Die Geschichte der Fußballfans

11FREUNDE-Spezial: Nr. 1

Die Geschichte der Fußballfans

Neu hier? Alle Infos zu 11Freunde Community
04.11.2010

Roberto Hilbert über Besiktas und sein Formtief

»Ich habe aus Fehlern gelernt«

Interview: Andreas Bock  Bild: Imago

Nach der Stuttgarter Meistersaison 2007 wurde Roberto Hilbert zum besten Außenspieler der Liga gewählt – danach ging es stetig bergab. Nun versucht er in Istanbul einen Neuanfang. Ein Gespräch über sein Formtief und Besiktas.

Roberto Hilbert über Besiktas und sein Formtief - »Ich habe aus Fehlern gelernt«


Roberto Hilbert, seit drei Monaten leben Sie in Istanbul. Wie geht es Ihnen?
 
Wenn ich die Stadt mit einem Wort beschreiben müsste, würde ich sagen, es ist impulsiv. Und das bezieht sich sowohl auf den Fußball als auch auf das Leben. Ich mag das sehr.


 
Sie haben einmal gesagt, dass Sie und Ihre Familie sehr weltoffen seien. Welche Bilder hatten Sie vor Ihrem Wechsel von Istanbul?
 
Ich war recht unvoreingenommen, als ich mich erstmals mit meinem Berater unterhielt, der sich sehr gut mit dem türkischen Fußball auskennt und eigentlich nur Gutes zu erzählen wusste. Auch die Gespräche mit meinen deutschen Mitspielern Michael Fink und Fabian Ernst waren sehr ergiebig und positiv.
 
Gehen solche Gespräche über den Fußball hinaus?
 
Klar, denn so neugierig und offen ich neuen Fußballerfahrungen und Kulturen gegenüberstehe, so sehr möchte ich auch die Sicherheit haben, dass es meiner Familie gut geht. Da informiert man sich also auch über vermeintlich banale Dinge: Die Bürokratie im Land, den Verkehr in der Stadt, die deutschen Schulen für die Kinder.
 
Gibt es denn mit Fabian Ernst, Michael Fink und Roberto Hilbert nun eine deutsche Clique bei Besiktas?
 
Es ist nicht so, dass wir nur zusammen rumhängen. Gerade als Neuer sollte man sich stets offen und interessiert zeigen. Daher lerne ich mit einem Privatlehrer auch die türkische Sprache. Das ist mir wichtig. Doch zweifelsohne ist es schön, Landsleute im Team zu haben – alleine für das Heimatgefühl.
 
Haben Sie einen Lieblingsort in der Stadt?
 
Ich bin gerne in Ortaköy. Auch Taksim gefällt mir, dort hat Ekrem Dag, ein Mitspieler von mir, eine richtig gute Eisdiele. Das Eis schmeckt super. Doch am schönsten ist es immer noch zu Hause. (lacht)
 
Wenn Sie auf die ersten Monate zurückblicken: Können Sie bereits ein Zwischenfazit ziehen?
 
Anfangs wurde ich zu meiner Freude sehr feierlich empfangen. Als ich aber schon nach dem ersten Spiel in der Euro-League-Qualifikation als Fehleinkauf in der Presse galt und angeblich auf der Abschussliste stand, war ich andererseits sehr verdutzt. Das ging ja schnell, dachte ich nur.
 
Hinterfragt man in solchen Momenten das ganze Vorhaben?
 
Nein, denn ich wusste, dass der Trainer und Verein von mir überzeugt sind. Zugleich merkte ich dann vor Ort, was Fabian Ernst und Michael Fink meinten, als sie von einer anderen Fußballfaszination sprachen. Das meine ich nicht wertend, doch es ist so, dass es in Istanbul über zwölf Tageszeitungen gibt, die randvoll mit Fußballthemen sind. Jede dieser Zeitungen widmet alleine den drei großen Klubs eine komplette Seite – und die muss ja auch erst einmal gefüllt werden.
 
Im zweiten Europa-League-Spiel machten Sie Ihr erstes Tor für Besiktas. Auf einmal waren Sie der Held vom Bosporus? 

 
So schnell ging es auch nicht. (lacht) Das Tor war zum einen sehr gut für mein Selbstvertrauen. Außerdem war es wichtig, um den Fans in diesem brodelnden Hexenkessel Inönü-Stadion zu zeigen: Hier bin ich, und ich kann Fußball spielen.
 
Die Bilder, die vom türkischen Fußball nach Deutschland schwappen, zeigen oftmals einen sehr starken Fanatismus der Anhänger. Wie ist es tatsächlich? Wie bewegt man sich als Spieler eines großen Istanbuler Klubs in der Stadt?
 
Wenn Sie meinen, dass man sich als als Spieler eines großen Istanbuler Klubs nicht auf die Straßen trauen kann, weil man befürchten muss, von rivalisierenden Fangruppen angegriffen zu werden, ist das ein Zerrbild. Ich habe jedenfalls noch nie die Erfahrung gemacht, dass mich ein Fener- oder ein Gala-Fan bepöbelte. Im Gegenteil: Oftmals muss ich auch mit den Anhängern der anderen Klubs für Fotos posieren.

Besiktas hat dieses Jahr ein richtiges Starensemble beisammen. Spaniens Guti, die türkische Torwartlegende Rüstü, den Brasilianer Bobo...
 
...den Portugiese Ricardo Quaresma. Wir spielen auf einem unglaublich hohen Niveau. Gut für mich, denn ich kann hier noch viel lernen.
 
Welche Rolle nehmen Sie in dem Gefüge ein? Sind Sie mit Ihrer Erfahrung bereits Führungsspieler?
 
Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich muss erstmal wieder konstant meine Leistung bringen. Und ich denke, ich bin nach meiner Formkrise in Stuttgart auf einem guten Weg.


weiterlesen [1] [2]





Ähnliche Artikel

Kommentare

Logge Dich ein, um einen Beitrag zu schreiben!

VON DEN LESERN EMPFOHLEN



DIE AKTUELLE UMFRAGE

Thema: Fußballfans. Eure Wunschgäste für Maischberger, Lanz, Plasberg und Co.?

Werner Schulze-Erdel
Charly Steeb
Alf
Bono
Frank Zander
Zini
Max Power
Johannes B. Kerner
Günter Wallraf
Campino
Andreas Elsholz
Alfred Biolek
Vera Int-Veen
Marius Müller-Westernhagen
Ich




Jean-Marie Pfaff über Michael Rensing


Rekordtorschützen in der U21

  • Pierre Littbarski (21 Spiele, 18 Tore)
  • Heiko Herrlich (20 / 17)
  • Benjamin Auer (23 / 15)
  • Mike Hanke (26 / 14)

11Freunde Liveticker

11FREUNDE @ TWITTER