemaligen U21-Keeper der niederländischen Nationalelf vor sich. Wie ist Ihr Verhältnis?


Wir sind keine Freunde.

So wie Jens Lehmann und Oliver Kahn.

Nun, so ist es auch wieder nicht. Wir sind Kollegen, aber eben auch Konkurrenten. Wir respektieren und grüßen uns.


weiterlesen [1] [2]





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Kommentare

  • User
  • 25.11.2010 19:12:33 AntiMöller

    Nett vom Andreas Bock, einfach mal was über seine Kneipenbekanntschaft hier reinzusetzen! Und die Rechnung kann er damit auch gleich absetzen. Fuxx!

  • User
  • 25.11.2010 22:53:36 okko

    Was heiß das "Fuxx"?

  • User
  • 25.11.2010 23:00:00 AntiMöller

    Fuchs.
    Oder eine übler TV-Preis für Fussballer, welcher in der Sendung "ranissimo" mal in den 90ern mit viel Tam-Tam, schlechter Musik und Werbeunterbrechungen vergeben wurde.
    Willkommen in der Hölle.

  • User
  • 25.11.2010 23:43:25 Matzator

    Hier sehen Sie den kommenden Lutz Pfannenstiel!

  • User
  • 26.11.2010 09:59:24 gelsenkirchen

    "Von mir aus könnt ihr dem Emerson noch 20 solcher Fuxx-Dinger geben! Wir haben die Meisterschaft, die is viel mehr wert als dieses Scheiss X da!" - S. Effenberg

  • User
  • 26.11.2010 13:29:40 Yvy

    was soll das von wegen kneipenbekanntschaft ?

    Rote Erfolgsfans bitte den hauseigenen Sender (BR3) mit hauseigener Sendung (Blickpunkt Sport) aufsuchen.

    ja, es gibt Fußballfans, die sich für den Sport an sich interessieren, nicht nur für die Spitze

    Mann Mann Mann

  • User
  • 26.11.2010 15:30:05 AntiMöller

    Ist halt seine Kneipenbekanntschaft. Sag ich doch nix gegen.

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